Simon Schempp in Superform – Der Schwarzwälder gewinnt nach dem Sprint auch die Verfolgung beim Biathlon-Weltcup

0
154
Simon Schempp © Manzoni/NordicFocus, 2015
Antholz, Südtirol, Italien (Weltexpress). Simon Schempp ist der Mann der Stunde im Biathlon-Weltcup-Zirkus – der Schwarzwälder mit Trainingsstandort Ruhpolding feierte am Samstag einen triumphalen Erfolg in der Verfolgung über 12,5 km. Es war für den 26-Jährigen die Wiederholung des Doppelerfolges vom Vorjahr, denn er hatte schon am Donnerstag im Sprint über 10 km die Nase vorn gehabt.

Schempp ist der erste Skijäger, der beim Biathlon-Klassiker in Südtirol dieses Doppel-Kunststück im nächsten Jahr vollbrachte. Da er zuvor in Ruhpolding beim Massenstart siegte, verbuchte er nun drei Weltcup-Erfolge – den fünften insgesamt – am Stück. In der Saisonwertung rutschte er hinter dem Überflieger Martin Fourcade auf die zweite Position vor.

Schempp setzte sich in einem begeisternden Finale in einem Verfolgungswettbewerb der Superlative auf der Zielgeraden gegen drei Kontrahenten hauch dünn vor dem Österreicher Simon Eder (1 Fehler) und dem Russen Jewgeni Garanitschew (1 Fehler) und der 40-jährigen Biathlon-Legende Ole Einar Bjoerndalen (0) durch. Obwohl er sich zwei, für ihn ungewöhnliche Schießfehler leistete. Doch hatte er nach dem Sprint vor diesen Gegnern ein Polster von 14 bis 43 Sekunden.

Die Führung büßte er nach dem ersten Schießen knapp ein, blieb aber in einem Führungs-Quartett. Da machte sich Garanitschew, einer der Kleinsten im Felde und zuvor Sprint-Zweiter, um das Tempo verdient. Die ersten Vier im Ziel absolvierten allesamt das letzte Stehendschießen fehlerfrei und auf der Schlussrunde war vor allem Garanitschew um das Tempo bemüht. Den Antritten des clever taktierenden Deutschen und des Österreichers, von Position acht mit 36 s Rückstand gestartet, war der Olympiadritte 2014 im Einzelrennen dann auf der Zielgeraden nicht gewachsen.

„Der Rückstand nach dem ersten Schießen war nicht so groß. So wusste ich, dass noch alle Chancen auf den Sieg vorhanden waren“, erklärte Schempp. „Ein geiles Rennen“, sei es für ihn gewesen, „in dem alles super funktioniert und Spaß gemacht hat.“

Simon Schempp © Manzoni/NordicFocus, 2015Für ihn wird Antholz wohl der angenehmste Weltcup-Standort bleiben – noch vor Oberhof und Ruhpolding. Mit dieser Wertschätzung setzt er die Reihe prominenter deutscher Biathleten fort, die – von Ricco Groß, Sven Fischer über Uschi Disl und Magdalena Neuner – allesamt hier Erfolge gefeiert und immer besonders gern an den Start gegangen sind.

Für die bisherigen Saison-Stars waren die Abstände von 1:20 Minuten und mehr einfach zu groß. Fourcade schob sich noch von Rang 25 und 1:40 Minuten Rückstand mit null Fehlern in der Verfolgung auf den fünften Platz (- 32 s) vor.

Erik Lesser (6.), Arnd Peiffer (10.), Daniel Böhm (12.), Andreas Birnbacher (19.) untermauerten den über die Jahre gewachsenen Eindruck, dass die Deutschen hier besonders gern und besonders erfolgreich zu Werke gehen. Zumal die Zuschauerkulisse – diesmal rund 20 000 bei azurblauem Himmel mit winzigen Schönwetterwölkchen in der Ferne – hier gleichfalls traditionell von deutschen Fans dominiert wird.

Im Frauen-Pursuit über 10 km mit gleichfalls vier Schießprüfungen lieferte die Dreifach-Olympiaerste Darja Domratschewa eine Gala-Vorstellung. Den Abstand zum Feld weitete die Sprintgewinnerin nach einem Schießfehler auf 1:21 Minuten vor der überraschenden Russin Darja Wirolainen (0 Fehler/erster Podiumsrang) aus. Die Weltcup-Spitzenreiterin Kaisa Mäkäräinen (Finnland), Zweite des Sprints, fiel nach fünf Strafrunden zurück, schnappte aber nach einer fantastischen Schlussrunde Franziska Hildebrand (1 Fehler) noch Rang drei weg. Es wäre für die 27-jährige aus Halle/S., nun sportlich im Harz beheimatet, der erste Podestrang im Weltcup gewesen.

An die positiven Schießergebnisse beim Sprint konnte die junge deutsche Frauen-Crew nicht ganz anknüpfen. Franziska Preuß unterliefen beim Versuch, noch in die Nähe der Medaillenränge vorzulaufen, drei Fehler (9.). Die Sprintdritte Laura Dahlmeier  büsste ihre glänzende Ausgnagsposition früh mit zwei Strafrunden ein (13.). Gar sechs bzw. acht Strafrunden verwehrten Luise Kummer und Miriam Gössner (43.) im leistungsstarken 60-er Feld bessere Endränge.

Mit dem 22. Weltcupgewinn verkürzte Domratschewa, die Antholz nach dem goldenen Doppelschlag gleichfalls zu einem Lieblingsplatz erkoren hat, den Abstand zu Mäkäräinen in der Gesamtrechnung auf 40 Zähler.
Mit den Staffeln klingen die sportlich spannungsreichen Sonnentage am Sonntag in Südtirol aus.

Anzeige