Als Ali in unser Wohnzimmer flimmerte – Annotation zum „Ali“-Buch von Jonathan Eig

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Ali von Jonathan Eig.
Ali von Jonathan Eig. © DVA

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Ich erinnere mich daran, als ob es gestern gewesen war. Ich stand gegen 9 Uhr auf, um meinen Vater mit zerzaustem Haar am Frühstückstisch anzutreffen. Seine Augen leuchteten, er setzte mit seinen Fäusten imaginäre Treffer in die Luft. Was war geschehen? Er hatte in der Nacht mal wieder einen Boxkampf von Muhammad Ali, kurz Ali, gesehen.

In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunders ging es vielen Männern wie meinem Vater. Sie waren beeindruckt von einem monumentalen Boxer, der die Menschen mit seinem unnachahmlichen Kampfstil in seinen Bann zog und von 1960 bis 1971 jeden Kampf gewann. Ali, der 1942 in Louisville, im US-Staat Kentucky als Cassius Marcellus Clay Jr. geboren wurde, war der einzig wahre Schwergewichtsweltmeister. Zudem war er mit einer klaren politischen Botschaft unterwegs: Er war gegen den Krieg der USA in Vietnam. Dafür seinen Titel abgeben zu müssen und ins Gefängnis zu gehen, das beeindruckte zusätzlich.

Kein Wunder, dass Ali in der ganzen Welt kultisch verehrt wurde.

Dass es auch einen privaten, einen menschlichen Ali gab, erzählt die gnadenlos wissende Biografie von Eig auch. Denn auch die sogenannten schlechten Eigenschaften machen ein Leben aus, die Widersprüche, die Ungereimtheiten, von denen jeder von uns geplagt wird.

Eigs Buch ist eine vielschichtige Liebes- und Lebenserklärung Alis. Eig holt Ali vom Denkmal runter und gibt ihm seine menschlichen Züge zurück, auch wenn das manchmal wehtut. Ein Muss für jeden Boxfreund.

Bibliographische Angaben

Jonathan Eig, Ali, Ein Leben, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, Format: 15,0 x 22,7 cm, 35 Fotos s/w, 704 Seiten, Übersetzer: Werner Roller, Deutsche Verlags-Anstalt, 1. Auflage, München 2018, ISBN: 3-421-04689-5, Preise: 32 EUR (DD), 32,90 EUR (A) und 43,90 sFr

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