Fünf Punkte entscheiden am Ende für Berlin Volleys – Haching verliert Nerven und erste Meisterschaft trotz deutlicher Führung

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Der 29-Jährige war somit wie Zuspieler/Kapitän Jaro Skach und Diagonalangreifer Aleksandar Spirovski nach 2003 und 2004 an drei von bisher vier Meisterschaftserfolgen der Berliner beteiligt. Der erste datiert aus dem Jahr 1993 und sah eine andere Generation als nationale Nummer eins.

Das sonntägliche fünfte Finalspiel bei Generali Haching kulminierte in der ultimativen Verlängerung des Tiebreaks. Den gibt es im Volleyball immer dann, wenn nach vier Normalsätzen bis 25 (oder zwei Zähler Vorsprung) ein 2:2-Satz-Gleichstand angezeigt wird.

Der gebürtige Berliner Fischer verrät, wie er die alles entscheidenden fünf Punkte des Tiebreaks erlebt hat: "Das 12:14 war eine ganz miese Sache für uns. Denn der Angriffsschlag von Hachings Christian Dünnes war deutlich seitlich im Aus." Berlins Scott Touzinsky, Björn Höhne und Tomas Kmet protestierten kurzzeitig bei Linien- und Stuhlschiedsrichter. Ohne Erfolg. Fischer: "Wir waren auf falsche oder enge Entscheidungen vorbereitet und hatten uns vorher abgesprochen, dass wir auch in solchen Momenten den Focus behalten müssen. Doch irgendwie hatten alle danach die Jetzt-erst-recht-Haltung. Deutscher Meister sollte man nicht mit solchen Fehlentscheidungen werden können."

War es ein schlechtes Gewissen auf der Gegenseite oder einfach der berühmte Zitterarm, dass Hachings erster Matchball per Angabe ins Netz klatschte?- Fischer: "Ich weiß es nicht, ich weiß auch nicht mehr, wem dieser Fehler beim Gegner unterlief."

Aus Berliner Sicht nun 13:14: "Weil mein Blockkollege Tomas Kmet zum Aufschlag musste, kam ich vorn für den Block rein. Der Gegenangriff sollte wie erwartet – das wussten wir praktisch vorher – von Christian Dünnes abgeschlossen werden. Doch Scotti drückte den Ball zum Punkt für uns auf der Gegenseite runter."

14:14: Wieder Flatteraufgabe des Slowaken Kmet in Hachings Annahmereihe. "Dann ein schwieriger Angriffsball für Denis Kaliberda aus der Rücklage. Der Ball landet ein Meter im Aus. 15:14 und erster Matchball für Berlin."

Wieder Aufgabeflatter von Kmet, im Vorjahr im Dress der Hachinger, der die Annahmeschwächen der Hachinger genau kennt – präzise und mit dem nötigen Druck. Der Ball kommt hoch und dicht ans Netz: "Hachings Zuspieler Branislav Skladany will den Ball mit einer Hand auf unsere Seite drücken. Doch Scotti riecht den Braten, blockt reaktionsschnell und der Ball tropft beim Gegner runter…16:14 für uns! Unfassbar!."

Hachings Trainer Mihai Paduretu macht aus seiner Enttäuschung kein Hehl: "Auf diese Weise die Meisterschaft noch aus den Händen zu geben – nachdem man 2:1 nach Sätzen und im Tiebreak bis zum 14:12 ständig vorn gelegen hat – das ist ganz bitter und schmerzlich." Es wäre der erste Titelgewinn für Paduretu und Haching gewesen.

Berlins Trainer Mark Lebedew rang vor Freude und Stolz nach Worten: "Was die Mannschaft an Siegeswillen in den Play-offs und besonders auch heute demonstriert hat, ist unglaublich. Und weil sie nie aufgegeben hat, ist sie letztlich belohnt worden."

Derweil kündigte BR-Manager Kaweh Niroomand ("Bei 12:14 schien die Meisterschaft verloren") nach dem tollen Saisonfinale "weitere Verstärkungen" und "natürlich den Start in der Champions League" an. Immer wieder hatte er an die Mannschaft appelliert, der größten Publikumsresonanz und optimalen Rahmenbedingungen der Bundesliga mit adäquaten Topleistungen zu entsprechen. Diese Balance scheint nun erreicht.

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