Fünf Finger sind eine Faust – K.-o.-Schlag in Bremerhaven

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Fünf Finger sind eine Faust. © 2019, Münzenberg Medien, Foto/BU: Stefan Pribnow

Bremerhaven, Deutschland (Weltexpress). Das Gerede und Geschreibe davon, dass man das letzte Spiel der Saison gewinnen wolle, das waren und sind klägliche Versuche einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die öffentliche Meinung mit Stimmungsmache beeinflussen zu wollen.

Dafür eignen sich vor allem die Dummen, die an ausgedachte Götter, Geister und Geschichten glauben, und nicht alte Hasen, die es besser wissen (müssten). Lohnarbeitern der EHC Eisbären Management GmbH gelingt es Jahr für Jahr, entgegen der Nüchternheit blumige Geschichten in die Stadtwüste bis in den märkischen Sand zu blasen. Jede Menge Dumpfbeutel und neuerdings Medienvertreter genannte Hofberichterstatter fangen die windigen Worte wie Kinder Schneeflöckchen und blasen sie noch auf.

Journalismus der Moderne, dessen unvollendetes Projekt die Aufklärung war und ist, findet sich vor allem im WELTEXPRESS. Und das ist gut so!

Im Großen und Ganzen gelang dem kleinen Kader der Fischtown Pinguins Bremerhaven SB GmbH, der überwiegend aus Übersee stammt, und seinem bodenständigen Trainer namens Thomas Popiesch, der aus Berlin kommt, das, was man machen muss, um einen angeblich besseren Gegner K.-o. zu schlagen. Fünf Finger müssen eine Faust bilden.

Mit 5:0 (2:0, 3:0, 0:0) gewannen die Hausherren, die es sich leisten konnten, im letzten Drittel die hohe Führung zu verwalten. Ausrufezeichen.

Für Bremerhaven trafen Cory Quirk (2.), Jan Urbas (14.), Ross Mauermann (30., 39.) und Justin Feser (38.). Allerdings fälschte Constantin Braun den Schuss von Urbas ins eigene Tor ab.

Zwar gingen die Berliner scheinbar konzentriert in die Begegnung am vergangenen Sonntag an der Geeste, bevor diese fast vier Bögen weiter in die Weser mündet, doch die von Serge Aubin trainierten Spieler verloren nach dem 0:2-Rückstand sowohl die Geduld als auch den Faden. Eine Taktik, das Spiel noch zu gewinnen, war nicht zu erkennen.

Über 4.645 Zuschauer sahen in der ausverkauften Halle ein guten Torhüter namens Tomas Pöpperle, der sich auch im zweiten Spiel der Saison schadlos hielt, und einen Berliner Torsteher namens Sebastian Dahm, der wie schon im Auftaktspiel nicht überzeugen konnte, jedenfalls mich nicht. Dahm scheint gerne gut gelaunt daneben zu greifen, aber anders als der in Berlin geschasste Kevin Poulin eben Friede, Freude und Eierkuchen auszustrahlen, vor allem in der Kabine und auf den Kader.

Macel Stein schrieb dazu in „Berliner Morgenpost“ (11.8.2019) unter dem Titel „Eisbär Dahm: Ein Torwart mit Teamgefühl“, dass „er nicht nur wegen seiner sportlichen Qualitäten geholt“ worden sei.

Wer die sportliche Qualität nicht für das alles Entscheidende im Sport hält, der hält von den Leistungen Dahms in Iserlohn genau das, was sie waren. Und sie waren nicht gut genug. Für die Eisbären Berlin mag das reichen, für die Kapitalgesellschaften, deren Eigentümer und Mäzene wollen, dass die eingekauften Spieler genannten Söldner Meister werden, langt das noch lange nicht.

Die Berliner Eisbären befinden sich dort, wo sie hingehören: auf dem Boden der Tatsachen. Mit einem Bein im Berliner Sumpf, mit dem anderen auf märkischem Sand. Das entbehrt jeder begründeten Hoffnung, die wie Glaube und Liebe als christliche Tugend hochgehalten wird und zwar gegen die Aufklärung.

Die Hoffnungsvollen und Hofberichterstatter in Berlin und Brandenburg mögen weiter hüpfen, springen und zappeln, doch eine weitere Saison zwischen Baum und Borke deutet sich an und nicht die Meisterschaft.

Dennoch werde ich abwarten und erst nach dem letzten Spiel laut lachen über Aubins Aussage: „Wir wollen das letzte Spiel der Saison gewinnen.“

Um so lange wie möglich im Rahmen des Möglichen dabei zu sein, dafür braucht man einen Trainer, der es schafft, fünf Finger eine Faust werden zu lassen, und also einen Trainer wie Popiesch. Dessen Spieler gewannen am vergangenen Freitag 1:0 bei der Düsseldorfer EG. Das war ein Sieg, der höher zu bewerten ist als das 5:0 gegen Berlin.

Alle Achtung vor Popiesch und den Personen an Geeste und Weser, die aus dem geringsten Etat der Eishockey-Liga der BRD das bestmögliche zu machen wissen.

An der Spree sind alle Eisbären-Verantwortlichen davon seemeilenweit entfernt. So und nicht anders sieht es derzeit aus.

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