Ich bin stolz auf die Jenaer Mädels – Interview mit der Wolfsburgerin Anna Blässe nach dem Münchner Spiel

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Anna Blässe (VfL Wolfsburg) schrieb nach der Niederlage in München noch fleißig Autogramme und ließ sich geduldig mit Münchener wie Wolfsburger Fans ablichten. © Silke Winkler

In Weimar aufgewachsen

In der laufenden Spielzeit ist das Thema DFB-Pokal bereits Geschichte, im Viertelfinale der Champions-League wartet Ende März der FC Barcelona, in der Meisterschaft liegt man nach der ersten Niederlage der Saison gegen die FC Bayern-Frauen auf Rang drei. Dabei hatten die Wölfinnen durch das 0:0 beim Tabellenführer 1. FFC Frankfurt viel Selbstvertrauen getankt und fuhren mit stolz geschwellter Brust in die bayerische Hauptstadt. Das Spiel begann mit der schnellen Führung für die Gäste auch vielversprechend. Am Ende mussten Anna Blässe und Co. jedoch die Heimfahrt ohne Punkte antreten.

FF-Autorin Silke Winkler sprach nach der 1:3-Niederlage mit der in Weimar aufgewachsenen Spielerin. Sie arbeitet als Journalistin-TV-Photo-Print und war mit einer Radioreportage Preisträgerin des Rundfunkpreis Mitteldeutschland 2009. Sie lebt in Sonneberg.

Anna, in Frankfurt ward ihr nahe am Sieg, heute folgte eine Niederlage gegen München. Wo siehst du die Ursachen?

Anna Blässe: Stimmt, in Frankfurt waren wir am Drücker und auf alle Fälle näher am Sieg als der FFC. Und nun das Spiel heute – ich kann das nicht wirklich erklären. Es gab zum Teil individuelle Fehler auf beiden Seiten. Auf unserer Seite wurden diese Fehler von der Mannschaft nicht aufgefangen. Die Einstellung vor dem Spiel hat gestimmt. Wir konnten unsere Vorhaben nur nicht eins zu eins rüberbringen in die Partie. Man muss halt aber auch anerkennen, dass die Bayern heute nicht unverdient gewonnen haben.

Wenn die Einstellung gepasst hat, woran lag es dann?

Blässe: Wenn ich das wüsste, hätten wir heute nicht verloren. Es hat aber sicher viel damit zu tun, dass wir die Seiten gewechselt haben. Wenn man es genauer betrachtet, haben wir letzte Saison oft aus Kontersituationen unsere Tore gemacht. Jetzt versuchen wir viel mehr, dem Gegener unser Spiel aufzudrücken, selber das Spiel zu machen. Wir sind nach den Erfolgen der letzten Saison einfach die Gejagten. Das spürt man. Alle Mannschaften sind gegen uns 20-30 Prozent mehr motiviert. Wir müssen noch mehr mit unserem Kopf arbeiten, um mit diesem Druck umzugehen. Das könnte eventuell die Ursache sein, weil die Unbeschwertheit fehlt. Es läuft aktuell alles anders als letztes Jahr.

Die Niederlage wirft euch im zwar Kampf um die Meisterschaft zurück, aber den Titel abschreiben gilt nicht?

Blässe: Definitiv nicht. Mit einem Sieg heute wäre es für uns natürlich einfacher in den nächsten Wochen. Jetzt müssen wir schauen, wie die direkten Konkurrenten spielen und auf deren Ausrutscher hoffen. Und wi r dürfen halt keine Punkte mehr verlieren. So knallhart ist das.

In der Champions-League wartet im Viertelfinale der FC Barcelona. Wie bekannt ist dieser Gegner?

Blässe: Wir hatten vor der Saison ein Testspiel gegen Barcelona. Deshalb wissen wir ganz gut, wie sie ihr Spiel aufziehen und können uns gezielt mit diesem Wissen auf die zwei Spiele vorbereiten. Ich denke, Barcelona ist ein Gegner, den wir schlagen können.

Könnte es sein, dass ihr euren Fokus jetzt mehr auf die Champions-Legue verlagert?

Blässe: Schwer zu sagen, aber ich denke eher nicht. Es könnte so werden, dass sich im Laufe der Zeit in der Bundesliga unser Fokus verschiebt. Aber momentan ist unser Stand, beide Wettbewerbe gleichwertig zu betrachten.

Du kommst aus ja Thüringen. Hast du den FF USV Jena auf dem Schirm?

Blässe: Natürlich, und ich muss sagen, ich bin voll stolz. Ich kenne mich zwar nicht mehr wirklich aus, was intern die Förderung betrifft. Aber wie sich Jena in der aktuellen Saison präsentiert, bin ich als Außenstehende sehr stolz auf die Mädels. Aktuell sind sie Fünfter, so dass sie mit dem  Abstieg nichts mehr zu tun haben sollten. Ich finde es super, einfach super. 
 

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