Die Französität eines Fahrzeugs – Das Buch „Mythos-Maschine Citroën DS“ als Beitrag über Ding und Über-Ding dank Gunnar Schmidt – Ein Auto und seine Anschauung als eine „Medien und Kunstgeschichte“ mit Beispielen von bewegenden Bildern

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Gunnar Schmidt: Mythos-Maschine Citroën DS
"Mythos-Maschine Citroën DS" von Gunnar Schmidt. © Edition Imorde

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Über Jahrzehnte galten die D-Modelle von Citroën als etwas Besonderes. Aus diesen ausgefallenen Auto-Modellen, die mit ID, DS, Pallas und Break bezeichnet wurden, ragte die Citroën DS heraus. In der BRD wurde sie vor allem durch Heinrich Böll bekannt. Doch nicht nur der Schriftsteller deutscher Zunge bekam die Göttin (la Déesse), deren Erscheinung gelobt wurde die Technik.

Dass nicht nur Straßenlage und Formgebung entscheidend für den Erfolg der DS war, sondern auch die Faszination sowie die Werbung, die für sie getrieben wurde, das behauptet und belegt Gunnar Schmidt auf 172 Seitenin seinem Buch „Mythos-Maschine Citroën DS“. Grundlage für die Behauptung einer „Über-Realität“, beginnen beim „sprachspielerischen Initiations-Coup: DS = Déesse/Göttin“ und endend bei einem „geradezu verschwenderischen Bildkosmos, an dessen Aufbau Publikationen aus den Bereichen Werbung, Massenkultur und Kunst in intermedialer Verschränkung beteiligt waren“, wie Schmidt im Vorwort schreibt, sei „ausgewähltes Material aus Grafikdesign, Fotografie, Werbe- und Spielfilm, Literatur sowie bildender Kunst, um die kultursemantischen Dimensionen kenntlich zu machen, die mit dem Auto seit seiner Erstpräsentation im Jahr 1955 verbunden“ seien.

Daraus leite sich „ein wechselvolles Geschehen zwischen Ding und Über-Ding, zwischen Form- und Sinngebung, zwischen Ikonizität und zerstörter Ikonizität, zwischen Fortbestand und Variation“ ab, weswegen der Titel eine doppelte Bedeutung besäße. Mit der Maschine sei die DS gemeint, ja, aber „auch die kulturelle Mechanik, aus der die mythische Struktur des Fahrzeugs hervorgeht“. Mit anderen Worten: Das Werk von Gunnar Schmidt ist eine „Medien- und Kunstgeschichte des Citroën DS“, die der Autor wie folgt gliedert: „Die drei Ordnungen: Ikone, Kunst Mythos“, „Den Mythos begründen“, „Himmel – Imaginationen“, „Französität“, „Die Kunst der Verwandlung“ und „Die Zukunft der Vergangenheit“.

Das Buch scheint nicht nur von einem Kulturwissenschaftler für Kulturwissenschaftler geschrieben zu sein. Schmidt wird als solcher genannt und trägt den Titel eines Professors für das Lehrgebiet Theorie und Praxis des Intermedialen am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Trier, wo sich der gebürtige Berlin, der in Hamburg promovierte und habilitierte, mit Medienästhetik, Medienkunst und Kulturgeschichte der Medien befasst. Davon legt das Buch beredt Zeugnis ab. Was würden Böll und die Déesse dazu sagen?

Bibliographische Angaben

Gunnar Schmidt, Mythos-Maschine, Medien- und Kunstgeschichte des Citroën DS, 172 Seiten, mit 71 überwiegend farbigen Abbildungen, Format: 13 x 20 cm, Broschur, Verlag: Edition Imorde, ISBN: 978-3-942810-42-5, Preis: 19,80 EUR (D)

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