Erst muß Strauss-Kahn gerettet werden, dann Griechenland und Portugal

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Zwar gilt auch bei der Grand Nation die Unschuldsvermutung, doch der Favorit der Umfragen für das Rennen um den Einzug in den Elysée scheint disqualifiziert. Parteiinterne Konkurrenten stehen zwar in den Startlöchern, doch noch mehr als diese freuen sich die Regierenden von der UMP. Denn daß die Parteichefin der Sozialisten (PS), Martine Aubry, oder François Hollande, die sich nun zwar Hoffnungen machen dürfen, gegen Sarkozy antreten zu könne, die Regierungspartei UMP besiegen sollten, das glaubt dort ernsthaft niemand. Selbst Ségolène Royal, die schon einmal gegen Sarkozy den Kürzeren zog und wohl gerne noch einmal antreten wollen würde, wenn man sie ließe, wird im Regierungslager nicht als Gefahr gesehen. Dort habe man nur Angst vor DSK, wie Dominqiue Strauss-Kahn an der Seine kurz und bündig genannt wird. DSK hätte Sarko besiegen können, die zweite Reihe der PS sei dazu zwar willig, aber nicht fähig, sind sich die Konservativen sicher.

Sicher ist auch, daß die für Sonntag in Berlin angesetzten Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem IWF ins Wasser gefallen. Es seien auch keine Gespräche mit Vertretern geplant, heißt es aus Regierungskreisen.

Merkel und Strauss-Kahn wollten unter anderem die Lage in Griechenland erörtern. Am Montag wollte der IWF-Chef am Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel teilnehmen. Der IWF hatte die Festnahme einerseits in einer kurzen Erklärung bestätigt, andererseits zugleich betont, der IWF bleibe voll funktionsfähig. Wie aber soll das funktionieren, wenn der Oberboss in Untersuchungshaft sitzt?

Der IWF trägt ein Drittel der internationalen Milliarden-Hilfen für Portugal und Griechenland. Der Rest entfällt auf die europäischen Partner. Das geplante Hilfspaket für Portugal umfasst 78 Milliarden Euro. Griechenland hatte vor einem Jahr Nothilfen von 110 Milliarden zugesagt bekommen. Inzwischen wird jedoch bereits über weitere Hilfen an die Pleite-Staaten sowie zusätzliche Erleichterungen verhandelt.

Während in Paris niemand DSK zu vermissen scheint, wartet man in Athen und Lissabon händeringend auf den Mann vom IWF und hofft inständig, er möge weder in Handschellen noch mit leeren Händen kommen.

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