Dokumentation: Offener Brief zum Wiesbadener Pfingstturnier an Priska Hinz, Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Hessen. © Hessisches Umweltministerium, Foto: S. Feige

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Nachstehend dokumentieren wir einen Offenen Brief von WELTEXPRESS-Autor Bernd Paschel und Dr. Kirsten Tönnies an Priska Hinz, Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

An Frau Priska Hinz
– Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz –
Mainzer Straße 80
65189 Wiesbaden

Betrifft: Offener Brief zum Wiesbadener Pfingstturnier 2019

Sehr geehrte Frau Ministerin Hinz,

aus gegebenem Anlass weisen wir Sie auf tierschutzrechtliche Verfehlungen beim Pfingstturnier des Wiesbadener Reit- und Fahr-Club e.V. (WRFC) hin, die leider, wie schon beim Landgestüt Dillenburg, mit Beteiligung der Reiterlichen Vereinigung FN stattgefunden haben und in den öffentlichen Presseorganen nicht erwähnt wurden. Wir haben uns deshalb zu einem „Offenen Brief“ an Sie entschlossen.

Sie haben im Fall Landgestüt Dillenburg viel Mut bewiesen und auf die tierschutzwidrige Haltung der Pferde hingewiesen.
Der Reitsport ist in der letzten Zeit immer wieder negativ aufgefallen und es gibt mittlerweile ein breite Bewegung von Pferdefreunden, die sich nicht nur für die artgerechte Haltung, sondern auch für den artgerechten Umgang mit dem Pferd einsetzen, zumeist außerhalb der FN, die sie frustriert verlassen haben.

Im internationalen, mehrsprachigen Infoportal WELTEXPRESS haben wir dazu mehrere Artikel verfasst, die sich, wie hier, mit dem gewaltsamen Einsatz des Gebisses und anderer Hilfsmittel befassen, die dazu benutzt werden, die Pferde gefügig zu machen. Diese unnötigen Grausamkeiten dienen dazu, den Willen des Pferdes zu brechen, wie im gegebenen Fall, den wir mit Video auf Youtube dokumentiert haben.

Wir haben dazu kurze Eindrücke vom Abreiteplatz Springen aufgenommen. Ulrich Kirchhoff und Christian Ahlmann springen mit ihren Pferden über höchste Auflagen mit Schlaufzügeln, Christian Ahlmann sogar mit Scheuklappen. Die FN verbietet das Springen mit Schlaufzügeln in ihrer LPO von 2018 ausdrücklich für nationale Turniere. Grund: „Tierschutzwidrig“
Auf Nachfragen bei der FN, FEI und Pferdesportmagazinen kann keine Stelle im Reglement der FEI zitiert werden, wonach diese Pferde schädigende Reitmethode eindeutig bei internationalen Starts zu erlauben ist!
Im Interview von Weltexpress mit Frau Dr. Kirsten Tönnies sind weitere z. T. peinliche Entgleisungen von Offiziellen und Zuschauern dargestellt.

Weltexpress::
https://weltexpress.info/christian-ahlmann-ein-zweifelhaftes-aushaengeschild-des-deutschen-pferdesports-dr-kirsten-toennies-berichtet-von-ihrem-besuch-beim-internationalen-pfingstturnier-der-reiter-in-wiesbaden/

In der Schweiz ist der Einsatz von Schlaufzügeln seit 2015 gesetzlich verboten, nicht ohne Grund.
Auch wenn Sie keine Springreiterin sind, können Sie sich vorstellen, dass jedes Pferd bei einem feststehenden Zügel empfindliche Schmerzen im Maul und im Hals bis tief in den Rücken erleidet, besonders bei einem Sprung, da sich Pferde bekanntlich durch Ausgleichsbewegungen des Kopfes ausbalancieren. Dass die Belastung der Beine in der Landung ebenfalls schlechter durch Ausgleichsbewegungen abgefangen werden kann, interessiert dieses Reitsystem nicht.
Schon 1972 hat Ihr damaliges Parteimitglied, der bekannte Journalist, Tierschützer und selbst Reiter Horst Stern, über die Grausamkeiten im Springsport berichtet. Seitdem hat sich im Sportreiten, außer in verbalen Bekundungen, wenig verändert. Die Pferde werden eher noch professioneller missbraucht, da es auch um viel Geld geht. Der Missbrauch findet sehr oft schon auf unteren Ebenen statt, da sich viele Freizeitreiter an erfolgreichen Vorbildern wie Christian Ahlmann orientieren. Dazu gehören auch viele Kinder (vornehmlich Pferdemädchen), denen der gewaltsame Umgang mit ihrem Liebling als „normal“ vermittelt wird.

Nicht nur, dass Wiesbaden als Landeshauptstadt betroffen ist, sondern auch Ihre persönliche Qualifikation als Erzieherin lassen uns hoffen, dass Sie sich auch hier zum Wohle der Pferde und der Menschen einsetzen werden.

Mit freundlichem Gruß

Kirsten Tönnies und Bernd Paschel

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