Journalisten leben in Mexiko genau so gefährlich wie in Syrien

Mexiko
Eine Fahne von Mexiko flattert im Wind. Quelle: Pixabay, BU: Horst-Udo Schneyder


Berlin, Deutschland (Weltexpress). Anfang April stellte die Tageszeitung „Norte de Ciudad Juárez“ ihr Erscheinen ein. Oscar Cantú Murguí, Gründer und Eigentümer des Blattes, begründete das damit, dass weder Garantien noch Sicherheit für einen kritischen und ausgewogenen Journalismus existieren. Er sei nicht bereit, das Leben seiner Mitarbeiter weiter aufs Spiel zu setzen, schriebt er in einem Brief an die Leser auf der Titelseite der letzten Ausgabe.

Investigativer Journalismus ist lebensgefährlich

Knapp zwei Wochen vor der Schließung von „Norte de Ciudad Juárez“ wurde Miroslava Breach erschossen. Die 54-Jährige Journalistin arbeitete nicht nur für die überregionale, linke Tageszeitung „La Jornada“, sondern schrieb auch regelmäßig für ein Regionalblatt aus Ciudad Juárez.

Breach hatte immer wieder über Verstrickungen zwischen Politik, Wirtschaft und organisiertem Verbrechen berichtet. Das wurde ihr zum Verhängnis. Denn in Mexiko ist es gefährlich über die Beziehungen von korrupten Funktionären zum kriminellen Milieu zu schreiben. Es ist sogar gefährlicher als die Arbeit von Kriegsberichterstattern. Nach Angaben von Reporter Ohne Grenzen starben im letzten Jahr nur in Syrien mehr Journalisten bei der Ausübung ihrer Arbeit als in Mexiko.

Der Staat schaut tatenlos zu

Nach der Ermordung von Miroslava Breach mobilisierten Journalisten-Organisationen zu Protesten in ganz Mexiko. Auf den Kundgebungen wurde der Regierung Enrique Peña Nietos stets die selbe Frage gestellt: Warum läßt sie das Morden und Verschwindenlassen von Journalisten ungehindert geschehen? Allein im März dieses Jahres starben vier Menschen bei Anschläge auf Medienvertreter. Ein weiterer Reporter wurde durch Schüsse schwer verletzt. Doch die Täter können davon ausgehen, dass sie nie für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden. Denn die Straflosigkeit bei Gewaltverbrechen liegt in Mexiko weit über neunzig Prozent.

Aktualisierung

Mitte April wurde ein weiterer Reporter im nordmexikanischen Bundesstaat Baja California erschossen.

Anmerkung:

Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte am 11.04.2017 beim Nachrichtenpool Lateinamerika.

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