Die Sarah bläst das Horn, sie ist für es geborn – Im Familienkonzert der Berliner Philharmoniker mit den Blechbläsern einmal um die ganze Welt

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Zunächst dorthin, wo die meisten Trips beginnen: auf den Flugplatz.  Da gab es ein lautes Stimmen-  und sonstiges Durcheinander, es bimmelte, klingelte und piepste allüberall. Die Konzertbesucher erkannten erst allmählich, dass der Lärm bereits dazugehörte. Die fünf »Trompeten«, vier »Posaunen«, die »Tuba« sowie Frau Willis und ihr Horn passierten unangefochten den Sicherheitscheck.  In Reiseklamotten – die Koffer mit den Fräcken flogen einen Umweg – nahmen alle auf ihren reservierten Stühlen Platz und packten aus. Denn was ein richtiger Musiker ist, der legt selbst im Urlaub sein Instrument nicht aus der Hand. Und auch die beiden Kollegen, die  im Hintergrund Drum-Set und Percussion bedienten, griffen zu den Stöcken, Schlägeln und Besen.

Klaus Wallendorf, der seit 1980 bei den Philharmonikern ins Horn stößt, gab diesmal den Reiseleiter, hinreißende Sprech- und Gesangseinlagen und als erstes die Richtung vor: »Wir machen eine Urlaubsreise nach dem Motto, in fünfzig Minuten um die Erde.« Da war keine Zeit zu verlieren.

Weil bei einem Konzert immer einer den Ton angeben muss, war auch Sándor Balogh mit von der Partie. Er kann noch mehr als Posaune blasen und hat das bereits im Jahre 2009 mit dem Familienkonzert »Die Bremer Blechmusikanten« bewiesen. Er legte seine neueste Komposition aufs Dirigentenpult.  Aus charakteristischen Klängen und bekannten Rhythmen hatte er für jede Station der Reise eine Erkennungsmelodie arrangiert. Und los gings – in den Alpen mit Kuhglockengebimmel und einem fröhlichen Jodler von Klaus Wallendorf. Und fix weiter in die Türkei. »Dahin kommen wir am schnellsten mit der U 7 – Richtung Neukölln«, erklärte der Reiseleiter und versuchte, seine Sätze mit möglichst vielen ä’s, ö’s und ü’s anzureichern, um sie wie echtes Anatolisch klingen zu lassen. Auch spätere Erklärungen folgten in der jeweiligen »Landessprache«. Die erwachsenen Konzertbesucher amüsierten sich köstlich über die Anspielung auf den Berliner Stadtbezirk, wo besonders viele Migranten eine neue Heimat gefunden haben, und über die herrlichen Knittelverse, an denen sich der Guide über Ägypten und Israel zielstrebig vorwärts hangelte. »Da fragen wir den Rabbi, denn der hat das Abi.« Leider kam nicht alles akustisch so rüber, wie es sich wohl mancher Hörer gewünscht haben mag.

Den Kindern aller Altersgruppen gefiel die Musik ohnehin noch besser.  Sie begriffen schnell, dass jedes Land an seinen Melodien zu erkennen ist und dass man sich zu allen prima bewegen oder gar tanzen kann. Und beim Familienkonzert darf man das auch in der Philharmonie. »Kalinka, Kalinka, Kalinka moja «, »Katjuscha« und Chatschaturjans »Säbeltanz« – das war Russland pur. Und von dort war es nicht weit nach China, Japan und ein Katzensprung bis  Amerika. »Mambo, Mambo die ganze Nacht« – wurde in Brasilien gespielt und in Argentinien ein flotter Piazzola. In Hollywood kitzelten bekannte Filmmelodien die Ohren. »Doch weil wir das so planien, geht es nun nach Spanien!« Olé! Wir schauten noch bei der Nigth of the Proms in der Royal Albert Hall vorbei, streiften Bella Italia, um nach einem Abstecher zum Hafen von Piräus wieder in Berlin zu landen. Die Begeisterung sowohl der Musiker als auch des Publikums steigerte sich noch einmal mit der »Berliner Luft«. Sándor Balogh hatte Gelegenheit, ein ganzes Klatsch-Konzert uraufzuführen.

Das Familienkonzert wurde live und kostenfrei in der Digital Concert Hall übertragen und lockt sicherlich zu einem Besuch kommender Familienkonzerte in die Philharmonie.  Die Termine stehen bereits fest: Am 20. Oktober, um 14 und um 16 Uhr, dreht sich im Kamermusiksaal alles um »Duett und Sextett«. Und zum Schluss – Weihnachten kommt bestimmt –  noch ein Tipp fürs Geschenk: eine Karte für »Merry ChRHYTHMas« am 16. Dezember, 11 Uhr. Das ist ein leicht bemühter Titel, aber bestimmt ein großer  Spaß zum  Mitsingen und Mitklatschen für Besucher ab 4 Jahre. Es moderiert Sarah Willis. Und garantiert  greift sie auch zum Horn, denn – siehe Überschrift.

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