Alba Berlin kämpft sich auch gegen Montepaschhi Siena heran – Die Albatrosse finden aber nicht den Schlüssel zum Last-Minute-Sieg

Und Alba-Center Yassin Idbihi offenbarte fast wortgleich seine Gefühlslage: „Das ist schon bitter, wenn man sich so zurückkämpft und dann am Ende doch nicht belohnt wird…zumal der Sieg die Chancen auf Platz drei in der Vorrunde und zum Weiterkommen in die Play-off-Runde gefestigt hätte.“

Die Enttäuschung resultierte nicht nur aus dem Geschehen auf heimischem Parkett. Die Albatrosse hatten das Hinspiel unerwartet mit zehn Punkten Vorsprung für sich entschieden und so für ein Ausrufezeichen gesorgt. Eine Mannschaft der Bundesliga, die ihre Dominanz früherer Jahr an Bamberg verloren hat, bezwingt auswärts den Serienmeister Italiens? – Der Papierform nach kaum denkbar.

Doch Siena, nach allgemein finanziellen Engpässen im Profisport des Landes, hatte neun Akteure neu holen müssen. Da funktionierte zunächst im Zusammenspiel wenig. Dass es danach besser geworden war, unterstrichen Erfolge über die Gruppengegner Chalon (Frankreich) und Gdynia (Polen). Dank des Sieges über Alba befindet sich Montepaschi nach den Spitzenteams Maccabi Tel Aviv und Malaga nun auf Kurs Einzug in die 16-er K.O.-Runde.

Da Berlin eine Woche zuvor auf ähnliche Art und Weise gegen Maccabi der Sieg entglitten war, die Frage, was der Mannschaft eventuell fehle, um die Kastanien – sprich den Sieg – aus dem Feuer holen zu können?- Nationalspieler Idbihi: "Eigentlich sehe ich keine Defizite, denn wir haben alles gegeben. Andererseits muss man akzeptieren, dass Siena eine Topmannschaft hat. Gute Schützen von außen und von der Freiwurflinie, schnelle Leute in der Verteidigung…vielleicht haben wir wie gegen Maccabi zu spät richtig hart verteidigt."

Anfangs stand Alba in der Defense gegen die bekannt starken Dreierschützen Sienas (gegen Alba 11 von 20 = 55 Prozent!) weit draußen und eng am Gegner. Der nutzte das – fast ohne Blockhilfen – mit schnellen Beinen zu 1:1-Aktionen zum Alba-Korb. Als die Berliner die Türen dazu verengten, kam Siena zu seinen freien Dreierwürfen. Hatte man Ex-Albatros und NBA-Interimsprofi Bobby Brown in Italien noch unter zehn Zählern halten können, schwang sich der US-Guard nun mit 21 zum Topscorer des Abends auf.

Dank der Dreierqualität und weniger Ballverlusten glich Siena Albas Kampfkraft (teilweise knüppelharte Defense in der Aufholphase), Stärke unterm Korb dank Thompson (20 Punkte) und bessere Reboundbilanz (35:22) aus. 73:73 hieß es in der 38. Minute und 30 Sekunden vor Abpfiff schaffte der Gast, sauber herausgespielt, die Zwei-Punkte-Führung. 15 Sekunden verblieben den Berlinern, um den Sieg nach Hause zu bringen oder zumindest die Verlängerung zu erreichen. Doch die Optionen für den Last-minute-Erfolg – Heiko Schaffartzik, Dashaun Wood oder Deon Thompson – wurden von Siena aufmerksam und clever zugestellt.

"Da waren wir nicht besonnen genug", erklärte Chefcoach Obradovic. Während er lediglich acht Spielern bei Einsätzen vertraute, verteilten sich die Anforderungen bei Montepaschi auf elf Akteure des deutlich tiefer besetzten Kaders.

Vorbei ist vorbei, meinte Berlins Bankchef: "Es kommt das nächste Spiel und da erwarte ich die richtige Reaktion der Mannschaft."

Das wären in der Bundesliga am Sonntag die Frankfurt Skyliners. Und nächste Woche in der Euro League das Gastspiel beim Champion Frankreichs. "Das wird das Schlüsselspiel im Kampf um Rang vier und zum Einzug in die Play-offs. Das wollen wir unbedingt gewinnen", erklärte der 2,08-m-Mann Idbihi.

Danach hat Alba in Europas Königs-Klasse noch die Heimpartien gegen Gdynia und Malaga sowie das Rückspiel in Israel. Solte der zweite Einzug in die 16-er Runde gelingen, wäre das erste Saisonziel erreicht. Zwei weitere heißen Anvisieren des Pokalsiegs (Gastgeber der Endrunde) sowie Sprung ins Meisterschafts-Halbfinale.

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