Kapitän Johann Magner im Gespräch

Kapitän Johann Magner an Bord seiner MS SAXONIA, Rügen

Wie ist Ihre Karriere auf europäischen Kanälen und Flüssen verlaufen?

Der Zugang zur Seeschifffahrt wurde mir in der DDR aus politischen Gründen verwehrt. Deshalb gab es nur eine Alternative für mich: die Binnenschifffahrt. Ich durchlief eine dreijährige Lehre zum Matrosen und wurde gleichzeitig zum Motorenwart ausgebildet. Mit 21 Jahren hatte ich Elbe-, Oder- und Kanalpatente in der Tasche und bekam mein erstes Kommando auf einem Schubschiff. Mit Motorgüterschiffen befuhr ich sogar Küstengewässer. Auf Kreuzfahrtschiffen lernte ich schließlich die großen europäischen Fluss- und Kanalreviere kennen und bin mittlerweile auch Patentinhaber dieser Gewässer.

Was unterscheidet Ihre jetzige Tätigkeit von der früheren?

Dadurch, dass ich heute Passagiere fahre, habe ich eine wesentlich größere Verantwortung, auch natürlich für die internationale Crew, die mehr Köpfe zählt als auf Frachtschiffen. Darüber hinaus muss ich ständig präsent sein für die Passagiere und ihre unterschiedlichen Wünsche.

Welche Fähigkeiten sollte man in Ihrem Beruf über das Fachliche hinaus haben?

Ganz wichtig ist, ein offenes Ohr zu haben für die Sorgen und Wünsche von Gästen und Crew. Kleine Störungen sollte man nicht zum Problem werden lassen, jedes Crew-Mitglied in seiner Position wichtig nehmen und dem Gast das Gefühl geben, dass alle für seine Wünsche da sind. Schließlich ist die jeweilige Reise für Viele die schönste Zeit des Jahres.

Welche Momente an Bord erleben Sie als schön, welche weniger?

Zufrieden bin ich, wenn zufriedene Gäste wiederkommen. Oder wenn Gäste zum Beispiel mit dem Satz „So schön hab ´ ich mir das nicht vorgestellt!“ das Essen stehenlassen, um den Sonnenuntergang oder einen Seeadler zu fotografieren. Was mir zum Beispiel gar nicht gefällt, wenn jemand die Kabine nachmisst und meint, reklamieren zu müssen, dass ein paar Quadratzentimeter gegenüber der Katalogangabe fehlen.

Was geben Sie Ihren Passagieren während der Reise mit?

Das Gefühl, beim Fahren die Freuden der Langsamkeit zu genießen, sich Zeit zu lassen für Naturbetrachtungen. Nur so kann man Alltagsstress und Hektik vergessen. Mir macht es außerdem viel Spaß, den Gästen Hinweise zu geben auf die Ökologie und Ökonomie sowie die jeweiligen Besonderheiten der durchfahrenen Wasserstraßen zu.

Gibt es unausgesprochene Regeln oder Empfehlungen für Passagiere, mit anderen Worten: Was ist erwünscht, was nicht?

Erwünscht sind Kritik und Empfehlungen, die gleich ausgesprochen und nicht am Ende der Reise vorgetragen werden, wenn Abhilfe nicht mehr möglich ist.

Unerwünscht sind rüde Umgangsformen. Freundlichkeit und Höflichkeit kosten nichts. Auch mal ein Dankeschön kann nicht schaden, womit auch die Arbeit der Besatzung gewürdigt wird. Das wiederum erhöht die Motivation.

Welches sind für Sie die reizvollsten Fahrtgebiete und warum?

Für mich persönlich alle Seegewässer, die mit unseren Schiffen befahren werden können. Aber auch wenig befahrene und intakten Flüsse wie zum Beispiel die Peene, der längste Fluss Mecklenburg-Vorpommerns mit seiner unzerstörten Natur. Das kommt bei den Gästen immer gut an.

Haben Sie darüber hinaus Wunsch-Reviere?

Einmal um die Welt zu segeln, das wär ´ schon was!

Ansonsten würde ich mal gern mal quer durch Westpreußen Kurs auf Danzig nehmen. Auf Weichsel, Frisches Haff, Nogat und Narew mit Ziel Ostpreußen zu befahren. Wenig im Angebot sind im Übrigen auch die Nebenflüsse der Donau. Wie man sieht, gibt es auf meiner persönlichen Wunsch-Karte für Binnenkreuzfahrten noch reichlich weiße Flecken.

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Vielen Dank für das Gespräch, das Dr. Peer Schmidt-Walther an Bord MS „Saxonia“ führte!

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