Für eine Schüssel Reis: Mit Cornelia Schinharls und Sebastian Dickhauts „Asian Basics“ des Gräfe & Unzer-Verlags den fernen Osten kosten – Serie: Kulinarischer Blick über den Tellerrand (Teil 2/2)

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Der auf den ausklappbaren Rückeinband gedruckte Selbsttest, der die Leserschaft in „Kokos-Mango“, „Pure Reinheit“ und dergleichen unterteilt, beschließt die „Asian Basics“. Unterhaltsamer ist er, wenn er vor der kulinarischen Acht-Länder-Exkursion von China bis Indonesien absolviert wird und als Inspiration für die Wahl aus der Versuchsrezepte dientt. Ein Großteil der Einleitung kann beruhigt übersprungen werden, denn den Titel „Asian Basics“ nimmt das Autorenduo hier zu wörtlich. Ihr Buch wendet sich an Kochfreunde, die „Asiatisch“ mit China Box und Glückskeksen assoziieren. Muss sogar der Einkauf im Asia-Laden erläutert werden, dazu grammatikalisch zweifelhaft („Unser Zusatz-Plus“), dann Sayonara. Doch der Kochausflug zu Sushi und Sake wird fortgesetzt. „Weil ich wollte doch eigentlich nur etwas Asiatisches kochen“ (Zitat: Einleitung). Sinnvoll sind dafür die 17 Aroma-Basics, die Miso, Tamarinde und Wasabi im Detail erklären. Die von pur bis feurig-scharf reichenden Geschmacksnuancen der Gerichte versöhnen einigermaßen mit den „Asian Basics“.

Muscheln im Sakesud, Tofu mit Shiitake-Pilzen und Reispapierröllchen gelingen dank der simplen Raffinesse der Rezepte schneller als Ungeübten das Verzehren der Leckereien mit den obligatorischen Essstäbchen. Einzig das Rollen und Schneiden von Sushi gelingt nur mit meditativer Ruhe und einiger Übung. Fernöstliche Kochkunst erfordert Fingerspitzengefühl, dies gilt auch für die „Asian Basics“. Doch ein wenig Mühe wird belohnt: Gado Gado oder Shabu Shabu? Temaki oder Sukiyaki? Ausprobieren und langsam in der Selbsttest-Wertung aufsteigen. Irgendwann ist die „Pure Reinheit“ erreicht. Typische Desserts sind der fernöstlichen Küche fremd. Süße biete sie als feine Nuance oder mildernden Kontrast zur Schärfe eines Hauptgerichts. Aber da süße Lust universell scheint, lockt nach Wasabi-Paste, Fischfilet mit scharfer Ingwer-Soßen und Sambal Oelek „Süßes“ im letzten Kapitel der „Asian Basics“. Nur drei Zutaten und ein paar Löffel Zucker braucht es für den thailändischen Klebreis mit Mango. Wie der fruchtig-süße Klebreis schmecken Pfannkuchen mit Kokosfüllung oder Sagopudding mit Fruchtsalat nostalgisch nach Kindertagen. Die in Rum flambierte Banane – hochprozentig, sonst klappt es nicht – ist den Großen vorbehalten.

Während sich die Landesküche Asiens anhaltender Beliebtheit erfreut, bleiben die Spirituosen Geschmackssache. Mehr als Bier und Cocktails bekommt ein süßer Pflaumenwein, Sake für Standhafte, ansonsten ist milder fernöstlicher Tee der perfekt Ausklang der Küchenzeremonie. In der Ruhe liegt die Kraft. Beides wird beim nächsten Kochen mit „Asian Basics“ gefordert sein.

Cornelia Schinharl, Sebastian Dickhaut: Asian Basics, Gräfe & Unzer, 2009, 160 Seiten

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