Jean-Jaques de Boisieu – das Städel greift im Jubiläumsjahr auf einen interessanten Sammlungsschwerpunkt seines Stifters zurück

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© Städel Museum

Der Zeichner und Radierer Boissieu ist ein Zeitgenosse Städels und bedenkt man, dass dieser mehr als 20 Zeichnungen und weit über 200 Radierungen des Künstlers erwarb, so wird deutlich, dass Städel sich nicht nur für die anerkannten alten Meister interessierte, sondern sich durchaus auch für „zeitgenössische Kunst“ erwärmte.

Boissieu ist nicht nur Zeitgenosse Städels, sondern wie dieser auch dann auch Zeitgenosse der französischen Revolution. Trotz seiner Abstammung aus dem niederen Adel und seiner Stellung (ab 1771) als königlicher Beamter übersteht er diese unbeschadet, ja seine Person und Werke werden durch eine Bescheinigung aus Paris sogar unter Schutz gestellt. Dazu mag  beigetragen haben, dass seine Bilder vor allem Landschaften und die einfache Bevölkerung darstellen und – was man besonders an den Portraits sieht – gar keine höfische Attitüde haben.

Boissieu war nicht nur Künstler sondern wurde auch schnell zum Verleger der eigenen Arbeiten, ja erstellte sogar zu Lebzeiten ein erstes Werkverzeichnis, von dem sich ein Exemplar im Nachlass Städels fand – mit handschriftlichen Ergänzungen des Künstlers.

Was alles kann der Besucher aus der Ausstellung mitnehmen?  Zunächst Einblicke in das ländliche Leben des 18. Jahrunderts, vor allem in der Landschaft um Lyon (dazu muss man nur die oft sehr kleinen Figurenstaffagen in den Bildern aufspüren), eindrucksvolle Portraitkunst und nicht zuletzt durch den gebotenen Vergleich von aquarellierten oder in Kreide gearbeiteten Motiven mit identischen radierten Fassungen auch eine wunderbare Anschauung von den Möglichkeiten und Grenzen der jeweiligen Technik.

Neben dem Retro-Blick auf die Anfänge stellt sich das Städel zusammen mit der „Schirn“ im Jubiläumsjahr aber auch der Moderne: Die Einführung von kostenlosem WIFI in beiden Instituten ist aber wohl weniger ein Geschenk an jene Besucher, die ihr Smartphone ohne Flatrate betreiben, es soll die Besucher vielmehr in die Lage versetzen, die schon sehr umfangreichen digitalen Informationsangebote der Häuser zu nutzen.

Die Ausstellung läuft vom 11. Februar bis 10. Mai 2015

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