Erneut Rauch über japanischem Unfall-Atomkraftwerk – Strahlung steigt in Wasser, Luft und Lebensmitteln

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Weißer Rauch ist auch über dem dritten AKW-Reaktor zu sehen, teilt RIA Novosti mit. Nach vorläufigen Angaben hätte der Rauch über dem zweiten Reaktor dem Kernbrennstoffdepot entweichen können. Über die Gründe der Rauchentwicklung wurde bisher nicht berichtet.

Wegen Rauch- bzw. Dampfbildung über dem zweiten und dritten Reaktor mussten am Vortag die Arbeiten zur Wiederaufnahme der Stromzufuhr für die Kühlsysteme eingestellt werden. Am heutigen Dienstag wurden diese Arbeiten jedoch ungeachtet der neuen Rauchentwicklung wieder aufgenommen. Zuvor war mitgeteilt worden, dass es Fachkräften gelungen sei, Überlandleitungen zu allen sechs Reaktoren zu verlegen.

Wie dpa berichtet, erschwert fortgesetzte Hitzeentwicklung die Bemühungen, das AKW unter Kontrolle zu bringen. Der als besonders gefährlich geltende Block 3 wurde wieder mit Wasser besprüht. Inzwischen wurde auch eine starke radioaktive Belastung des Meerwassers festgestellt. Das US-Militär bot Japan Hilfe im Kampf gegen einen Super-GAU an.

Nach dem verheerenden Erdbeben im Nordosten Japans am 11. März war es im AKW Fukushima I zu einer Unfallserie gekommen. Als Folge von mehreren Explosionen konnte das Ausweichen von radioaktiver Strahlung nicht verhindert werden. Die Behörden evakuierten eine 20-Kilometer-Zone um das Atomkraftwerk und verboten Flüge in einem Umkreis von 30 Kilometern.

Später erschienen Informationen darüber, dass in einigen japanischen Gebieten radioaktive Elemente, insbesondere Isotope von Jod und Cäsium, in Luft, Meeres- und  Trinkwasser sowie Lebensmitteln, entdeckt worden waren.

Auch die Strahlenbelastung im Meer ist stark gestiegen.  Das ergaben laut dpa Messungen der Betreibergesellschaft Tepco. Bei Jod-131 sei ein Wert gemessen worden, der das gesetzliche Maximum um den Faktor 126,7 übersteige, berichtete der Fernsehsender NHK. Bei Cäsium-134 sei die Verstrahlung 24,8 Mal so hoch wie zulässig.

In der taz berichtetRichard Rother davon, daß am Montag die Behörden ein Verkaufsverbot von Milch und Gemüse aus vier Provinzen verhängt hätten. Weiter heißt es: "Zuvor wurden teilweise hohe Strahlenwerte gemessen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist über die Belastung von Lebensmitteln "stark besorgt". Bei Hitachi, rund 100 Kilometer südlich des Kraftwerkes, wurde in Spinat ein Wert von 54.000 Becquerel bei Jod-131 pro Kilogramm gemessen; der Cäsiumwert lag bei knapp 2.000 Becquerel je Kilogramm. Die Grenzwerte liegen in Japan bei 2.000 Becquerel für Jod und bei 500 Becquerel für Cäsium. Die WHO empfiehlt jedoch einen Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilo. Auch bei Milch wurden erhöhte Strahlenwerte gemessen."

dpa, Reuters, RIA Novosti und taz.

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