In der weit, weit entfernten Stadt, in der Stadt der Engel

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Nach den Unruhen hoffen nun alle, dass sich die Lage bessert und die Gemüter beruhigen. Das sollte wirklich geschehen, denn der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für das Land. Und das Land, ja die Hauptstadt selbst, hat eine Menge zu bieten.

War hier eigentlich schon George Lucas? Vielleicht einer seiner Kulissendesigner? Denn die Stadt sieht so aus, als hätten sich hier die galaktischen Architekten umgesehen, bevor sie Coruscant erschufen; die Makropole, den Stadtplaneten aus der weit weit entfernten Galaxis. Kaum eine Stadt ist so gekonnt geschüttelt – nicht gerührt – und ergibt eine so kreative Mischung. Auf derselben Straße, nebeneinander stehen das größte Einkaufzentrum der Welt und ein Straßenhändler. In dem Konsumtempel erdrückt einen die Qual der Wahl, während der Mann mit `ner Kippe im Mund gerade das Neuste aus Hollywood, fein auf einem DVD-Rolling gebrannt, wie er zugibt, los werden will. Gleich daneben eine Kreuzung, an der eine Drei-Level-Brücke – wie ein Kater – zum Sprung ansetzt. Synapsen dieser Kommunikationsader sind die Ampeln. Schalten sie um, geht es los. Parterre: vierspurige Schnellstraßen, erster Stock: Fußgängerpassage, zweiter: eine weitere Street, oben drauf donnert der Zug. Geht die Post ab? Pure Untertreibung. Hier ist einfach der Teufel los! Und alles irgendwie geregelt. Also doch eine Stadt nicht von dieser Welt. Ich frag mich langsam, was Cynthia, eine Managerin des Hotels in dem ich mich aufhalte, dem Begrüßungsdrink beimischte. Denn eines ist klar, dieser 12-Millionen-Einwohner-Moloch befindet sich nicht auf meinem Planeten, sondern mindestens jenseits von Yo & Europa.
Seltsamerweise sehe ich hier weniger Polizisten als in Warschau. Soll hin und wieder auch anders sein. Ja ja, ich kenne die paar Tage alten Newsbilder.

Während ich einer Gruppe realer Mangafiguren zusehe, wie sie über die Straße auf Skates, Blades und „springenden Fahrradpumpen“ flitzen, erwischt mich ein Nebenfluss menschlicher Körper und ich drifte, recht sanft, in einen Bau, der scheinbar aus aufeinandergesetzten Containern besteht. In Kiel würde es ausgenutzt. Der neuste Modeschrei ist dort sich-in-der-Menge-aneinander-reiben. Mit Vorzug in Bussen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln trainiert. Reizt mich wenig. In Moskau müsste ich dafür meine Zaster-Karte unter der Zunge halten. Oder müsste die Zunge dann auch dran glauben? Hier hab ich immer noch einen dünnen Film freier Luft um mich herum. Dennoch, zurück zum Ausgang – eher zum Eingang – würde ich es nicht schaffen, also mäandere ich zwischen den einzelnen Ständen, über paar Etagen, an unzähligen Brillen, Uhren, Spielzeugen und Klamotten vorbei. Bis mich der Strom auf der anderen Seite aus dem „Gebäude“ ausspuckt.

Meine Beine sind langsam müde. Eigentlich würde ihnen eine Portion Joggen gut tun. Aber bei dieser Temperatur? Dann lieber doch eine etwas andere Massage. Während ich hunderten von Fischen zusehe, die meine in einem Aquarium steckenden Beine bis zu den Knien verschlucken, weckt das sanfte Kitzeln dieser Saugmonster meinen Appetit. Wie war das noch? Ach ja, stimmt, gleich in der Nähe steht ja das Pathumwan Princess Hotel. Hier könnte ich in einer Badewanne mit Rosenblättern auf der Wasseroberfläche die Stadt von ganz oben beäugen.

Das President-Appartement heißt das Zauberwort. Aber dieses Mal will ich mich von zwei Männern verwöhnen lassen. Andy Hameder und Stefano Zaninelli bilden hier das meisterliche Koch-Ensemble, das jeden Gaumen ins Nirvana steigen lässt. Und zwar, mit der Geschwindigkeit eines Millenium Falcons. Auch die Augen machen diesen Sprung in den Hyperraum mit. Ist pure Ästhetik essbar? Bei diesen zwei Typen auf jeden Fall. Der Besuch ihres italienischen Restaurants ist ein absolutes Muss. Wie wäre es, die berühmten Sonnenblumen von der Leinwand des verrückten Vincent pflücken zu dürfen? So sehen und schmecken die kleinen Gourmet-Koans, die Andys und Stefanos Hände erschaffen. Auch eine der Facetten dieser Stadt. Ich ertapp mich dabei, wieder das Brummen der Straßen wahrzunehmen. Einer Sache muss ich noch nachgehen, obwohl an die Terrasse des Restaurants ein erstklassiger Swimmingpool grenzt und ich ihm schwer wiederstehen kann.

Wie, schon fertig?! – wundert sich Andy, dessen Hände schon wieder ein Zauberkunststück vollführen.
Ich muss noch”¦ Obi-Wan treffen! – sage ich nebenbei, während ich mich fürs fürstliche Zwischen-Durch bedanke.
Obi-Was?
Vergiss es! Zwinkere ich ihm zu. Mensch Junge, diese Stadt, aber auch die Engeln die über deiner Küche wachen, werden mir verdammt fehlen.

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