
Berlin, Deutschland (Weltexpress). Sollte ich der Einzige sein, der sich gegen die Aufstellung eines Denkmals in Berlin für polnische Opfer stellt? Auch die vielen anderen Leserbriefe sehen über die Vorgeschichte zum Zweiten Weltkrieg hinweg und unterschlagen gleichzeitig die polnischen Verbrechen seit 1945. Es geht mir nicht darum, deutsche Verbrechen in und an Polen zu verharmlosen; sie sind in der Tat geschehen. Aber wie der polnische Literaturhistoriker Jan Jozef Lipski in seinen „Essays zur deutsch-polnischen Nachbarschaft“ mit dem wegweisenden Titel „Wir müssen uns alles sagen“ schrieb: „Liebe zu allem, was polnisch ist, das ist eine oft wiederholte Formel der nationalen, ‚patriotischen‘ Stupidität. Denn ‚Polnisch‘ waren doch auch die ONR und die Pogrome in Lemberg, Przytyk und Kielce, das ‚Bänkeghetto‘ und die ‚Befriedung‘ ukrainischer Dörfer, Polnisch waren Brest, Bereza und das Lager in Jablonna 1920 (S. 187)“.
Und ich füge hinzu, polnisch war auch die Unterdrückung der deutschen Minderheit nach 1919 sowie „Eine gewaltige Hetze gegen die Bürger deutscher Nationalität im letzten Jahr vor Kriegsausbruch“ (Wlodzimierz Jastrzebski (Die deutsche Minderheit in Polen im September 1939“ S. 174). Diese mündete in den „Bromberger Blutsonntag“ mit über 5 000 Toten.
Das alles entschuldigt deutsche Untaten nicht, aber nach der brutalen Vertreibung der gesamten Bevölkerung aus den deutschen Provinzen Ostpreußen, Pommern und Schlesien sowie deren Annexion, gibt es keinen Anspruch auf ein polnisches Denkmal in Berlin. Und das sage ich bewußt als jemand, der am 25. Juni 1945 als Elfjähriger mit meiner Mutter und den anderen Frauen und Kindern – Männer gab es außer ein paar alten und kranken nicht – aus dem kleinen Dorf Eichelshagen im pommerschen Kreis Pyritz brutal wie Vieh vertrieben wurde. Es war ein dreitägiger Hungermarsch bis Fiddichow an der Oder. Dort wurden wir dann noch unserer letzten Habseligkeiten beraubt und über die Oder gejagt. Sowjetische Soldaten erschienen uns dort wie Engel.






