Die Hälfte tut’s auch – Fiat schickt den 500 mit neuem Zweizylinder ins Rennen

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Fiat präsentiert mit dem TwinAir eine Zweizylinder-Version seines Retro-Modells 500 und ersatz damit die Vierzylinder.

Der neue TwinAir-Motor, den es als Erstes mit 63 kW/85 PS und später auch mit 48 kW/65 PS und 77 kW/105 PS sowie als Erdgas-Konsument geben wird, ist eine halbe Portion. Damit er trotz Beschränkung auf zwei Zylinder und 0,9 Liter Hubraum leistungsbereit und zugkräftig daherkommt, wird modernste Technik eingesetzt: Das von Fiat erfundene Multi-Air-System und ein Turbolader schaffen es, das Leistungs- und Drehmomentangebot auf das Niveau eines Vierzylinders zu hieven.

Der entscheidende Unterschied zu konventionellen Motoren besteht darin, dass die Drosselklappe nur noch vorhanden ist, um bei einer Störung den Durchfluss des Kraftstoff-Luft-Gemischs zu beschränken, und dass die beiden Einlassventile nicht per Nockenwelle, sondern elektrohydraulisch betätigt werden. Das erlaubt, sie nach Bedarf sehr weit oder nur wenig, früh oder spät und im Verlauf eines einzigen Arbeitstakts sogar mehrfach zu öffnen.

Die Verbrennung im Zylinder lässt sich durch diese Variabilität besser steuern. Resultat: Verbrauch und Schadstoffausstoß werden deutlich reduziert – im Stadtverkehr, also dort wo man den Fiat 500 und das davon abgeleitete Kleinst-Cabrio am häufigsten erblickt, laut Datenblatt auf 4,9 bzw. 4,6 Liter (manuelles/automatisiertes Fünfgang-Schaltgetriebe) je 100 Kilometer. Diese Vorgabe war bei einer Stadtrundfahrt in Berlin allerdings nicht nachzuvollziehen; obwohl (oder gerade weil) die serienmäßige Start/Stopp-Automatik alle paar Meter zum Einsatz kam und die Durchschnittsgeschwindigkeit nur knapp über 20 km/h lag, stand am Ende eine 7 vorm Komma. Den Durchschnittsverbrauch, mit Schaltgetriebe gemäß EU-Norm ermittelt, beziffert Fiat übrigens mit 4,1 Liter je 100 Kilometer; damit geht ein Kohlendioxidausstoß von 95 Gramm pro Kilometer einher

Damit sich das neue Miniatur-Aggregat nicht schüttelt und rüttelt wie die Zweizylinder, die vor etlichen Jahrzehnten als 500er-Antrieb dienten, verfügt es über eine Ausgleichswelle, die einen Großteil der Schwingungen eliminiert. Gewöhnungsbedürftig bleibt die Geräuschentwicklung dennoch: Der Motor klingt nicht stark, sondern signalisiert die Anstrengung, mit denen der Tatendrang erzeugt wird. Außerdem tritt das so genannte Turboloch – eine Umschreibung für wenig Zugkraft im unteren Drehzahlbereich – beim 500 Twin Air deutlich zu Tage. Erst wenn er diese Phase überwunden hat, ist er nicht mehr halb, sondern voll bei der Sache: 145 Nm stellt er bei 1900 Touren bereit. Die erzielbare Höchstgeschwindigkeit beträgt 173 km/h, den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert ein Fiat 500 mit Zweizylindermotor binnen 11 Sekunden.

Dafür zahlt der Kunde freilich einen hohen Preis: Unter 12 900 Euro ist die TwinAir-Variante nicht zu bekommen – die Basismotorisierung, ein 51 kW/69 PS und 102 Nm bereitstellender 1,2-Liter-Vierzylinder, kostet 1600 Euro weniger. Ermittelt man nur die Betriebskosten und verzichtet auf den Vergleich der Leistungsdaten, lohnt sich die TwinAir-Version – einen Liter-Preis von 1,5 Euro vorausgesetzt – erst, wenn der Kilometer-Zähler jenseits der 100 000er Marke und der kleine 500 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits in seiner zweiten Lebenshälfte angekommen ist.

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