Keramik, Kirche und Kafeneio in Agiasos auf Lesbos

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© Mí¼nzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow, 2015
Agiasos, Lesbos, Griechenland (Weltexpress). Agiasos ist ein Städtchen mit rund 2.500 Einwohnern und liegt in den Bergen im Süden von Lesbos. Die Leute dort leben nicht vom Bergbau und also vom Raubbau an der Natur, die auf den ersten Blick intakt scheint, sie leben von der Natur, der Kultur und der Reisenden, denen sie ihre handwerkliche Kunst verkaufen.

Auf diese Hand- und Finderfertigkeiten, auf Souveniers und souveräne Handwerkskunst treffen Touristen beim Wandeln durch die Winkel und Gassen auch wer handeln kann, der kauft nicht nur teuren Nippes sondern günstig gute Keramik und vor allem leckeren Kaffee. Der Kaffee kostet wenig und der Eintritt in die Kirchen von Agiasos kostet keinen Eintritt. Damit sei gesagt, dass sich eine Reise weg von Wasser und Wellen hoch auf über 450 Meter ins Hinterland an die Hänge des Olympos auch für den Geldbeutel lohnt, wobei der Augen- und Gaumenschmaus nicht zu kurz kommt.

Die Hänge des 967 Meter hohen Kalksteinmassivs sind grün in vielen Farben und Agiasos, ein kleines künstlerisches wie religiöses Fleckchen am Nordhang, wirkt wie ein erdfarbener, blass-orangener Tupfer darin. Auf den Böden der vulkanischen Berglandschaft gedeiht die Vegetation und besonders gut Olivenbaum und Pinie. Rund um Agiasos wachsen auf den Hängen ebenso Kiefern, Kastanien und Maronen und besonders in den Schluchten Platanen, Walnüsse und Pappeln. Dass durch diese Wälder wieder Hirsche und Wildschweine schweifen, das ist schön und kein Wunder. Sie wurden dort Ende des letzten Jahrhunderts ausgewildert und wieder heimisch.

© Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow, 2015Wenn keine Touristen durch den Ort am Olymp schlendern, dann wirkt das Städtchen wie verlassen. Als tote Hose für Touristen gilt Agiasos keinesfalls. Vor allem im Hochsommer werden Klein- und Großbusladungen von Urlaubern, die eine Abkühlung und einen Ruhe- als Gegenpol zum Trubel am Meer suchen, angekarrt. Religiöse Feste und der Karneval bringen zusätzlichen Jubel. Die Kirchen- und Kultur-Karawane zieht durch die Gassen und Straßen. Der Rubel rollt.
Wer außerhalb der Hochzeiten und womöglich abseits in der üppigen Umgebung wandert, der sollte sich anschließend nicht auf direktem Weg in ein Kaffee im Ort begeben, sondern vorher unbedingt noch einen von mehreren Handwerksbetrieben aufsuchen. Korbflechter, Weber und Tischler zeigen gerne ihr Können. Töpfer- und Keramik-Werkstätten sind oft geöffnet wie auch die Wahlfahrtskirche mitten im Ort, die aufzusuchen die Kür der Pflicht ist. Andere Kirchen, Klöster und Kapellen, derer es viele zu geben scheint, lohnen ebenfalls einen Besuch, vor allem dann, wenn man sich länger in Agiasos aufhält.
© Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow, 2015In der Wallfahrtskirche Kimisis tis Theotokou samt angeschlossenem Museum aus dem neunten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung (nuZ) sind Marien-Ikonen, darunter eine berühmte Ikone aus dem vierten Jahrhundert nuZ, und andere Heiligenbilder sowie Gaben von Gläubigen zu bewundern. Zünden sie als Dank erst eine Kerze an.
Dann gehen sie einen Kaffee trinken und zwar einen echten griechischen Kaffee in einem der Kafeneio genannten Kaffeehäuser im neoklassizistischen Stil. Griechischer Kaffee ist mächtiger Mokka. Der starke Kaffee wird mit Kaffeepulver und weißem Zucker gemeinsam aufgekocht. Er wird auch so serviert und zwar in kleinen bunten Tassen aus Keramik. Am besten schmeckt er in der eigenen Tasse, die vorher in einer Keramik-Werkstatt gekauft wurde. Jamas.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Ole Bolle ist eine Erstveröffentlichung im WELTEXPRESS.

Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde von der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr, Frankfurt am Main, unterstützt.

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