Das innere Auge – schöne und seltsame Fallgeschichten zum Sehen aus dem Hause Sacks

Was sich eigentlich ganz lustig liest, ist einer bitterernste Angelegenheit. Der Autor dieser Zeilen, Professor für Neurologie und Psychiatrie, hat in eigener Person vieles erlebt, woran seine Patienten leiden. In Deutschland ist der schreibende Professor Oliver Sacks seit der Veröffentlichung außergewöhnlicher Fallgeschichten wie „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ und „Der Tag, an dem mein Bein fortging“ bekannt und beliebt. In seinem neuesten Buch vereint er Geschichten, die mit dem menschlichen Auge verknüpft sind – was ist Leseblindheit, Gesichtsblindheit und was sehen Blinde eigentlich? Kann ein Blinder Berufe ausüben, die Sehen erfordern? Wie repariert ein Blinder sein Dach und wie kann ein anderer Gefäßchirurg und Anatom sein? Erstaunliches und Skurriles aber auch sehr erfreuliches wird in den Fallgeschichten sichtbar: eine Frau erlangt zum Beispiel nach Jahrzehnten ihr beidäugiges, also das stereoskopische Sehen zurück und erblickt eine Welt voller Wunder.

„Ich ging zu meinem Auto zurück, und mein Blick fiel auf das Lenkrad. Es „sprang“ aus dem Armaturenbrett heraus. Ich schloss ein Auge, dann das andere, dann schaute ich wieder mit beiden hin, und das Lenkrad sah anders aus”¦ Am nächsten Tag stand ich auf, machte meine Augenübungen und stieg ins Auto, um zur Arbeit zu fahren. Als ich in den Rückspiegel blickte, sprang er mir aus der Windschutzscheibe entgegen.“

Das wunderbare, lehrreiche und äußerst unterhaltsam geschriebene Buch gehört in die Sammlung jedes Oliver Sacks-Fans, aber auch für Neueinsteiger ist es unbedingt geeignet!

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Oliver Sacks, Das innere Auge, Neue Fallgeschichten, 288 Seiten, Januar 2011, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg, 19,95 €