Humorlos mit siebzehn Buchstaben – Sandra Bullock ist „Verrückt nach Steve“ in Gary Jones Komödie

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Das übermäßig Sonnenbaden hat sich bei der trotz fortgeschrittenen Alters noch bei ihren Eltern lebenden Lacklederstiefel-Trägerin Mary offenbar aufs Gehirn ausgewirkt. „Sei normal.“, bittet ihr Chefredakteur die ununterbrochen Fachwissen und etymologische Erklärungen im Stil von Kreuzworträtselfragen plappert (Herleitung der Bedeutung eines Wortes mit zehn Buchstaben: Etymologie). Um ihre alternde Tochter zu verkuppeln, arrangieren Marys Eltern ein blind date. Letzte haben im Kino stets romantische oder bedrohlichen Konsequenzen. In „Verrückt nach Steve“ ist beides der Fall. „All about Steve“ lautet der Filmtitel im Original, bezogen auf Kameramann Steve (Bradley Cooper), der fortan Marys Herz und Kreuzworträtsel beherrscht. Über den von seiner Verehrerin verschreckten Steve erfährt man wenig. Die Handlung kreist um die quietschende, quasselnde Mary, die den Fernsehkameramann und seine Kollegen Hughes (Thomas Haden Church) und Angus (Ken Jeong) vom Schauplatz einer Sensationsreportage zum nächsten verfolgt. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. So stürzt Mary, als sie das Fernsehteam an einen Unglücksort folgt, in einen baufälligen Minenschacht – vor den Augen Steves und zahlloser Fernsehkameras.

Sein Kinodebüt inszenierte Regisseur Phil Traill zuverlässig unkomisch. Nicht, dass die Gags des Drehbuchautors Kim Barker so übel wären. Bei den meisten leidet man geradezu an dem spürbaren Komikpotential, welches sich aufgrund der platten Inszenierung nie entlädt. Vor allem fehlt es „Verrückt nach Steve“ an der nötigen Ironie und Bösartigkeit, um seinem Sujet gerecht zu werden. „Verrückt nach Steve“ ist eine Nicht-Liebeskomödie. Während Romantikkomödie vom argentinischen Publikumserfolg „Gigante“ bis zum französischen „Les herbes folles“ behaupten, Stalking-Opfer fänden Verfolgung ganz toll und fanatisches Werben führe zum Liebesglück, sympathisiert „Verrückt nach Steve“ mit dem Opfer. Ja, es gibt Leute, die so abstoßend sind, dass man vor ihrer Rettung aus Lebensgefahr ernstlich nachdenken muss: Sind 15 Minuten Ruhm das wert? Kann man den der Menschheit damit zugefügten Schaden verantworten? Leider fürchtete sich Drehbuchautor Barker vor der eigenen Courage und unterwandert seine Ehrlichkeit mit einer heuchlerischen Versöhnungsbotschaft. Die Sensationslust der von einem Unglücksort zum nächsten pilgernden Lichterketten-Anzünder, welche der Film persiflieren will, praktiziert er unterschwellig selbst. Nur reichen in der prüden Spießerwelt des Films ein paar roter Stiefel als Spektakel. Kreuzworträtsel seinen der Teil der Zeitung, auf den sich die Leser am meisten freuten, glaubt Mary. Falls dem so ist, wird „Verrückt nach Mary“ dies ins Gegenteil verkehren. Miese Hauptdarstellerin mit dreizehn Buchstaben? S-A-N-D-R…

Titel: Verrückt nach Steve – All about Steve

Land/ Jahr: USA 2009

Genre: Komödie

Kinostart: 29. April 2010

Regie: Phil Traill

Drehbuch: Kim Barker

Darsteller: Sandra Bullock, Bradley Cooper, Thomas Haden Church, Ken Jeon

Laufzeit: 101 Minuten

Verleih: Fox

www.fox.de

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