Hunde haben Besitzer, Katzen Personal! – Serie: Zum Jahresübergang die alten und neuen Bücher aus vielen Bereichen (Teil 5/20)

Aber dann, wenn wir gerade gar keine Zeit haben, zu spät der Kaffee, keine Zeit für die Haare, rasch in den Mantel und die Schuhe. Ach was, an den Schuhen spielt die Katze gerade rum, will sie nicht hergeben, nimmt den einen Fuß als Schmeichelobjekt, den anderen als Beute – sanft in Zehen beißen ist ein Hochgenuß – , und schnurrt so laut, daß die Wände zittern, will auf den Arm, will gestreichelt werden, aber wir müssen doch weg. Ja, jetzt wäre die Gelegenheit, wo das Bedürfnis der Katze mit unserem eigentlichen übereinstimmt, aber wir müssen weg, setzen sie runter, sehen noch ihren beleidigten Blick, und wissen genau: das wird sie uns heimzahlen. Und wieder haben wir dieses Gefühl von Versagen.

Wenn es Ihnen auch so geht, sind Sie reif für all die Katzenbücher, die nicht wenige sind und aus denen man immer etwas lernt, auch wenn Sie immer schon mit Katzen gelebt haben. Und wenn Sie Katzen überhaupt kaum kennen, dann ändert sich das mit diesen Büchern und die Gefahr besteht, daß Sie dringend Katzen – immer mindestens zwei! – brauchen und dann ist es passiert: dann sind Sie vom Herrchen und Frauchen zum Sklaven ihrer ach so süßen Vierbeiner geworden. Aber nein, dafür sind ja diese Bücher da, um alles im Lot zu halten und wenn meist das gesunde Seelenleben der Katzen Thema ist, so ist es doch eigentlich Ihre Seele, um die es geht, denn geht es der Katze gut, dann sind auch Sie glücklich und zufrieden.

Petra Twardokus wollen wir einmal kennenlernen. Denn sie schreibt in mehreren Verlagen über Katzen. In „Das Seelenleben der Samtpfoten“ mit dem Untertitel „Katzen verstehen“ aus dem Verlag Müller Rüschlikon, sieht man sie auf dem Titel mit einer Bilderbuchkartäuserkatze. Und wie immer, blättern wir erst einmal dies Buch durch und erfreuen uns an all den Katzenaufnahmen. Katzen sind nun einmal besonders fotogen und ihrer Vielfalt ist kein Ende gesetzt, auch nicht ihren Launen, die von forsch über fordernd, anspruchsvoll bis Tiger im Tank gehen. In Kapitel 1 erklärt die Autorin, warum sich Katzen auffällig verhalten und listet die somatischen, die psychischen und darum psychosomatischen Gründe auf. Das ist einsichtig und wird in den nächsten Kapiteln bearbeitet.

Wir finden das nicht übertrieben, was als Therapiepläne aufgestellt wird, denn eines muß man wissen, die Natur der Katze braucht in Wohnungen eine besondere Ansprache, sei es durch Spielen mit dem Tier, sei es durch Katzenutensilien. In den einzelnen Kapiteln läßt Autorin Twardokus an Fallbeispielen das Problem vorführen, das sie dann mit Vorschlägen löst. Wir haben nichts gefunden, wo die Autorin nicht sinnvolle Vorschläge macht. Dieselbe Autorin – auf dem Titel mit demselben Kartäuser – hat auch im Kosmos Verlag „Coaching für Katzenhalter“ verfaßt: „Die goldenen Regeln der Katzenpychologin“ im Untertitel.

In diesem Buch wird der Reihe nach von der „Anschaffung einer Katze“ an alles aufgedröselt, was nun im Leben der Katze eine Rolle spielt, wobei unter jedem Kapitel dann die „Goldenen Regeln“ kommen, für uns besonders interessant die „Für die Erziehung“, wissen wir doch, daß uns die Katze erzogen hat und leider nicht umgekehrt.

Im Kosmos Verlag ist auch „Das Kosmos Handbuch KATZEN“ von Renate Jones erschienen. Da geht ein ganzes Team systematisch an das Phänomen Katze und an die wirklichen Verkörperungen heran. Nicht schlecht mit der Gattung der Katzen zu beginnen, denen auch unsere Hauskatze entstammt, was in „Katzen im Wandel der Zeiten“ vorgeführt wird. Unter verschiedenen Kapiteln gibt es Infokästen. Einem Handbuch gemäß sind die Hinweise und Erklärungen kurz, fast lexikalisch. Daß aber im Inneren auch ein Kompendium über Rassekatzen dazugehört, hat uns überrascht, aber auch erfreut. In vier Gruppen sind diese unterteilt: Perser und Exotische Kurzhaar, Semilanghaar, Kurzhaar und Somali, Siamesen und Orientalen. So etwas 200 000 Rassekatzen sind auf etwas 650 Katzenausstellungen pro Jahr zu sehen.

Nach all dem Lernen in Katzenbüchern, macht so ein Buch wie „Liebenswerte Katzen“ von Adriano Bacchella aus dem Verlag Müller Rüschlikon Augenspaß. Quadratisch, dick und praktisch finden Sie wunderschöne Katzenfotografien, denen Zitate von Berühmtheiten an die Seite gestellt werden, wie der von Mark Twain: „Könnte man den Menschen mit der Katze kreuzen, würde man damit zweifellos den Menschen verbessern, aber die Katze verschlechtern!“ Genau. Wir haben uns in diese Sprüche regelrecht verliebt, na, doch eher in die Bilder, aber uns gefreut an solchen Selbstverständlichkeiten wie: „Das beste Training für eine Katze ist eine andere Katze, was Jo Paul Loeb äußerte. Wo er Recht hat, hat er Recht.

Denise Seidl hat im Kosmos Verlag „Spiel & Spaß für Katzen“ veröffentlicht. Ist schon richtig, daß „Spielen- eine ernste Angelegenheit“ ist. Vor allem für Wohnungskatzen. Denn denen muß der Mensch mit Köpfchen die ganze Natur da draußen ersetzen. Denis Seidl hilft durch viele Vorschläge, die auch Experten Neues bringen. Es gibt Infokästen und Spieltypen, Checklisten und Intelligenzspiele. Sehr nützlich dieses Buch. Von den vielen Katzenkrimis haben wir gerade „Persephone, Poe und der Flüsterer“ gelesen. Der Krimi ist Teil der KatzenKrimis und im Europa Verlag erschienen. Vier Geschichten sind es, deren eine den Titel bestimmt und jede enthüllt, die Katzenwelt ist für Krimis sehr geschaffen, schließlich tun Katzen immer sehr geheimnisvoll, wissen aber alles sehr genau und blicken durch!

Hanna Johansen meint bei dtv „Ich bin hier bloß die Katze“, was eine typische kätzische Untertreibung ist, denn natürlich weiß auch Hauskatze Ilsebill, daß sie die häusliche Königin ist. Aber wer sich erniedrigt, wird erhöht werden, sagt schon die Bibel. Die Icherzählerin Ilsebill bringt uns die Alltagsgefühle einer Katze genauso nahe wie ihre Verachtung vielen menschlichen Absonderlichkeiten gegenüber. Aber, das ist zwar neu, wird aber hier gelebt: Katzen sind tolerant. Sie tolerieren sogar komische Menschen und diese tierischen Abarten wie Hunde!

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Petra Twardokus, Das Seelenleben der Samtpfoten“, Verlag Müller Rüschlikon 2010

Petra Twardokus, Coaching für Katzenhalter, Kosmos Verlag 2008

Das Kosmos Handbuch KATZEN, Kosmos Verlag 2010

Adriano Bacchella, Liebenswerte Katzen, Verlag Müller Rüschlikon 2010

Denise Seidl, Spiel & Spaß für Katzen, Kosmos Verlag 2010

Katzenkrimis, Persephone, Poe und der Flüsterer, Europa Verlag 2001

Hanna Johansen, Ich bin hier bloß die Katze, dtv 2010

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