Das Desaster von Ingolstadt – Mit 7:1 geraten die Eisbären bei den Panthern unter die Räder

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Berliner Eisbären vs. Grizzlys Wolfsburg, 09.12.2016.© 2016, Foto: Joachim Lenz

Ingolstadt, Deutschland (Weltexpress). Wenn man sich wieder und wieder ansieht, wie das 1:0 beim Punktspiel in Oberbayern zwischen Ingolstadt und Berlin in der siebten Spielminute zustande kam, dann kann man sich irgendwann nicht mehr die Haare raufen, weil man keine mehr auf dem Kopf hat. Ein, zwei, drei, ja, vier ERC-Spieler mehr oder weniger frei vor dem Eisbären-Tor. Das war ganz, ganz schwach verteidigt.

Auch beim Konter zum 2:0 laufen die Gastgeber wie das eine oder andere Lehrbuch es beschreibt vor das von Petri Vehanen gehütete Berliner Tor (16.). Beim dritten Treffer für Ingolstadt wurde der Fernschuss von David Elsner von der blauen Linie so passend abgefälscht, dass der Puck im Netz zappelte (23.). Der Schuss von Thomas Pielmeier war ebenfalls ein Geschoss vom rechten Anspielkreis (28.).

Für Vehanen kam Marvin Cüpper (28.) und der kam vom Regen in die Traufe, auch wenn Bruno Gervais den Ehrentreffer für die Eisbären an diesem Tag erzielte (38.). Im letzten Drittel schlugen nur noch die Gastgeber zu. Erst traf Oppenheimer (41.), dann Elsner (47.) und abschließend Danny Irmen (49.). Die Abwehr der Berliner erweis sich als statisch und die ganze Mannschaft gab spätestens nach Oppenheimers zweiten Treffen auf. Ingolstadt leistete sich zudem einen vergebenen Penalty durch Darryl Boyce. Der Sieg der Hausherren vor 4030 Zuschauern hätte höher ausfallen können.

Nach Pleiten, Pech und Pannen in dieser durchwachsenen Saison kassierten die Berliner in Ingolstadt ihre bisher höchste Saisonniederlage. So radikal kamen die Eisbären bei den Panthern noch nie in der Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) unter die Räder.

Eisbären-Trainer Uwe Krupp kritisierte nach dem Spiel, dass „die beiden Tore … durch verwertete Rebounds“ gefallen seien, was „immer ein Zeichen“ sei, dass man „in den Zweikämpfen, die man gewinnen muss, nicht durchsetzungsstark genug“ sei. Das kann man so sagen.

ERC-Trainer Tommy Samuelson merkte unter anderem an, dass man gesehen habe, „wie eng das ganze Spiel war. Es ging vor allem um die Rebounds. Direkt vor dem 2:0 hat Berlin eine große Chance, aber wir haben stark gespielt, den Puck gewonnen und das 2:0 geschossen.“

Die Defensive der Berliner war ein Desaster. Daran änderte auch der Neue, Alex Roach, nichts. Aber nicht nur die Verteidigung floppte, auch der Angriff war wie so oft wirkungslos. Daniel Fischbuch sprach nach dem Spiel vom „Chancentod“. Dass sich ein Angreifer an die eigene Nase fasst, das spricht einerseits von Ernsthaftigkeit, andererseits könnte er das so häufig machen, dass das nur noch lustig wirkt.

Dass erneut mit Gervais ein Verteidiger traf, das wundert nicht nur Fischbuch wenig. Wenn noch jemand wie Nick Petersen, Berlins bester Neuzugang für diese Saison, freistehend am Tor vorbeischießt, dann kann man gleich einpacken oder sich eine 7:1-Packung abholen.

In Berlin stellen sich manche die Frage, ob Eishockey-Lehrer Krupp es noch schafft, das mit dem Durchsetzen, das Verteidigen, das Ins-Tor-Treffen und noch vieles mehr zu trainieren oder ob zu viele Spieler im Kader zu schlecht und trainingsresistent sind. Behielten und besorgten die Verantwortlichen die Falschen? Dass manche Spieler der Berliner Eisbären ihre besten Tagen schon hinter sich hätten, das hört man in Berlin schon seit längerem und mittlerweile auch im Radio.

Das zweite Drittel lief bereits ohne Darin Olver, der sich im ersten Drittel verletzte. Wegen einer Knieverletzung fällt Berlins Bester für das morgige Heimspiel, wenn der aktuell Achte der DEL-Tabelle gegen die Rote Laterne der Liga ran muss, aus. Wie lange? „Einige Zeit“, meinen die Eisbären.

Gegen die Pinguine aus Krefeld scheint alles möglich, auch ein Sieg der Eisbären.

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