Ein Viertel Großpolenring, bitte! – Serie: Mit dem Hausboot Magdalena auf dem Großpolenring (Teil 1/7)

Hausboot MAGDALENA am Anleger. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Slesin, Polen (Weltexpress). Netze? Vielleicht hat man irgendwann mal im Geografie-Unterricht davon gehört: im Zusammenhang mit Eiszeiten, Urstromtälern und Moränen. Dabei liegt der Fluss quasi vor der Haustür. Wir sind einem Geheimtipp auf der Spur, über den bislang noch nicht berichtet worden ist.

Angekommen in der Marina von Slesin, dem früheren Schlüsselsee, im Gebiet der Wojewodschaft Wielkopolski/Großpolen. Die polnische Kernregion gilt seit rund 1000 Jahren als Wiege des ehemaligen Piasken-Königreichs. In der Ortsmitte passiert man den 1811 errichteten einzigen Triumphbogen des Landes zu Ehren Napoleons.

Von Berlin braucht man für die Strecke gerade mal drei stressfreie Stunden auf einer neuen Maut-Autobahn. Bis Konin, rund 100 Kilometer hinter Poznan/Posen, zahlt man dafür umgerechnet nur 15 Euro.

Lage des Großpolenrings in Polen und Europa. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Notwendige Infos:

Der Grosspolenring ist frei von Berufsschifffahrt und gilt als Geheimtipps für Wasserwanderer. Dennoch sollten Sportbootfahrer unbedingt über Fahrkenntnisse verfügen, vor allem bei Schleusen-, Berg- und Talfahrt, An- und Ablegemanöver unter Strömungsbedingungen, Fahrwassertonnen; Achtung (Uwaga!): Der Fahrhebel für Voraus- und Zurückfahrt ist schwergängig! Manöver ohne Hektik entsprechend vorausschauend planen und durchführen!

Der rund 700 km lange Großpolenring im Überblick. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Verbunden sind beide Flüsse durch Seen und Kanäle. Eine alte, wohlbekannte Schifffahrtsroute, in deren Mittelpunkt Posen liegt und eng mit der Geschichte Polens verbunden ist. Auf Polnisch wird sie Wielka petla Wielkopolski genannt, der Großpolen-Ring. Seine Gesamtlänge beträgt rund 700 Kilometer, er wurde 1882 eröffnet und diente dazu, Landwirtschafts- und Industrieprodukte auf dem Wasserweg zu befördern. Nach der politischen und wirtschaftlichen Umstrukturierung dient der Großpolen-Ring nur noch dem Wassersport. Literatur: „Navigatoionsführer Der Grosspolenring „Wielka Petla Wielkopolski Warta-Notec-Goplo-Warta; ISBN: 978-83-924946-4-5.

MAGDALENA-Bootsdaten: Vistula Cruiser 30;Baujahr 2012; Länge: 9,50 m; 2,92 Meter Breite; 0,45 Meter Tiefgang; 2,0 Meter Stehhöhe in der Kabine; 25 PS-Yamaha-Außenbord-Benziner (Schraube zum Reinigen von Wasserpflanzen hochklappbar); 2 – 4 Liter-Benzin-Verbrauch (95 Oktan)/Stunde (je nach Fahrtstufe bzw. Stromrichtung); Tankkapazität: 120 l (dazu 3 Reservekanister à 20 l); Geschwindigkeit (max.): 10 – 12 km/h pro Stunde; überdachter Außenfahrstand; max. 6 Schlafplätze für Erwachsene in zwei Doppelkabinen sowie 2 im Salon (optimal von den Platzbedingungen her wären 2 Einzelpersonen bzw. 2 Paare; DVDTV/CD; Küchenecke (Gasbetrieb, auch der Kühlschrank (65 l); Geschirr, Küchengeräte etc. ausr. vorh.), Dusche/WC, 1 Außendusche am Heck; Gas-Zentralheizung; 1 Wassertank 800 l; 2 Ladestecker für Mobiltelefone (funktioniert allerdings nur bei Landanschluss in Marinas);Heimathafen: Gdansk/Danzig; das Fahren des Bootes ist führerscheinfrei.

Bettzeug sowie Hand- und Geschirrtücher sind mitzubringen; Schlafsäcke und Decken gibt es an Bord; preisgünstig einkaufen kann man in den Marina-Orten Slesin, Kruszwica und Barcin. Wenn man per PKW anreist, kann man sich schon zu Hause eindecken, aber in Polen ist es wesentlich günstiger und genauso gut. Kreditkarten werden akzeptiert. Geld umtauschen sollte man auch, z.B. um die Schleusungen mit jeweils 7,20 Zloty zu bezahlen.

Durch die Ausrüstung mit großen Tanks ist man bei einer 7-Tage-Reise relativ unabhängig. An den Marinas gibt es keine Tankstellen; die liegen nur in den wenigen größeren Ortschaften. Die Hafenmeister sind allerdings behilflich beim Transport per PKW – gegen ein Trinkgeld natürlich). Vor der Abfahrt jedoch unbedingt Tankuhrkontrolle und möglichst noch einen Reservekanister auffüllen!! Obwohl ein voller Tank für eine Woche reicht, wenn man sich an die optimale Umdrehungszahl von 1250 UpM hält.

Start- und Endpunkt ist die Marina Slesin. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Tipps am Rande: Die aktuellen Schleusen-Öffnungszeiten (sowie die Notfallnummer) sollte man sich vorher notieren. Vor den Schleusen gibt es keine offiziellen Anlegestellen für Sportboote!

Lebensmittel-Vorrat am besten für eine Woche mitnehmen. In den genannten Ortschaften kann man natürlich auch „nachbunkern. Empfindliche Lebensmittel sollte man in einer Kühltasche transportieren.

Baden in (sauberem) Wasser ist übrigens kein Problem. An der Badeplattform ist eine Dusche angebracht. Die Badeleiter ist sehr kurz und schmal. Man braucht Kraft, um sich wieder an Bord zu ziehen.

Weitere Informationen wie Preise und Buchung:

www.zeglugawislana.pl (hier auch weitere Infos)