Die Bildzeitung von vorgestern – Serie: Das Wien Museum Karlsplatz zeigt „Hieronymus Löschenkohl. Sensationen aus dem Alten Wien“ (Teil 1/2)

Karikatur auf die ungarische Krönung, 1790, (Detail), Hieronymus Löschenkohl (1753 - 1807)

Erst einmal muß berichtet werden, daß auch das Wien Museum mit dieser Ausstellung, die einen Sensationsreporter in Wort und Bild vorstellt, der schon 1753 geboren wurde, ein Deja Vu verbindet. Es war nämlich just diese schillernde Medienpersönlichkeit Hieronymus Löschenkohl, mit der das damals Historische Museum der Stadt Wien genannte heutige Wien Museum mit der ersten Ausstellung am 23. April 1959 überhaupt eröffnet wurde. Und so ist dies im besten Sinne eine geschichtliche Ausstellung geworden, weil diese neue Löschenkohlausstellung, die die 357te ist, die alte gleich mittransportiert, denn weite Teil dienen der Rekonstruktion der Ausstellung von 1959.

Und da sieht man verwundert, wie schriftfern und bilderabhängig wir heute sind. Denn damals wurde dem Ausstellungsbesucher weit mehr an Informationsaufnahme zugemutet als heute. Aber damals gab es auch die Videofilme noch nicht, in denen heute sehr einprägsam von Experten über die Wirkung und über die Person dieses Löschenkohl in Wort und Bild berichtet werden. Wir haben alle von A bis Z angeschaut und manche sogar zweimal, denn das hat unsere Zeit nicht nur 1959 voraus, sondern erst recht der Zeit von Löschenkohl.

Der hatte nämlich Glück. Hätte er nur Jahrzehnte zuvor gelebt, hätte er sich solche Offenheiten und Schmähgeschichten über die feine Welt nicht erlauben können. Aber hineingeboren in die Zeit der Aufklärung, war er auch der rechte Mann am rechten Ort als Kaiser Joseph II. die Zensur abschaffte und „Pressefreiheit“ zuließ. Der im deutschen Elberfeld 1753 geborene Löschenkohl war nämlich 1780 nach Wien gekommen, hatte erst einmal als Graveur gearbeitet und dann nach dem Fall der Zensur seine technischen und künstlerischen Möglichkeiten genutzt und erst einmal die Bilder berühmter Persönlichkeiten produziert und verkauft, im Stil der Zeit als Silhouette, dem Scherenschnitt, was in der Ausstellung ausreichend dokumentiert wird. Dieses war sein erste Streich.

So richtig wienbekannt und geschäftlich erfolgreich wurde er dann allerdings mit den kolorierten Stichen, in denen er Politik, Gesellschaft, das Kaiserhaus und den Adel der kaiserlichen Residenzstadt Wien im Bild zu Wort kommen ließ und manchesmal auch ganz schön karikierte. Allerdings in Maßen, denn echte Pressefreiheit gegenüber den Oberen war das noch nicht, was nun erlaubt war. Aber immerhin konnte man so manche Spitze unterbringen, wenn man das Volk abbildete und dessen angebliche Vorlieben und Meinungen zum Besten gab. Und da sieht man wieder vor den kolorierten Stichen im Museum wie dem hinreißenden „Das Luftschiff des H. Blanchard, mit welchem er am 9then Merz 1791 zu Wien eine Luftreise machen wollte, welches aber der Wind zerriß“, wie geschickt dieser Löffelkohl vorging. Da malt er erst mal viel Volk und die Käufer seiner kolorierten Kupferstiche konnten sich erst mal unter den Massen selber suchen, denn die Kleider und die Kostüme waren im Zeitgeschmack, die Perücken, die damals noch getragen wurden, auch. Da konnte so jeder sich in den hinteren Reihen wiedererkennen und vom Unglück direkt berichten, daß ja nun durch das Bild den Wahrheitsbeweis antrat..

Katalog: Hieronymus Löschenkohl. Sensationen aus dem alten Wien, hrsg. von Monika Sommer, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2009. Den Katalog, den braucht man, ehrlich gesagt, dringend. Denn auch den echten Weanern sind die geschichtlichen Vorfälle der Donaumetropole nicht mehr in der Erinnerung, die damals das Volk aufbrachten, denn nichts ist so alt wie die Sensation von gestern. Aber wenig ist so spannend, wie dem nachzugehen, was dem Katalog gelingt. Eine Vielzahl von Fragestellungen wie „Löschenkohls Fabrik und der Markt“ werden differenziert betrachtet und natürlich gibt es dann auch das Objektverzeichnis der Ausstellung. Nur über die Privatperson Löschenkohl findet man nichts.

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Ausstellung:

bis 16. August 2009 im Wienmuseum.

Reiseliteratur:

Felix Czeike, Wien, DuMont Kunstreiseführer, 2005
Baedecker Allianz Reiseführer Wien, o.J.
Lonely Planet. Wien. Deutsche Ausgabe 2007
Walter M. Weiss, Wien, DuMont Reisetaschenbuch, 2007
Marco Polo, Wien 2006
Marco Polo, Wien, Reise-Hörbuch

Tip:

Gute Dienste leistete uns erneut das kleinen Städte-Notizbuch „Wien“ von Moleskine, das wir schon für den früheren Besuch nutzten und wo wir jetzt sofort die selbst notierten Adressen, Telefonnummern und Hinweise finden, die für uns in Wien wichtig wurden. Auch die Stadtpläne und U- und S-Bahnübersichten führen– wenn man sie benutzt – an den richtigen Ort. In der hinteren Klappe verstauen wir Kärtchen und Fahrscheine, von denen wir das letzte Mal schrieben: „ die nun nicht mehr verloren(gehen) und die wichtigsten Ereignisse hat man auch schnell aufgeschrieben, so daß das Büchelchen beides schafft: Festhalten dessen, was war und gut aufbereitete Adressen- und Übersichtsliste für den nächsten Wienaufenthalt.“ Stimmt.

Anreise:

Viele Wege führen nach Wien. Wir schafften es auf die Schnelle mit Air Berlin, haben aber auch schon gute Erfahrungen mit den Nachtzügen gemacht; auch tagsüber gibt es nun häufigere und schnellere Bahnverbindungen aus der Bundesrepublik nach Wien.

Aufenthalt:

Betten finden Sie überall, obwohl man glaubt, ganz Italien besuche derzeit Wien! Überall sind sie auf Italienisch zu hören, die meist sehr jungen und ungeheuer kulturinteressierten Wienbesucher. Wir kamen perfekt unter in zweien der drei Hiltons in Wien). Sinnvoll ist es, sich die Wien-Karte zuzulegen mitsamt dem Kuponheft, das auch noch ein kleines Übersichtsheft über die Museen und sonstige Möglichkeiten zur Besichtigung in Wien ist, die Sie dann verbilligt wahrnehmen können. Die Touristen-Information finden Sie im 1. Bezirk, Albertinaplatz/Ecke Maysedergasse.

Mit freundlicher Unterstützung von Air Berlin, dem Wien Tourismus, der Wiener Festwochen und diverser Museen und den Hilton Hotels Wien.