Die Rechnung ging nicht auf – Rudolf Thome verkalkuliert sich mit “Pink”

Pink (Hannah Herzsprung) ist ein ziemliches Ekel. Sie denkt nur an sich, tanzt auf den Gefühlen ihrer Mitmenschen Polka und hält die Huldigung anderer für selbstverständlich. Dennoch macht Regisseur Thome die junge Berlinerin zur Heldin seiner Dramödie. Pink ist jung, schön und begabt. Auf dieser Darstellung seiner  weiblichen Hauptfigur beharrt der Film eisern. Weniger idealisierend ist “Pink” eine unbegabte, pummelige Möchtegernpoetin. “Meine Uhr ist ins Meer gefallen”, “Ich bin eine Wölfin und heule den Mond an”, “Du tust mir weh”¦Aua”. Aua, aua denkt sich angesichts derartiger dichterischer Ergüsse Pinks auch der Zuschauer. Mit einem Zitat der Titelfigur: “Kopf”¦leer”¦Zorn”, Pinks hohle Birne macht richtig wütend. Dennoch füllen ihre Gedichtvorträge die Berliner Schaubühne und andere Räumlichkeiten, ihre Bücher verkaufen sich prächtig und ihre Poesie lässt alle Mitmenschen durch die rosarote Brille sehen. Drei Männer und eine Frau erleiden dieses Schicksal in “Pink”. “Erleiden”, denn die egozentrische Poetin behandelt ihre Verehrer denkbar gefühlskalt. Weil “Pink” die Traumfrau per se ist, dackeln ihr der Geschäftsmann Carlo ( Guntram Brattia), der geschniegelte Georg (Florian Panzer) und der betuliche Balthasar (Cornelius Schwalm) hinterher. Letzter lebt im Landhaus mit wild wucherndem Garten, singt hirnlos vor sich hin und versteckt Ostereier. Dreimal darf man raten, mit wem Pink schließlich glücklich wird. Zuvor muss sie einige Lektionen in Sache Liebe lernen. Auf dem Papier rechnet sie mittels Punktesystem aus, welcher der Verehrer sich am Besten als Ehemann eignet. Carlo macht das Rennen. Nach der Ehe springt die ansonsten jede Belanglosigkeit zeigende Handlung drei Monate nach vorne. Da verlässt Pink Carlo.

Kriegt sie nicht, was sie will, führt Pink sich wie ein beleidigtes Kleinkind auf. Ihre Lieblingsfarbe – “Blöde Frage: pink!”- rührt sie im Saftglas an und schreibt damit “Tschau” an die Schränke. Ist sie ganz böse, malt sie ein missmutiges Mondgesicht und schmiert mit Händen und Füßen Farbabdrücke an die Wände. Das soll ihrem arbeitenden Ehemann Carlo eine Lehre sein, die arme Pink allein zu Haus zu lassen! Carlo erhängt sich praktischerweise, so dass Pink die Scheidung erspart bleibt. Nach Carlo hat Pink eine Kurzaffäre mit einer Therapeutin für “Weltschmerz, Liebeskummer und Lebensüberdruss”. Vermutlich ist die Frau steinreich, weil sich Leute wie Pink bei ihr ausheulen. Doch Pink will “einen Mann im Bett” und verkündet ihrer Partnerin just am Frühstückstisch, das solle Georg sein. Pink erlebt noch milde Dramatisches, bis Balthazar der Auserkorenen ist. Nun wird das Paar selig in dessen Landhaus, denn in der Welt von “Pink” hat jeder Kohle, ohne viel zu tun.

Ob Thome neben Regie und Drehbuch auch die Produktion seines Filmprojekts übernahm, weil er so ein Multitalent ist wie Hauptfigur “Pink” oder weil sonst niemand mit dem Stoff etwas zu tun haben wollte? Thome hat doch in der Vergangenheit gezeigt, daß er sanfte eindrückliche Schicksale per Film erzählen kann. Spannung, Dramatik, Tragik, Witz – “Pink” will mit allem aufwarten und erreicht nichts davon. Den einzigen Lacher erzielt “Pink” unfreiwillig, als Balthazar sie mahnt, nicht von der Leiter zu fallen. Rumms, da liegt sie. Doch wer hofft, jetzt würde etwas von Interesse geschehen, wird enttäuscht. Gips um den Arm, fertig. “Pink” ist so hartnäckig glücklich, dass man wie die oft mit der Pistole herumfuchtelnde Titelfigur zur Waffe greifen möchte. Um sich auf das dichterische Niveau von Pink zu begeben:

Peinlich.
Indiskutabel.
Niveaulos.
Katastrophal.

Titel: Pink
Start: 20. August
Regie und Drehbuch: Rudolf Thome
Darsteller: Hannah Herzsprung, Guntram Brattia, Florian Panzer, Cornelius Schwalm
Verleih: Prometheus

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