Die einst wichtigste Sicherheitskonferenz der westlichen Welt feiert sich selbst und verkommt zu einer Geldabzock- und Lobbyveranstaltung

Wladimir Selenski, dritter Kriegspräsident der Ukraine, während seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz am 19. Februar 2022 in München. Quelle: www.globallookpress.com

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Die Münchner Sicherheitskonferenz Heute Auftat von „München, wie es singt und lacht!“

Wer unlängst im Zwangsgebührenfernsehen die Übertragung der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ aus Aachen verfolgte, mag eine Interessante Beobachtung gemacht haben. Da saß Deutschlands sich selbst versorgende Mainstreamwalhalla ungestört unter sich und feierte die neue „Ordensfrau“ Annalena Baerbock mit oft humor-, aber immer recht niveaulosen Lobreden und Freudenjauchzern. Ich, als sogenannter assimilierter Pimmock (Nichtrheinländer), habe in meinen sechzehn Bonner Jahren durchaus eine Zuneigung zum Brauchtum des rheinischen Karnevals gefunden. In Düsseldorf und Köln tönt es oft ein bißchen derb und zotig, in Mainz dagegen wurde Florett gefochten; heißt – die gesammte politische Klasse bekam unisono und trefflich formuliert ihr Fett weg. Bis auf wenige Ausnahmen ist das Vergangenheit. Aachen aber war die Umkehrung des spitzen Wortes -flach (Iris Berben), verletzend, diffamierend (Kaiser Karl) völlig humorlos (Annalena Baerbock). Das für den geneigten Fernsehzuschauer Interessanteste aber war, scheinbar ist dies der illustren Gästeschar im Saale überhaupt nicht aufgefallen. Da feierte sich eine, von allen Realitäten des normalen Lebens abgehobene BRD-Schickeria bei Häppchen, Schampus und Getös, ohne auch nur ansatzweise „karnevalistisch spitz“ in den unsäglichen „Büttenreden“, gefordert zu werden. Der ganze Saal realitätsfern im Old-Boys-Club-Raumschiff unterwegs zu humorlosen Welten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, oder gar erleben möchte.

Nun ist München nicht Aachen und die Themen der Sicherheitskonferenz drehen sich beileibe nicht um „für- oder wider den tierischen Ernst“. Ganz im Gegenteil, die Weltlage der Nachkriegszeit war nie so ernst wie heute. Was würde man gerade jetzt von den Organisatoren einer solchen Konferenz erwarten? Nun, da anscheinend Friedensgespräche derzeit keine Chance haben, wäre doch wohl nichts besser geeignet, die beteiligten Mächte zum Diskurs zu versammeln, als die Münchner Konferenz(MSC). Dort, bei den zahllosen Foren und Hauptvorträgen könnten sich Russen, Ukrainer, Amerikaner und auch ein bißchen ihre Erfüllungsgehilfen, die Europäer unmittelbar miteinander auseinandersetzen. München wäre damit noch kein Friedensgipfel, aber eine Plattform, die anstoßgebend sein kann für Verhandlungen. Ich selbst bin in früheren Zeiten, als der wirklich fähige und erfahrene Horst Teltschik noch Chef des MSC war, Gast der Konferenz gewesen. Ich kann mich an intensive Diskussionen (oft konträr) mit meinem Freund Richard Holbrooke und (überraschenderweise) mit Donald Rumsfeld und vielen anderen erinnern. Die Franzosen erwiesen sich oft einmal mehr als Meister auf dem diplomatischen Parkett und die behäbigen und eher unerfahrenen Russen mußte man erstmal warmquatschen, aber dann wurde es spannend. München, das war ein Treff der gegensätzlichen Meinungen, aber eben auch Spielfläche, um die Denke anderer verstehen zu lernen. Für alle, die sich in der Welt der Topetagen mit Außen- und Sicherheitspolitik beschäftigten, war München ein Muß!

Und heute? Den Münchner Glanz gibt es noch. Ja, alles ist noch größer, noch prächtiger noch wichtiger geworden. Fast fünftausend bayerische Polizisten sind im Einsatz, die Bundeswehr (wieso eigentlich die Bundeswehr) hat alles seit Monaten trefflich und en Detail vorbereitet. Auch die Privatjets können, unbelästigt vom deutschen Flughafenstreik, selbstverständlich am Münchner Flughafen einfliegen. Ich höre im Himmel das Grollen des Namensgebers desselben, Franz-Josef Strauß. Fünfundvierzig Staats- und Regierungschefs werden erwartet oder sind schon da, das ist ein Herzen, ein Busserln, ein auf die Schulterklopfen. Schön ist es, so herrlich entspannt unter sich zu sein, man sieht und trifft sich wieder, die Köche des feinen „Vier Jahreszeiten“ und all der anderen Luxusherbergen schmoren, dünsten, braten -nix bayerischer Hinterwald, sondern Aute Cuisine, den Barmixern werden ab Mitternacht die Arme schwer und danach schieben die Puffs und Bordelle der Bayernmetropole Überstunden. München, wie es singt und lacht!Dies alles mag allen von Herzen gegönnt sein, hätte, ja hätte der ganze zehn Millionen Steuer&Spendeneuro teure Spitzenzirkus nicht eine Schattenseite. Die Zeiten, wie ich sie zuvor geschildert habe, sind nämlich längst vorbei. Kein Aufeinandertreffen der Kontrahenten dieser Welt, keine Rede a la Putin von München 2008, keine Russen, die die Harmonie stören könnten, nicht mal die innerdeutsche Opposition ist zugelassen, „Russlands Fünfte Kolonne“, so der Schmähruf der Blockparteien, die AfD hat der „Tschäärmän“ des MSC, Christoph Heusgen, von der Gästeliste gestrichen. Vorherige Abstimmung des „MSC-Elferrates“ – Fehlanzeige! Der neue Frontmann im Sicherheitsclub hat das allein, in welchem Kämmerlein auch immer, für sich entschieden.

Christoph Heusgen? War das nicht der Sicherheitsberater von Angela Merkel, der der Kanzlerin schon 2015 die Empfehlung gab, sich über den Protest des schwachen Innenministers DeMaizaire hinwegzusetzen und die Schlagbäume an den Grenzen für knapp eine Million Flüchtlinge hochzuziehen? Jener Raffke Heusgen, der kaum, dass er von Merkel den Belohnungsjob als deutscher UN-Botschafter sicher hatte, nichts anderes zu tun hatte, als den UN-Generalsekretär mit Gefälligkeitsfloskeln unter Druck zu setzen, damit seine Frau in seinem Haus einen mit knapp 140 000 Dollar Jahresgehalt dotierten Job erhielt?

Ein ehemaliger Staatssekretär im Auswärtigen Amt bezeichnete mir gegenüber vor einigen Jahren Heusgen als „diplomatische Nebelkerze“. Selbst engste Vertraute und schon gar nicht die Partner im Nationenkonzert wüßten, wo er hinwolle. Des Diplomaten Verdacht: „Heusgen weiß es selber nicht“. Jener Heusgen also hat jetzt den Münchner Parkettboden grundgereinigt und all die aus- bzw gar nicht eingeladen, die die Harmonie und Partylaune trüben könnten. Was er nicht erkennt ist, daß das Gewicht des „Münchner Gipfels“ damit schweren Schaden nimmt. Schon heute, zum Auftakt der Konferenz, wurde deutlich, daß das Ansinnen des Westens, nämlich Indien, Brasilien und Südafrika auf seine Seite zu ziehen, am Widerstand der Besagten zu scheitern droht. In Neu Delhi, Brasilia und Pretoria hat man längst erkannt, dass der Stern des Westens im Sinkflug begriffen ist, dass sich andere, multipolare Strukturen entwickeln, auf die der Westen gar keinen oder nur geringen Einfluß ausüben kann. Nebenbei, mit China hat er erst gar keine Avancen versucht.

Und so meandert die Münchner Sicherheitskonferenz sukzessive ihrer früher oder später eintretenden Bedeutungslosigkeit entgegen. Es geht auch längst nicht mehr nur um Inhalte und Topthemen. Kein anderer als der Nachfolger des vorvorherigen MSC-Chefs Teltschik, der deutsche Karrierediplomat Wolfgang Ischinger hatte erkannt, das sich mit der MSC „Big Money“ machen läßt.

Da kam es bei Ischinger gar nicht gut an, dass der SPIEGEL vor genau einem Jahr über vertrauliche Dokumente berichtet hatte, denen zufolge „Ischinger über die von ihm mitgegründete Agora Strategy Group exklusive Hinterzimmertreffen auf der Konferenz organisierte. Laut der Unterlagen bot Agora (zu 30% in Ischingers Besitz) der deutschen Rüstungsfirma Hensoldt an, wichtige Personen »aus dem Teilnehmerkreis der MSC« für die »Durchführung eines Side Events« auszuwählen. Mit »Side Events« sind Treffen in den Hinterzimmern der Konferenz gemeint. Agora wollte Hensoldt zudem bei Geschäften in Ländern wie Saudi-Arabien, Ägypten oder Libyen unterstützen.“ Ischinger wies jede Einflußnahme auf die Konferenz zurück. Der Spiegelartikel hat vielleicht auch zu Ischingers schnellem Abgang als MSC-Chef geführt. Sorgen machen braucht er sich deswegen nicht. Erstens ist er auch diesmal in München als hochangesehener Ehrengast dabei und zweitens halten sich die Gerüchte, der Ex-USA-Botschafter habe sich mit Übernahme des MCS-Präsidentenstuhls sämtliche Markenrechte der Münchner Sicherheitskonferenz zusagen lassen. Ja selbst nach seinem Ableben soll die Familie Ischinger nicht darben. Der Anspruch auf die MSC-Markenrechte, so sei das notariell geregelt, werde dann auf die Erben übertragen. Tja Mei, was für ein Gaudi! München schunkelt weiter und sei es in die Bedeutungslosigkeit. Es gab mal (und gibt es in stark veränderter Qualität) ein Münchner Kabarett, das in seinen frühen Anfangszeiten mit dem MSC thematisch verbunden war. Damals, 1955, ging es um die deutsche Wiedebewaffnung und die Kaberetisten um Dieter Hildebrandt schossen dagegen. Der spätere Name der Truppe war vorprogrammiert.

Doch mit dem Niveau, der Qualität, dem geschliffenen deutschen Wort und dem genialen Hintersinn der „Münchner Lach&Schießgesellschaft“ kann weder Herr Heusgen, noch der Elferrat des MSC mithalten. Und in Aachen kann man das spätestens nach der letzten Veranstaltung schon gar nicht.

Abgang! Narhalla-Marsch!

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Armin-Paulus Hampel wurde am 18.2.2023 in Facebook unter https://www.facebook.com/ArminPaulHampelAfD erstveröffentlicht.

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