Aufholjäger mit angezogener Euphoriebremse – Hertha BSC Berlin wieder torlos, sieglos und – hoffnungslos?

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Ein Satz, der nichts Gutes bedeuten kann, berücksichtigt man auch noch Friedrichs Blick in diesem Augenblick. Der ging zwar in Richtung der Mikrophone, nach Vorne, aber irgendwie auch ins Leere.
Feste Überzeugung hat eine andere Körpersprache.

Man kann die Sache drehen und wenden wie man will: So wird die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel die Klasse nicht halten können.
Denn "Aufholjäger", wie sich Fans und Mannschaft neuerdings auf die gemeinsamen Fahnen geschrieben haben, stellt man sich irgendwie anders vor.
Man denkt bei diesem Wort an Spieler, die in jeden Zweikampf mit Vehemenz einsteigen, jedem verlorenen Ball nachjagen. Denn viele Bälle gingen gegen die Bochumer verloren. Und es wurde im Verlauf des Spiels nicht wirklich besser.
Man denkt an Spieler, die sich nach dem Spiel bei ihren Fans bedanken. Dafür, dass sie trotz mäßiger Leistungen auf dem Platz wieder viel Geld ausgegeben  und sich obendrein auch noch den AXXXX abgefroren haben. Nach dem Bochum-Spiel waren es lediglich Arne Friedrich und Levan Kobiashvili, die ihrem Anhang diesen Respekt gewährten. Sieht so eine verschworene Gemeinschaft aus? Wohl eher nicht!

Man denkt aber auch an Fans, die ihre persönlichen Abneigungen hinten anstellen, und nicht die eigenen Spieler auspfeifen. Wie wieder mal geschehen bei Artur Wichniareks Einwechslung. Kontraproduktiv.

Nein, es sieht düster aus für die Berliner, denn die Ausstrahlung der Mannschaft ist nicht von bedingungsloser Leidenschaft geprägt. Wenn alles normal läuft, ist für Hertha trotz immerhin mittelmäßiger Leistung in den letzten Spielen, die Weiche in Richtung zweite Liga gestellt. Es sei denn, eines der ähnlich dilettierenden, konkurrierenden Teams wie etwa Hannover oder Nürnberg bleiben so schlecht wie zur Zeit. Darauf kann man sich aber nicht verlassen.
 
Es ist gar nicht mal so sehr, dass die an sinnvollen Punkten durchaus vielversprechend verstärkte Hertha-Elf nicht will. Aber es reicht nicht gegen Mannschaften wie den VfL Bochum, die zwar aus den letzten Auswärtsspielen einige Punkte gewinnen konnten, die aber in ihrer Spielanlage gegen die Berliner ihre limitierten Fähigkeiten offenbarten. Das war ordentlich gearbeiteter, technisch mäßiger Auswärtsfussball seitens der Gäste, mehr aber auch nicht. Dennoch gelang es den Berlinern nur während ganzer fünf(!) starker Minuten das Gästetor so unter Druck zu setzen, wie man sich das über die gesamte Spielzeit gewünscht hätte. Tut mir leid, aber das söldnerhafte der Mannschaft scheint mir kein leerer Verdacht zu sein. Was passiert denn, wenn Drobny vielleicht schon bald nach Stuttgart wechselt? Brechen dann die mühsam gehaltenen Dämme?

Hertha BSC steht mit dem Rücken zur Wand, das kann jeder sehen der einen  Blick auf die Tabelle wirft. Gegen drei eher "schwache" Gegner, hat es immerhin zu fünf Punkten gereicht, und das ohne Gegentor. Unter "normalen" Umständen wäre eine solche Ausbeute in Ordnung, aber nach der mehr als katastrophalen Hinrunde ist das eben nicht genug.

Wenn in der Rückrunde jedes Spiel ein Endspiel sein soll, dann wurden zwei schon mal nicht gewonnen. Hinzu werden Niederlagen gegen stärkere Teams folgen, was ganz normal ist, aber die Blockade in den Köpfen wird dann wieder den klaren Blick erschweren. Allein die drei letzten Gegner Schalke, Leverkusen und Bayern machen es notwendig, dass man sich vor diesen Spielen einen Vorsprung vor dem direkten Umfeld erarbeitet.

Aber wie soll das gehen? Vielleicht schon am nächsten Freitag, beim Auswärtsspiel in Bremen? Es wäre der Hauptstadt und seinem fußballerischen Aushängeschild Hertha BSC zu wünschen, allein, der Glaube daran fehlt allmählich.

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