Game over – Die Ice-Tigers aus Nürnberg schicken die Berliner Eisbären in den vorzeitigen Urlaub

Uwe Krupp auf der Suche nach neuen Spielern für einen besseren Kader. © Foto: Joachim Lenz

Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als hätte der 7fache Meister zumindest seine Comeback Qualitäten wieder entdeckt. Für die 2:6 Auftaktniederlage revanchierten sich die Eisbären im Wellblechpalast mit 6:3. Den letzten Treffer in dieser Partie erzielte genau jener Jason Jespers, der dann zwei Tage später die Eisbären in den Urlaub schickte. In Berlin war es nur Ergebniskosmetik, in Nürnberg war es dann das Saison-Aus. Wie im vergangenen Jahr blieben die Hauptstädter in den Pre-Playoffs hängen. Fast 73 Minuten lang durften sie hoffen auf ein gutes Ende. Ein 0:2-Rückstand wurde aufgeholt, doch in der Overtime hatten sie, genau wie im letzten Jahr, kein Glück.

Am Freitag gab es einen grandiosen Sieg in der ehemaligen Spielstätte, im Wellblechpalast in Hohenschönhausen. Für ein Spiel wiederauferstanden, ein einmaliges Erlebnis. 2005 und 2006 wurden hier die 1. und die 2. gesamtdeutsche Meisterschaft gefeiert. Die beiden Banner hingen wieder in der Halle. Auf dem Eis lieferten die Eisbären ein Spiel, das an vergangene Zeiten erinnerte. Eine Zeit ohne VIP-Loungen, dafür gab es einen extra Container und der Gegner wurde aus der Halle geschossen. Der Lärmpegel erreichte lang nicht mehr gehörte Dimensionen. Es konnten sechs Tore bejubelt werden und anschließend gab es Freibier. Die Treuesten der Treuen konnten unverhofft wieder authentisch feiern. Der Block D bot einen Choreo, dazu die Fahnen und Banner, als hätten die letzten sieben Jahre nicht stattgefunden. Die harte Realität kehrte zwei Tage später zurück. In einer Mehrzweck-Arena in Nürnberg, laut Protokoll vor 5 902 Zuschauern (8 200 wäre ausverkauft), darunter 400 Fans der Eisbären, wurde das im Welli erzielte Ergebnis Makulatur. Thomas Sabo jubelte in seiner Lounge.        

Die Pre-Playoff Serie stand sinnbildlich für die gesamte Saison der Eisbären, am Schluss fehlte ein kleines Stück. Die Kontinuität in der Planung des Kaders zahlte sich nicht aus. Mal abgesehen von den Nachwuchskräften wurden zu Saisonbeginn drei neue Spieler verpflichtet. Der Kader wurde während der Saison mit zwei weiteren Kräften komplettiert. Die Saison glich wie die Pre-Playoff Serie einer Achterbahnfahrt. Nach passablem Start rutschten die Eisbären ins Mittelmaß der Tabelle ab. Im Dezember musste Jeff Tomlinson seinen Trainerstuhl räumen und wurde ersetzt durch Uwe Krupp. Der Co. Trainer und sportliche Leiter Stefan Ustorf Stefan Ustorf äußerte damals: „Wenn es jetzt nicht besser läuft, dann wissen wir woran es liegt.“ Es lag am Kader, der letztendlich die Erwartungen (wieder) nicht erfüllen konnte. Wurde im vergangenen Jahr das Verpassen des Viertelfinales als einmaliger Ausrutscher gewertet, so muss nun alles analysiert werden. Die Ansprüche der Eisbären sind andere, als sich durch die Pre Playoffs zu zittern. Von den 52 Spielen  Hauptrunde haben die Eisbären 20 in der regulären Spielzeit gewonnen, diesen Wert erreichten sie auch in der Saison zuvor. Einen Wert, mit dem man nicht in den Verdacht gerät weit vorn landen zu können. Dass es der ERC Ingolstadt 2014 geschafft hat mit einer ähnlichen Bilanz (21 Siege nach 60 Minuten) Meister zu werden, war die berühmte Ausnahme von der Regel. Die jetzt anstehende lange Sommerpause werden die Verantwortlichen bei den Eisbären nutzen, um einen neuen Kader zu formieren. Auf jeden Fall wird die Mannschaft, die dann im August die neue Saison in Angriff nehmen wird, ein neues Gesicht haben. Da werden einige neue Namen auf den Trikots stehen.

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