
Berlin, BRD (Weltexpress). Am 12. August 2026 gedachte das antifaschistische Italien der Opfer des unter dem Besatzungsregime Hitlerdeutschlands in Sant’Anna di Stazzema in der Toskana vor 82 Jahren begangenen barbarischen SS-Massakers, dem 560 Einwohner zum Opfer fielen. Erstmals nahm der Vizepremier und Außenminister, Antonio Tajani, als Vertreter der Regierung Meloni an der Gedenkveranstaltung teil. Die Regierungschefin selbst blieb der Veranstaltung fern. Tajani gestand eine bis dahin immer geleugnete Mitschuld der beteiligten faschistischen Mussolini-Miliz ein, verwies gleichzeitig darauf, dass heute wieder Gewalt mit vielen Toten, durch Kriege, im Nahen Osten wie in der Ukraine ausgeht, ohne zu erwähnen, dass Italien sich daran beteiligt. Laut der Korrespondentin der „Süddeutschen Zeitung“ in Rom sahen Regierungsgegner das vor den Wahlen im Herbst 2027 als ein „Wahlkalkül“ Melonis. Bisher war die Anwesenheit von Partisanen in Stazzema als Anlass für den Überfall angeführt worden. Der Leiter der Oppositionspartei Fünf Sterne (M5S), Giuseppe Conte, betonte im „Il Giornale“, der Opfer zu gedenken, schließe ein, die Diktatur abzulehnen und die Mitte-Rechts-Parteien für ihre historische Verantwortung für den Faschismus zur Rechenschaft zu ziehen.
Am 12. August wurden vor 82 Jahren in der Ortschaft von der Aufklärungsabteilung der 16. Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“ unter dem Kommando von Obersturmbannführer Walter Reder 560 Einwohner auf bestialische Weise ermordet. Die SS rottete mit Hilfe örtlicher Mussolini-Faschisten die gesamte Bevölkerung des kleinen Dorfes aus und schlachtete vor allem Frauen, Alte und Kinder
ab. Enio Mancini, der als sechsjähriges Kind das Morden überlebte, hat in einem Buch des Laika-Verlages „Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema“ (Hamburg 2014) niederschrieben, was geschah. „Schwangeren Frauen wurde der Leib aufgeschlitzt, Kleinkinder in die Luft geworfen und auf sie wie auf Tontauben geschossen, andere mit Bajonetten durchbohrt“. Mancini führte weiter an, dass von den Opfern 120 Kinder unter sechszehn Jahren und acht schwangere Frauen waren. Das jüngste Opfer zählte drei Monate, das älteste 86 Jahre. Die SS-Leute durchkämmten die Gehöfte und brannten die Gebäude nieder. 150 Einwohner wurden auf dem Kirchplatz zusammengetrieben und mit zwei Maschinengewehren und Handgranaten regelrecht hingeschlachtet. Die Mörder schichteten die Leichen übereinander, übergossen sie mit Benzin, zündeten sie an und verstümmelten sie bis zur Unkenntlichkeit. Nur 350 Opfer
konnten später identifiziert werden. Während des Überfalls befand sich kein einziger Widerstandskämpfer in dem Ort, obwohl das bis in die jüngste Vergangenheit behauptet wurde. Obersturmbannführer Reder wurde in Italien 1951 zu einer lebenslangen Haftstrafe für die unter seinem Kommando in Marzabotto in der Toskana im September 1944 ermordeten über 1800 Einwohner verurteilt. Für das Verbrechen in Sant’Anna wurde er Mangels Beweisen freigesprochen. 1985 wurde er begnadigt. Erst 2005 wurden in Italien zehn der
Verbrecher von Sant’Anna angeklagt und in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Bundesrepublik verweigerte ihre Auslieferung. In der BRD stellte die Staatsanwaltschaft Stuttgart 2012 ihre Ermittlungen gegen acht noch lebende Beschuldigte von Stazzema ein. 2013 wies das Oberlandgericht Karlsruhe einen Klageerzwingungsantrag als „unzulässig“ zurück. 2013 besuchte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck Sant’Anna und stellte sich mit der Behauptung „im Falle des Massakers von Sant Anna
reichten die Instrumente des Rechtsstaates nicht aus, um Gerechtigkeit zu schaffen“, schützend vor die SS-Mörder. Für die Verfolgung von DDR-Bürgen, die sich nach Recht und Gesetz für ihren Staat, auch auf antifaschistischen Positionen einsetzten, waren für ihn dagegen, alle Mittel des „Rechtsstaates“ gegeben.
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