Große Sorgen im hohen Norden – Milchkrieg in Dalsmynni: Gelungener Spielfilm über die Nöte einer isländischen Bäuerin

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Inga (Arndís Hrönn Egilsdóttir) in einer Szene des Films "Milchkrieg in Dalsmynni". © Alamode Film

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Die Kette um die Beine wickeln. Langsam und kräftig ziehen. Ein kurzer Ruck, schon ist es passiert. Dem neugeborenen Kalb geht es offensichtlich gut, nur die Geburtshelferin purzelt auf das Heu. Eine drastische Szene gleich zu Beginn von „Milchkrieg in Dalsmynni“, die einen kleinen Ausschnitt aus dem harten Alltag von Milchbäuerin Inga (Arndís Hrönn Egilsdóttir) zeigt. Rund um die Uhr schuften, trotzdem drücken die Schulden. Die Nöte vieler Landwirte machen eben auch vor Island nicht halt. Dort, in einer abgelegenen Gegend, lebt Inga mit Ehemann Reynir (Hinrik Ólafsson). Als der nach einem Unfall tödlich verunglückt, ist sie auf sich gestellt. Und der Hof droht an die Genossenschaft zu fallen.

Wenn man sich Sorgen bildlich vorstellen will, muss man sich diesen Film ansehen. Inga schweigt, zieht an der Zigarette, der Wind zerzaust ihr Haar. Die Entbehrungen haben Spuren hinterlassen in dem zerfurchten, beinahe verhärmten Gesicht, die Augen blicken wenig hoffnungsvoll in die Zukunft. Es fällt kein einziges Wort, doch diese Szene spricht Bände. Dennoch geht es in dem Film nicht um Resignation, sondern um den Ausbruch aus einer scheinbar ausweglosen Situation. Inga kämpft, der Feind ist die Genossenschaft, in deren Würgegriff die Bauern dieser Gegend sich befinden.

Dabei hatte alles so hoffnungsvoll angefangen, doch inzwischen haben sich in der Genossenschaft mafiöse Strukturen verfestigt. Die Bauern dürfen nur an sie verkaufen und umgekehrt nur von ihr kaufen. Inga will da raus, eine eigene Kooperative gründen. Sie kämpft mit allen Mitteln, von Heugabel bis Internet. Da fliegt Mist gegen eine Windschutzscheibe, da spritzt Milch an die Fenster, da werden – weitaus effektiver – Artikel gepostet. Inga arbeitet mit sozialen Netzwerken wie Facebook, überzeugt mit Argumenten. Über all dem wölbt sich ein bleigrauer Himmel, so grau wie das Dasein der Bäuerin. Doch ganz zum Schluss wird er endlich blau.

Filmografische Angaben

  • Originaltitel: Héraðið / The Count
  • Deutscher Titel: Milchkrieg in Dalsmynni
  • Staaten: Island, Dänemark, Deutschland, Frankreich
  • Jahr: 2019
  • Regie und Buch: Grimur Hakonarson
  • Kamera: Mart Taniel
  • Schnitt: Kristjan Lodmfjörd
  • Musik: Valgeir Sigurdsson
  • Schauspieler: Arndís Hrönn Egilsdóttir (Inga), Sigurður Sigurjónsson (Eyjolfur), Hinrik Ólafsson (Reynir), Hannes Óli Ágústsson (Leifur), Alfrun Rose (Asa), Daniel Hans Erlendsson (Heidar), Siggi Holm (Hinrik), Dorsteinn Gunnar Bjarnason (Brjössi), Hafdis Helga Helgadottir (Katla)
  • Produzent: Grimar Jonsson
  • Filmstart: 9. Januar 2020 (Deutschland), 10. Jänner 2020 (Österreich)
  • Länge: 92 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 6
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