Alarmbereitschaft in Weißrussland – Militärübung im Westen, Grenzen zu Polen und Litauen geschlossen

Alexander Lukaschenko. Quelle: Belta.by, 2020-08-21

Minsk, Weißrussland (Weltexpress). Offensichtlich hat der Oberbefehlshaber der Weißrussischen Streitkräfte, die aus den Teilstreitkräften Heer und Luftwaffe bestehen, in Alarmbereitschaft versetzt. Militärischer Oberbefehlshaber ist Aljaksandr Ryhorawitsch Walfowitsch, Verteidigungsminister ist Viktar Henadsewitsch Chrenin. In mehreren Medien wird heute darauf hingewiesen, dass diese Männer mobil machen lassen.

Seit dem erneuten Wahlsieg von Alexander Lukaschenko (auch Aljaksandr Lukaschenka geschrieben) am 9. August 2020, dem sechsten in Folge, kommt es für den Langzeit-Präsident und Dauer-Oberbefehlshaber erstmals zu massiven Protesten. Seine Gegnern sprachen bereits am Tag der Wahl von Wahlbetrug, von massiven Wahlfälschungen. Lukaschenko beruft sich auf über 80 Prozent Zustimmung und will seine sechste Amtszeit antreten. Seitdem kommt es in Weißrussland permanent zu Protesten.

In der „Welt“ (18.9.2020) wird unter der Überschrift „Weißrussland will Grenzen nach Westen schließen – Armee in Alarmbereitschaft“ mitgeteilt: „Mitten im Machtkampf in Weißrussland hat Staatschef Alexander Lukaschenko die Westgrenze zu den EU-Ländern Litauen und Polen geschlossen. Das sagte er am Donnerstagabend der Staatsagentur Belta zufolge in Minsk. Zudem sei der Grenzschutz in Richtung Ukraine verstärkt worden. „Wir sind gezwungen, Truppen von den Straßen abzuziehen, die Armee in Alarmbereitschaft zu versetzen und die Staatsgrenzen nach Westen zu schließen, hauptsächlich die nach Litauen und Polen“, meinte der 66-Jährige.“

In „Sputnik“ (17.9.2020) wurde das am Abend zuvor berichtet. Unter dem Titel „Weißrussland macht Grenze zu Litauen und Polen dicht“ wird mitgeteilt, was Lukaschenko sonst noch so sagt: „‚In den letzten Tagen musste ich mich zusammen mit dem russischen Präsidenten und dem Verteidigungsminister um den Aufbau einer gemeinsamen Verteidigung des Unionsstaates bemühen, und wir haben die längst vergessenen Militärübungen, die heute im Westen unseres Landes stattfinden, aktiviert. Wir haben beschlossen, diese Übungen im Zusammenhang mit der akuten Situation in zwei Etappen durchzuführen‘, so Lukaschenko weiter.“

Diese Übung wird also nicht am folgenden Freitag beendet sein. Noch ist das Ende der Übung, des Truppenaufmarsches und der Alarmbereitschaft ungewiss.

Nicht nur in drei deutschen Staaten wird gerne vergessen, dass Weißrussland zur Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) gehört. Wer Weißrussland angreift, der greift Russland an. So und nicht anders wird das in Moskau gesehen. Wer die Geschichte der Weißrussischen Streitkräfte kennt, die 1992 aus den Truppen des Weißrussischen Militärbezirks der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken gebildet wurde, der weiß auch, dass damals 70 Prozent der Offiziere Russen oder Ukrainer waren. Noch immer sind die Streitkräfte in Weißrussland eine Mischung aus weißrussisch und russisch.

Im Angriffsfall übernehmen Russen die Führung der Operationen auf dem Boden, während die Operationen in der Luft von Weißrussen übernommen wird. Die Führung sitzt übrigens im von „roten“ Russen beziehungsweise Rotarmisten eroberten und immer noch von Russen besetzten Königsberg (heute Kaliningrad). Der Rest des alten Preußens, das ebenfalls von Rotarmisten erobert wurde, wird vor allem von Polen besetzt.

Kein Wunder also, dass immer dann, wenn es ernst wird, die politische und militärische Führungin Minsk mit der in Moskau spricht. Lukaschenko war Anfang der Woche in Sotschi am Schwarzen Meer, Russische Föderation, und sprach dort mit Wladimir Putin, der Minsk offensichtlich volle Unterstützung zusicherte, zudem nicht nur Millionen Rubel, sondern Milliarden. Das sind auch in Euro immer noch weit über eine Milliarde. Das zusätzliche Geld wird für dringende Aufgaben und Ausgaben reichen, auch für die Abwehr von Sanktionen der BRD und anderer in der Organisation EU vertraglich gebundener Staaten, beziehungsweise dem Ausbügeln der Folgen dieser Sanktionen. Für die Streitkräfte und lange Übungen reicht das Geld schon jetzt auf diesem Stand. Gut möglich, dass Weißrussland angesichts der Bedrohung aus dem Westen und Nordwesten künftig verstärkt aufrüsten wird.

Auch ein Beitritt Weißrusslands zur Russischen Föderation ist längst wieder in den Rahmen des Möglichen gerückt, auch wenn Lukaschenko genau das nie und nimmer wollte. Doch wer ihm die Pistole auf die Brust setzt, der sollte wissen, das ihm das Hemd näher sitzt als der Rock.

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