Berlin, BRD (Weltexpress). Aua, Aue! Die Erzgebirgler stiegen nach 17 Jahren im ununterbrochenen Profifußball in die viertklassige Regionalliga ab. Dort treffen die Auer auf acht alte Bekannte aus DDR-Oberliga-Zeiten. Falls Lok Leipzig doch noch aufsteigt, sind es sieben. Die Wege zu den Auswärtsspielen verringern sich merklich. Nach Zwickau oder Chemnitz könnten die Erzgebirgler mit dem Moped zu den Spielen brummen. So kurz sind die Wege.
Mit Erzgebirge Aue steigt ein echter Traditionsklub in die vierte Liga ab. Bleibt uns nur die Hoffnung, dass es für die einstige Wismut bald wieder nach oben geht. Über Traditionen kann der 1946 gegründete Verein nicht klagen. Schon ab 1951 spielten die Auer 40 Jahre als Wismut Aue, Wismut Karl-Marx-Stadt in der DDR-Oberliga. Nach 13 Jahre in der Regionalliga folgten 23 Jahre Profi-Fußball in der 2. und 3.Liga. Jetzt heißt es für Aue und die Fans Zähne zusammenbeißen und eine Bewährungsprobe in der Regionalliga gut zu überstehen, um dann doch wieder nach oben zu klettern.
An Traditionen mangelt es den Sachsen nicht. Armin Günter, die Wolf-Brüder Karl und Siegfried, Willi Tröger, Harald Mothes oder die Torwart-Legenden Klaus Thiele und später auch Bringfried Müller gaben den Erzgebirgler ebenso ein Gesicht wie Nationaltorwart Jörg Weißflog oder Langzeit-Keeper Martin Männel. Die Auer brillierten nicht nur im Vereins-Fußball als mehrmaliger DDR-Meister und Teilnehmer in den europäischen Fußball-Wettbewerben. Auer Spieler gehörten neben den Torstehern auch zu den DDR-Nationalmannschaften.
Erzählt wird im Erzgebirge immer noch die Geschichte von Willy Tröger. Der Torjäger weilte beim 3:2-Sieg gegen Rumänien mit der DDR-Nationalmannschaft in Bukarest. Nach dem Spiel besuchte die Mannschaft ein Restaurant zum Abendessen. Willy Tröger, der im 2. Weltkrieg eine Hand verloren hatte, steckte sich beim Eintritt in das Restaurant den Armstumpf in den Mund. Frauen im Restaurant sollen daraufhin gekreischt haben und der Ohnmacht nahe gewesen sein. Die Wolfbrüder und Willi Tröger, alle Giganten des jungen DDR-Fußballs, sind inzwischen leider verstorben.
Schon wegen des bemerkenswerten Vermächtnises des Auer Fußballs dürfte ein Wiederaufstieg in den Profifußball kein unerfüllbarer Wunschtraum bleiben.
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