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Der andere Leo – Papst lässt 80 während des spanischen Bürgerkrieges von 1936 bis 1939 ums Leben gekommene Katholiken als Märtyrer selig sprechen

Franco
Franco mit Pferd als Statue in Valencia. Quelle: Wikipedia, Joanbanjo

Berlin, BRD (Weltexpress). Während im Mittelpunkt der Öffentlichkeit die erste Enzyklika Papst Leo XIV. «Magnifica Humanitas» (Die großartige Menschheit), die am Ostermontag vorgestellt wurde, stand, ist durchweg untergegangen, dass der Papst vorher den Dekreten zustimmte, 80 während des spanischen Bürgerkrieges zwischen 1936 und 1939 ums Leben gekommene Katholiken als Märtyrer selig zu sprechen. Hier wie anderswo folgte er dem Beispiel des deutschen Ratzingerpapstes Bendikt XVI., der am 28. Oktober 2007 auf einmal gleich 498 der Kreuzritter Francos selig gesprochen hatte.

Rufen wir uns in Erinnerung, was 1936 bis 1939 im Namen des „christlichen Glaubens“ in Spanien geschah. Am 16. Februar 1936 errang die Volksfront aus Kommunisten, Sozialisten, der Gewerkschaft Union General del Trabajo und Linksrepublikanern bei den Corteswahlen einen überwältigenden Sieg. Sie belegte 278 der insgesamt 473 Sitze. Ihre Regierung unter dem republikanischen Schriftsteller Azaña y Díaz (ab Mai Präsident) leitete bürgerlich-demokratische Reformen ein, garantierte die Autonomie in Katalonien und in Euskal Herria (Baskenland). Am 17. Juli 1936 putschte General Sanjurjo von der Kolonie Spanisch Marokko aus gegen die rechtmäßig gewählte Regierung. Nachdem er mit einem Flugzeug abgestürzt war, riss Francisco Franco die Führung an sich. Die ersten Opfer des Mordterrors waren loyale Offiziere, vor allem der Luftwaffe, die sich widersetzten. Sie wurden „von den Meuterern kurzerhand erschossen. Darunter die Generäle Batet, Molero, Nuñez de Prado, Romerales, Admiral Azarola“.1

Der klerikalfaschistische Staatsstreich brach auf dem Festland in den meisten Garnisonsstädten am Widerstand der Volkskräfte zusammen. Sein Scheitern wurde durch die sofortige bewaffnete Intervention Hitlerdeutschlands und Mussoliniitaliens verhindert. Mit 20 Militärtransportern Ju 52 der Luftwaffe Görings wurden als erstes 15.000 Mann Elitetruppen der Putschisten von Marokko nach Cadiz eingeflogen. Die sofortige Unterstützung zeigte, dass die Putschisten sich bereits vor Beginn mit Berlin und Rom abgesprochen hatten. Als nächstes schickte Hitler eine 45.000 Mann starke „Legion Condor“ nach Spanien. Mussolini entsandte ein Interventionskorps, das auf 120.000 bis 150.000 Soldaten anwuchs. Franco, der sich am 29. September zum Chef des „Nationalen Spanien“ ausrief, wurde unmittelbar danach von Deutschland und Italien als „Chef der einzigen legitimen Regierung Spaniens“ anerkannt. Pius XI., den Franco als Ersten über seinen Staatsstreich informiert hatte, wandte sich zur Unterstützung der Putschisten an die Weltöffentlichkeit und arbeitete mit Mussolini und Hitler zusammen.2 Die spanische Jesuitenzeitschrift „Civiltà Cattolica“schrieb, in dem faschistischen Putsch habe sich „eine hundertmal gesegnete und ruhmreiche Haltung“ gezeigt.3Aktivunterstützte das klerikalfaschistische Opus Dei (Werk Gottes) das Franco-Regime. Acht seiner Mitglieder traten in die Regierung des „Caudillo“ ein. So wurde die katholische Kirche zu einer seiner wichtigsten Stützen. Der sie beherrschende Klerus jubelte dem Caudillo zu und begrüße ich mit dem „Führergruß“ Hitlers und Mussolinis.

Die Francofaschisten und ihre deutschen und italienischen Helfershelfer begannen eine erbarmungslose Menschenjagd. Loyale Republikaner wurden massenweise gequält, verstümmelt, ermordet. „Die Methoden der Mordkommandos sind bestialisch“, schrieb der Kämpfer der Internationalen Brigaden Fritz Teppich. Der Weg der Franco-Truppen „ist von Massenmorden gezeichnet. In Badajoz, nicht weit von der portugiesischen Grenze, ließ der Kommandeur der marokkanischen Truppen, General Yagüe, einer der Schlächter von Asturien, niedermetzeln, was seinen Söldnern vor die Gewehre kam. Alle Republikaner, derer sie dabei habhaft werden konnten, wurden in die Stierkampfarena getrieben und dort mit Maschinengewehren zusammengeschossen.“

Georges Bernanos, französischer Schriftsteller und gläubiger Katholik, berichtete: In der kleinen Stadt Manacor auf Mallorca waren zweihundert Einwohner, „die den Italienern verdächtig waren, mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt und schubweise auf den Friedhof gebracht worden, wo man sie mit Kopfschüssen niederstreckte und ein Stück weiter auf einem Haufen verbrannte.“ Der Erzbischof hatte dazu einen „Geistlichen gesandt, der, mit den Schuhen im Blute watend, jeweils zwischen zwei Salven Absolution erteilte“. Andere werden mit Lastwagen zu einem einsamen Feldweg gefahren. „Sie steigen ab, stellen sich in Linie auf, küssen eine Medaille oder auch nur den Nagel des Daumens. Peng! Peng! Peng! – Die Leichen werden an den Rand der Böschung geschleift, wo sie der Totengräber am nächsten Morgen findet, mit zerschmettertem Schädel, im Nacken ein hässlicher Klumpen schwarzen geronnenen Blutes.“4

Der Bischof der baskischen Stadt Vitoria billigte den Putsch bereits kurz nach seinem Ausbruch in einer „Pastoralen Unterweisung“.5 Der frühere Zögling der „Sacerdotes de Corde Jesu“ (Herz Jesu-Priester), Dr. Hans Peter Brenner, hat eine ausführliche Studie „Vatikan: Komplize bei Francos und Hitlers Morden“ verfasst.6 Er hat dazu kaum bekannte Quellen erschlossen, u. a. ein 1939 im „Vita Nova Verlag“ in Luzern erschienenes Büchlein des baskischen katholischen Priesters Inaki de Aberrigoyen „Sieben Tage und sieben Monate in Franco-Spanien“. Der Autor schildert darin, wie der Klerus zum Komplizen des Terrors wurde und die Massenmorde an katholischen Priestern und ihren Gläubigen absegnete. Im Vorwort schrieb der Publizist Maximilian Helffert, der sich einen zunächst konservativen Katholiken nannte, wie er erst nachdenklich wurde, als der Klerus an der Seite der Putschisten die Behauptung „von der Bolschewisierung Spaniens“ aufstellte, was durch die Politik der Volksfrontregierung eindeutig widerlegt wurde. Zunächst glaubte Helffert, dass Franco dem entgegentrete. Er musste jedoch die für ihn als Katholiken „grausame Erkenntnis“ machen, dass, „die Hierarchie dazu (zum Mordterror „von Kreuzrittern Christi“) schweigt“ und sich „auf die Seite der Henker“ stellte.“7

Als Aberrigoyen. im September 1936 wegen seiner seelsorgerischen Tätigkeit in der baskischen „Arbeitersolidarität“, die keinerlei politische Ziele verfolgte, eingekerkert wurde, erlebte er am eigenen Leib Gefängnis, Folter und massenweise Hinrichtungen. Sowohl die zuständigen Generalvikariate als auch der Erzbischof von Pamlona erhoben dagegen keine Einwände. Aberrigoyen legte dar, wie Francos Truppen im Baskenland auf Volksfrontanhänger wie auf Geistliche, die sich nicht sofort dem Putsch anschlossen, unter Kruzifixen und Marienbildern eine gnadenlose Jagd begannen. „Das Gefängnis von Ondarrta und das Asyl des Heiligen Josef in San Sebastian, das in ein Gefängnis verwandelt worden war, beherbergte mehr als vierzig Priester. (…) Die Verfolgung war allgemein. Es gab kaum ein Dorf, wo man nicht auf einen oder mehrere Priester Jagd gemacht hatte. Hunderte von Ordensleuten – Jesuiten, Kapuziner, christliche Schulbrüder – verließen ihre Klöster, um nach Amerika zu fliehen. Man nahm keine Rücksicht, weder auf Alter noch auf Krankheit und nicht auf ganz offenkundige Unschuld. Ich kann die Angst, die diese Verfolgung unter uns auslöste, gar nicht beschreiben.“ Das sei „ganz offen vor den Augen der spanischen Hierarchie (erfolgt), die nicht einen einzigen öffentlichen Protest einlegte.“8 Der Autor legte dar, dass die Volksfront-Regierung die Kirche nicht antastete, es erst nach den barbarischen Massakern an ihren Anhängern, an denen sich die Geistlichkeit beteiligte, zu Übergriffen kam.

Fast eine Million Menschen fiel dem von der klerikalfaschistischen Reaktion entfesselten Bürgerkrieg zum Opfer. Noch nie hat sich die Kurie zu ihrer Schuld an diesen Verbrechen bekannt. Noch nie wurde einer der unzähligen von den Faschisten ermordeten Geistlichen selig oder heilig gesprochen.

Während nach dem Einmarsch der Francofaschisten mit italienischen Verbänden am 28. März 1939 in Spanien die Mordkommandos wüteten, schickte Pius XII., der am 2. März 1939 sein Pontifikat angetreten hatte, Franco eine Botschaft, in der es hieß: „Die von Gott als wichtigster Diener der Evangelisation der Neuen Welt und als uneinnehmbares Bollwerk des katholischen Glaubens auserwählte Nation hat soeben den Anhängern des materialistischen Atheismus unseres Jahrhunderts den erhabensten Beweis dafür geliefert, dass über allen Dingen die ewigen Werte der Religion und des Geistes stehen.“ Ein weiteres Glückwunschtelegramm erhielt Hitler, dem der Papst „mit besten Wünschen den Segen des Himmels und des allmächtigen Gottes“ übermittelte.9

Anmerkungen:

1 Fritz Teppich/Tom Fecht: Spaniens Himmel, Volksfront und Internationale Brigaden gegen den Faschismus, Berlin 1996, S. 49 ff.

2 Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn, Stuttgart 1962, S. 584.

3 Ausgabe vom 2. Jan. 1937.

4 Georges Bernanos: Die großen Friedhöfe unter dem Mond. Mallorca und der spanische Bürgerkrieg, o. J. 1938.

5 Deschner, S. 582 f.

6 Brenner war längere Zeit Mitglied des Parteivorstands der DKP, u. a. Mitherausgeber der Zeitschrift „Marxistische Blätter“.

7 Maximilian Helffert: Vorwort zu Aberrigoyen, S. II f.

8 Aberrigoyen, S. 63.

9 „Heil Hitler und Amen. Kirche während des Faschismus“. Broschüre „Gegeninformation“, 6. Sept. 2005.

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