„Mythos Atelier“: Von Spitzweg bis Picasso, von Giacometti bis Nauman – Große Landesausstellung Baden-Württemberg

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Eduard Manet zeichnete 1874 den Maler Monet in seinem Atelier. © Staatsgalerie Stuttgart EGL
Stuttgart (Weltexpress). Es ist eine mehr als sehr sehenswerte Ausstellung, eine Ausstellung, die mit sehr viel Liebe und Fleiß aus Kunsthäusern der Welt zusammen getragenen wurde. Ihr Titel: »Mythos Atelier« ist mit einer Ausstellungsfläche von ca. 2.500 qm eine der größten Sonderschauen in der Geschichte der Staatsgalerie Stuttgart.

Das Thema »Atelier« beschäftigt Künstler bis in die jüngste Gegenwart. Die Staatsgalerie widmet diesem spannenden Kapitel der Kunstgeschichte erstmals eine multimedial konzipierte Museumsschau. Die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Ina Conzen, und ihre Assistentin Dr.des. Dagmar Schmengler haben in einer über zweijährigen Vorbereitungszeit Leihgaben aus aller Welt zusammengetragen.

Dabei sind Ateliersituationen verschiedenster Art ausgehend vom 19. Jahrhundert bis heute von mehr als 70 Künstlern zu sehen. Die 185 Exponate, darunter 108 hochrangige Leihgaben aus international bedeutenden Museen und Sammlungen, sowie sammlungseigene Schlüsselwerke werden dem Besucher in einem weitläufigen Parcours von der Neuen über die Alte Staatsgalerie präsentiert. Eindrücklich wird vermittelt, wie das Atelier für die Künstler ein anschauliches Bild ihrer Ästhetik darstellt – sei es als gemaltes Programmbild, als inszenierte Fotografie oder, in jüngster Zeit, als Videoarbeit und raumgreifendes Environment, wie beispielsweise die begehbare Rekonstruktion des Ateliers von Piet Mondrian. »Mythos Atelier« bietet eine erkenntnis- wie abwechslungsreiche Beschäftigung mit der veränderten Selbstwahrnehmung der Künstler in der Moderne. Die Ausstellung wird vom Land Baden-Württemberg mit 500.000 Euro gefördert.

Da ist zunächst einmal eine Reise durch 200 Jahre Kunstgeschichte: Die Große Landesausstellung 2012 der Staatsgalerie Stuttgart würdigt erstmals in einer umfassenden Überblicksschau die Bedeutung des Künstlerateliers und seine Darstellung in der Moderne. In den verschiedenen Medien der Malerei, Fotografie, Videokunst und in raumgreifenden Installationen präsentiert die Ausstellung Werke von der Romantik bis zur Gegenwart in spannenden und oftmals unverhofften Dialogen. Mit der Atelierdarstellung als Ausgangspunkt der Selbstreflexion und Selbstdarstellung des Künstlers stellt die Ausstellung die Frage, wie die Kunst über sich selbst nachdenkt.

Da Künstleratelier hat vielfache Gesichter: Das Atelier im 19. Jahrhundert: Mönchsklause, Salon, Himmelszelt: Im frühen 19. Jahrhundert wird das Atelier als Ort künstlerischer Schöpfung zu einem zentralen Bildthema in der Kunst. In der Romantik als Raum der Konzentration auf innere Bildwelten für Maler wie Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus oder als Zufluchtsort gesellschaftlich geächteter Künstler im Umfeld des Impressionismus in Frédéric Bazilles „Atelier“. Auch als prunkvoller Repräsentationsraum von Malerfürsten wie Hans Makart erfährt das Künstleratelier im 19. Jahrhundert eine kultische Aufwertung.

Wie wäre es mit dem Atelier in der Moderne: Lebensthema und antibürgerliches Bekenntnis: Das Thema des Künstlerateliers findet seine wichtigste Ausprägung in der Klassischen Moderne. Zentrale Atelierbilder des frühen 20. Jahrhunderts wie das Gemälde „Atelier des Künstlers am Brandenburger Tor in Berlin“ (1902) von Max Liebermann leiten über zu Schlüsselwerken der Klassischen Moderne von Pablo Picasso, Henri Matisse, René Magritte, Ernst Ludwig Kirchner, Gabriele Münter, Giorgio de Chirico, Georges Braque, Max Beckmann u.a. Alberto Giacometti ist ein eigener Raum mit Fotografien, Skulpturen, Gemälden und originalen Atelierwandfragmenten gewidmet.Eine anschauliche Auseinandersetzung mit dem Thema Atelier bietet die originalgetreue Rekonstruktion des Ateliers von Piet Mondrian. Mondrian bewohnte den 32 qm großen Atelierraum in der Pariser Rue du Départ 26 in den Jahren von 1921 bis 1936. Sein streng verfolgter Konstruktivismus – bekannt durch seine Kompositionen mit Schwarz, Weiß und den Primärfarben – wird in seinem Atelier ein für den Besucher erlebbares und betretbares Bild.

Und da gibt es die Atelierdarstellung in der Gegenwart: Fabrik, Büro und soziales Netzwerk.
Seit den 1960er Jahren setzt erneut eine intensive und teils kritisch-ironische Beschäftigung mit dem Mythos des Künstlers und seines Ateliers ein. Bruce Nauman, Joseph Beuys, Dieter Roth, Paul McCarthy und Lois Renner erweitern die Atelierdarstellung mit Installationen, Videokunst und Computertechnik medial und inhaltlich in der Verknüpfung des Ateliers als Lebensraum, Labor und Bühne. Besonders kritisch und zur Parodie tendierend reflektieren den Mythos Atelier Paul McCarthy in der Videoarbeit „Painter“ (1995) und Jonathan Meese in der Videoinstallation „Der Märchenprinz“ (2007).Zu einer bedeutenden Arbeit der Ausstellung zählt die 7-Projektoren-Installation „Mapping the Studio“ (2001) von Bruce Nauman, eines der jüngsten Exponate ist das erstaunlich „unordentliche“ Atelierbild „Raum 758 aus der Serie ’Floß’, das Ben Willikens 2010 gemalt hat.

Diese sehr sehenswerte Ausstellung präsentiert zahlreiche Werke aus bekannten Museen und Sammlungen weltweit. So hat die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Ina Conzen, zahlreiche bedeutende Leihgeber aus dem In- und Ausland für die Ausstellung gewinnen können.
Neben den beiden zentralen Atelierbildern „Atelier mit Gipskopf“ (1925) und „Das Atelier“ (1927/28) von Picasso aus dem Museum of Modern Art, New York, reist ein seit Jahrzehnten nicht mehr in Europa präsentiertes Atelierbild von Henri Matisse, „Die Drei Uhr Sitzung“ (1924), aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art an. „Der arme Poet“ von Carl Spitzweg aus der Neuen Pinakothek München, das berühmte Gemälde „So lebt der Mensch (La condition humaine)“ (1933) von René Magritte aus der National Gallery in Washington zählen ebenso wie Picassos dunkle Variation „Las Meniñas“ (1957) aus dem Museu Picasso in Barcelona und das sechs Meter breite Triptychon „Atelier“ (1985) von Gerhard Richter aus der Berliner Nationalgalerie zu den herausragenden Leihgaben.

Die Fondation Alberto et Annette Giacometti in Paris entsendet wunderbare Fragmente der Atelierwände aus dem mythischen Pariser Atelier des Künstlers in die Stuttgarter Ausstellung.

Die Künstler Jeff Wall und Thomas Demand, begeistert von dem Thema der Ausstellung, stellen als artist’s proof ihre Werke „Picture for Women“ (1979) und „Scheune (Barn)“ (1997) zur Verfügung. Mit Edouard Manets Gemälde „Der Maler Monet in seinem Atelier“ (1874), dem großen Atelierbild von Picasso „Das offene Fenster (Das Atelier des Künstlers)“ aus dem Jahr 1929, den Holzfiguren „Adam und Eva“ (1921) von Ernst Ludwig Kirchner, die vor seinem Haus „In den Lärchen“ in Davos standen, den Skulpturen und Gemälden von Alberto Giacometti und der „BAR O“ (1979/98) von Dieter Roth präsentiert die Staatsgalerie Stuttgart wichtige eigene Werke aus ihrer Sammlung.

Der Katalog mit den Beiträgen von namhaften Autoren wie u.a. Uwe Fleckner (Universität Hamburg), Brigitte Léal (Centre Georges Pompidou), Véronique Wiesinger (Fondation Alberto et Annette Giacometti) und Eberhard W. Kornfeld (Bern) wird ein Standardwerk zu dem Thema der Atelierdarstellung werden.

Die Kuratorin: Dr. Ina Conzen wird assistiert von Dr.des. Dagmar Schmengler. Diese  Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann. Mit freundlicher Unterstützung von Daimler, Land Baden-Württemberg. Gefördert durch Art Mentor Foundation Lucerne, schweizer kulturstiftung pro helvetia, Boesner.

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