Gier ist geil oder Nichts Neues von Steinbrück

Steinbrück ist beides in einen und mehr, denn er vertritt den Dreiklang aus Big Business, Big Labour und Big Government, der dem kranken Vieh auf dem Terrain des Finanzkapitals die regulierende Medizin zuführen möchte ohne Sache auf den Grund zu gehen und die Krankheit auf den Begriff zu bringen. Es bleibt beim "sozialdemokratischen Rumdoktern" am Symptom.

Spätestens seit dem Pech mit Immobilien in den USA 2007 und der Pleite mit Lehmann ein Jahr später blüht der Monetarismus mächtig, wie Algen in einem See der droht zu kippen, spätestens seit die Spekulanten im EU-Gewässer sich verspekuliert haben und sie sich selbst nicht mehr am Schopfe aus dem Sumpf ihrer sinkenden Anlagen ziehen können.

Die derzeitige Rettung sieht so aus, daß die Gläubiger der Schuldnerländer so gut bedient werden, wie möglich, während deren Bewohner doof dastehen, weil sie leer ausgehen und auch noch den Gürtel enger schnallen müssen. Dabei werden die Schulden der südeuropäischen Länder sozialisiert und den Bewohnern der nordeuropäischen Länder, allen voran den Deutschen, aufgedrückt. Alle und insbesondere Deutschland haften für einen, und dieser eine sind schon mehrere. Damit das nicht noch mehr werden und Schuldenmachen Schule macht, müssen die Haushalte dieser Staaten künftig kontrolliert werden, wogegen die Staatenlenker, die Mitglieder der Parteien, aus denen die Staatenlenker bestimmt werden, samt wählendes Fußvolk gerade von Zypern über Griechenland, bis Spanien und Portugal mehr demonstrieren als streiken.

Was hat das mit Steinbrück zu tun? Viel, denn das Projekt als Gesamtpaket geht mit einem Kanzler Steinbrück schwerer. Der muß Rücksicht auf die eigene Partei und SPD-Gewerkschaften nehmen, damit nicht wie bei den Schröder-Projekten zu Lasten der Lohnarbeiter wie Agenda 2010, Hartz IV, Rente ab 67, Schuldenbremse weitere große Brocken abbrechen und zur Linkspartei oder ins Uferlose driften. Als Juniorpartner in einer Großen Koalition hingegen würden alle Beteiligten das Projekt der Regulierung der Turbo-Spekulation in der aktuellen kapitalistischen Gesellschaft bestens durchboxen, daß weder mit FDP als Partei der Besserverdienenden noch mit der Linken als Partei der Belogenen und Betrogenen machbar wäre.

Zu diesem Zweck muß Steinbrück zurechtgestutzt werden. Die Fürsprecher der Regulierung der Finanzmärkte lassen dabei den Kanzlerkandidat der SPD selber zu Wort kommen. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagt Steinbrück, was er denkt: "Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig – gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt" und merkt an, daß "nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen … mehr" verdiene, als die Kanzlerin".

Mit solchen Sätzen, die Gier als geil erscheinen lassen, ist sicher, daß die SPD eine 20-plus-x-Partei bleibt und Merkel Kanzlerin, die dann ohne FDP aber mit SPD die Regulierung der Finanzmärkte in Deutschland und der EU durchsetzen kann, womit ein Verbleib des armen Südens im Euro-Raum so lange sicher wäre, bis erneut eine Prüfung den neuen Doktoren am Krankenbett des Kapitals alles abverlangt.

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