Be-in im „To Beef or not to Beef“ oder Vom guten Essen

© Mí¼nzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Die Geschichte

Hamlet erschien 1603 und spielt in Helsingí¸r im Nordosten der dänischen Insel Seeland, genau gegenüber von Helsingborg in Schweden, zur Zeit der Renaissance. „Die Geschichte des in ein tintenschwarzes Wams gekleideten und ein Buch mit sich tragenden dänischen Prinzen gilt“, so steht es in Wikipedia, „als eines der bedeutendsten Werke Shakespeares und ist sicherlich eines der berühmtesten Dramen der Weltliteratur.“ Es ist die Geschichte einer Familiefehde mit Rache als Motiv. Es ist die Geschichte von „Claudius, dem Bruder des dänischen Königs, der den Herrscher ermordet und sich nicht nur die Krone aufsetzt sondern auch Gertrude, die Witwe des Königs, seine Schwägerin zur Frau nimmt. Hamlet als Papas Prinz strebt danach, seinen Vater zu rächen, und stürzt dabei alle Beteiligten ins Unglück. Auch Hamlet stirbt, niedergestochen mit einer vergifteten Degenspitze von seinem alten Freund Laertes, nicht ohne seinem anderen Freund Horatio die letzten Worte „Der Rest ist Schweigen“ einzuhauchen.

Das Restaurant

Daran und an noch viel mehr erinnern wir vom WELTEXPRESS uns beim Besuch des Berliner Restaurants To Beef or not to Beef (TBONTB), das im Mai 2012 in der Schöneberger Akazienstraße eröffnete. Manche meinen, das Innere würde „ein wenig an neapolitanische Hinterhöfe, weniger an Capri-Urlaubsstimmung“ erinnern. Klare Kante und leichte Linie mit einer schnörkellose Inneneinrichtung die dennoch Bodenständigkeit gepaart mit Eleganz vermittelt, spricht uns beim Schein der Kerzen im Abendlicht über der deutschen Hauptstadt an. Neben dem Flackern der Kerzen sorgt das Glitzern der Gläser für Stimmung. Und die Gäste. Dazu tragen auch die Kellner bei und auf.  Das Farbenfeuerwerk im ansonsten in Schwarz und Weiß, Braun und Beige gehaltenen Interieur findet auf dem Teller statt. Schön so.

Die Philosophie

© Münzenberg Medien, Foto: Stefan PribnowSchönes und Gutes verspricht auch die Philosophie, die in zehn Sätzen dargelegt und von uns gerne in Auszügen widergeben wird. TBONTB richtet sich gegen banale Erfahrungen und gegen die Gleichmachung des Geschmacks und spricht sich für eine Welt des Handwerks, nicht der Industrie aus. Kein Wunder also, dass das Tier „ein gutes Leben geführt haben“ soll und Kälber nicht in die Küche kommen. Der Anspruch auf ein gutes Leben für Menschen wird ausdrücklich erwähnt. In dieser Philosophie spiegelt sich ein aparter Mix aus marxistischem Existenzialismus (bitte Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus und Gabriel Marcel lesen!) und kommunistischem Hedonismus (mehr Max Horkheimer, Theodor Adorno und Herbert Marcuse als Karl Marx und Friedrich Engels – alle lesen!) wider. Im TBONTB wird ad hominem bewiesen. Wohl an!

Das Bestes vom Butcher

Das Fleisch im To Beef or not to Beef stammt aus Italien und zwar vom toskanischen Metzger Dario Cecchini, der diesen Beruf in siebter Generation ausübt und in Florenz zudem ein Restaurant betreibt. Fleischer Cecchini wiederum bekommt die Schweine und Rinder zum Schlachten aus artgerechter und biologischer Haltung vom Bauer aus der Region. Kein Wunder, dass das Bistecca alla Fiorentina, also das Steak Florentiner Art, gut schmeckt. Zudem reifte es mindestens 20 Tage am Knochen. Auch das Panzanese, ein fulminantes Stück Fleisch aus der Innenseite des Rinderschenkels, ist ein bravouröses Produkt aus Panzano in Chianti, „sehr mager und geschmacksintensiv“, wie die kleine Karte der Küche verrät. Scheiß auf Pasta und Pizza. Aber voll. Oder besser: Beiß ins Beef. Feier das Fleisch.

Burger, bei denen die Rinderhackfleischmedallions medium vom Grill kommend auf Focaccia, geräuchertem Scamorza, frischem Tomatenragout und Rucola, wären eine Alternative. Ein Muß sind die Antipasti, die mit einem „Gruß aus der Küche“, bei unserem ersten Erlebnis im TBONTB aus Mortadella mit Brot bestand, eingeleitet wird.

© Münzenberg Medien, Foto: Stefan PribnowDie Vorspeisen, die auf einem Holzbrett serviert werden, sind Sushi del Chianti (ein mit einem pochierten Wachtelei und einer Orangen-Kapern-Gremolata servierter Tartar, gewürzt nach Art des Küchenchefs), Tonno del Chianti (einem Schweinefleisch aus der Haxe, das einen Tag lang bei niedrigen Temperaturen gekocht wurde und mit Baby-Spinatsalat an Himbeerdressing und Walnüssen serviert wird und dabei wie Thunfisch aussieht), Cosimino (zwei Scheiben mit gegrillten, mediterranen Gemüse sowie einem scharfen Birne-Pflaumen-Chutney) und Arista in Porchetta (mit knackiger Kruste, serviert mit Focaccia, Sellerie-Remoulade, Rucola und karamellisiertem Apfel). Weil wir Accoglienza für zwei Personen wählen, erhalten wir von allem etwas.

Zum Nachtisch, das sei angemerkt, gab es leckere Creme Brulee.

Als Wein lassen wir uns an diesem hochsommerlichen Abend in Berlin-Schöneberg einen 2008er Rotwein, einen Chianti Classico mit 95 Prozent Sangiovese und 5 Prozent Camaiolo nero, 14% Vol.Alc., aus Gaiole in Chianti, abgefüllt in Castello di Lucignano, munden.

Prost Mahlzeit und Be-in im To Beef or not to Beef.

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To Beef or not to Beef
, Akazienstraße 3, 10823 Berlin, Telefon: 030 5499047, Website: http://tobeefornottobeef.de, Email: info@tobeefornottobeef.de, im von uns Fratzebuch genannte Facebook: https://www.facebook.com/beefornottobeef?fref=ts

Öffnungszeiten: täglich von 18 Uhr bis Mitternacht

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