Berlinale 2024: „Sterben“ von Matthias Glasner

Corinna Harfouch und Lars Eidinger in "Sterben" von Matthias Glasner. Deutschland, 2024, Wettbewerb der Berlinale 2024. © Jakub Bejnarowicz / Port au Prince, Schwarzweiss, Senator

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Die Pressekonferenz nach der Pressevorführung des Films „Sterben“ von Matthias Glasner war für Kenner und Kritiker todlangweilig. Alle schwätzen mehr über sich als die Sache selbst und ihre Geschichte. Kenner und Kritiker hatten nichts anderes erwartet. Ich kenne kaum einen von mir geschätzten Kritiker, der sich eine Pressekonferenz antut.

Daß etwas nicht düster, sondern auf eine bizarre Art hell sei, sagte der eine und die andere sprach von einer „Hommage an die Lebendigkeit“, ohne das im Publikum Gelächter aufkam. Das Gegenteil war der Fall: Der eine oder andere klatschte zum Kraut.

Fragen wurden gestellt, Antworten gegeben. Eine Frage nach dem „Körperkontakt“, der Berührung, die eine Journalistin „nur beim Sex oder in der Nähe von Kindern“ aufgefallen sei, war zu hören. Matthias Glasner sprach davon, daß er sich mit seiner Mutter immer nur mit Handschlag begrüßt habe, aber freundlich. Immerhin, möchte man meinen, manche schreiben sich noch nicht einmal. Glasner sprach in einem Hotel am Berliner Marlene-Dietrich-Platz irgendwie frei von der Leber weg, auch über Dummdeutsch. Anglizismen würden wie selbstverständlich kommen. Klar!

Corinna Harfouch erzählt über die Elternschaft im Allgemeinen, die man nicht an einer Universität lernen könne. „Wir tun unser Bestes“, merkte sie an und im Besonderen wußte sie lächelnd zu berichten, daß ihre Kinder gute Eltern seien, was ihr Hoffnung machen würde.

Lars Eidinger erklärte eine Frage für besser als jede Antwort darauf und bemühte Carl Valentin. Gut, daß nach Valentin Schluß war.

Zum Film: Lissy Lunies, Mitte 70, genießt ihre kleinbürgerliche Freiheit, seitdem ihr demenzkranker Mann Gerd in einer Pflegeeinrichtung verbracht wurde. Allerdings kämpft die Frau mit diversen Krankheiten. Nicht nur Rücken, sondern Nieren, Diabetes und Krebs. Auch das Augenlicht schwindet erstens schneller und zweitens als man denkt..

Der Sohn der alten Dame dirigiert dreweil und schreibt mit seinem besten Freund, dem depressiven Bernard, eine neue Komposition namens Sterben. Und dann spannt ihn Toms Ex-Freundin Liv auch noch als Ersatzvater für ihr Kind ein.

Toms Schwester Ellen lernt den Zahnarzt Sebastian kennen, mit dem sie eine Affäre beginnt. Beide sind: Trinker. Sie leben der Rausch bis zum Sterben…

Im Grunde genommen dreht sich die Geschichte um eine gewisse Entfremdung, aber nicht die wie Karl Marx sie von der zentralen Kategorie der Arbeit erklärte. Allerdings wird die Entfremdung des Menschen vom Menschen im Film verständlich. Mutter Lissy, Vater Gerd, Sohn Tom und Tochter Ellen sind Familie Lunies, aber einander entfremdet. Mit dem Tod konfrontiert, begegnen sie einander wieder.

Der gut besetzt Film , der im Wettbewerb der Berlinale läuft, hat am heutigen Abend seine Premiere in Berlin. Matthias Glasner, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb und sich an der Produktion beteiligte, steht wie zuletzt 2012 mit „Gnade“ in Konkurrenz mit Kollegen um einen Bären. Kinostart für den Film „Sterben“ soll in der BRD am 25.4.2024 sein.

Filmographische Angaben:

  • Originaltitel: Sterben
  • Originalsprache: Deutsch
  • Staat: Deutschland
  • Jahr: 2024
  • Regie: Matthias Glasner
  • Drehbuch: Ḿatthias Glasner
  • Kamera: Jakub Bejnarowicz
  • Schnitt: Heike Gnida
  • Musik: Lroenz Dangel
  • Darsteller: Lars Eidinger (Tom Lunies), Lilith Stangenberg (Ellen Lunies), Corinna Harfouch (Lissy Lunies), Robert Gwisdek (Bernhard), Ronald Zehrfeld (Sebastian Vogel), Saskia Rosendahl (Ronja) Anna Bederke (Liv), Saerom Park (Mi-Do), Hans-Uwe Bauer (Gerd Lunies)
  • Produktion: Matthias Glasner, Ulf Israel, Jan Krüger
  • Länge: 180 Minuten
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