Erlebnisgastronomie schreibt sich Palazzo – Grunzen und ein gutes Vier-Gang-Menue im Spiegelzelt am Bahnhof Zoo

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Palazzo 2017 in Berlin.
Kolja Kleeberg und Hans-Peter Wodarz bitten auch im Winter 2017/18 in Berlin ins Spiegelzelt zur "Dinner-Show" Palazzo. © 2017, Foto: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Erlebnisgastronomie im Spiegelzelt am Bahnhof Zoo? Da findet dieses Jahr die „Dinner-Show“ Palazzo in Berlin statt, zu der erneut Kolja Kleeberg und Hans-Peter Wodarz zu Tisch bitten.

Ein gutes Vier-Gang-Menue

Palazzo 2017 in Berlin.
Komik. © 2017, Foto: Andreas Hagemoser

„Das Essen war wieder eine Wucht“, hörte ich an unserem Sechsertisch und darf das bestätigen, denn das, was Küchenchef Kolja Kleeberg mit seiner Truppe hinter der Showbühne zubereitete, war wieder vom Feinsten.

Als Vorspeise wurde ein leicht gebeizter Lachs mit Maracuja auf Pumpernickel-Erde und mit einer getrockneten Aprikose geboten. Grünzeug und Nüsse zum Naschen tummelte sich auch noch auf dem weißen Teller. Mit der als Zwischengang gebrachten klaren Tomaten-Consommé mit Krustentiersoufflé, amrinierter Garnele und Meeressprossen hätte ich mich allein schon sattessen können, so lecker war die heiße Suppe und am Ende nichts mehr da.

Palazzo 2017 in Berlin am Bahnhof Zoo.
Leicht gebeizter Lachs landet mit einem Löffel Maracuja-Sauce auf dem Teller, über den Pumpernickel-Erde gestreut sowie Salat und eine getrocknete Aprikose gelegt wird. Zu beahten und nicht zu verachten sind die Nüsse. © 2017, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Doch noch Platz in Mund und Magen, so dass der Hauptgang, zart wie rosa gebratenes Kalbsfilet im Steinpilz-Brotmantel an dark-dunklen Rotweinschalotten mit Liebstöckelsalz und Panisse, eine Wonne war. Wunderbar auch die Nach- und Süßspeise. Gereicht wurden ein Tarte von Dulce de Leche mit Gewürzmandarinen, dunklem Schokoladensorbet und Pistazien-Macaron.

Die vegetarische Variante sieht Rote Bete-Linsen mit Tamarindendressing, Wildkräutersalat und gepfften Wildreis als Vorspeise vor. Beim Zwischengang wird die klare Tomaten-Consommé mit Basilikumsoufflé und weißen Bohnen verfeinert.

Der Hauptgang hört auf Pilzstrudel mit Taleggio, violettem Senf und wilden Broccoli. Das Dessert ist das gleiche Gute wie beim klassischen Vier-Gang-Menue. Schmackhaft sind wirklich alle Gerichte.

Palazzo 2017 in Berlin am Bahnhof Zoo.
Hauptgang: Rosa (stimmt) gebratenes (stimmt auch) Kalbsfilet im Steinpilz-Brotmantel. Das ist – wohl wahr – mal etwas anderes als Ente. Ein Lust sind auch die Rotweinschalotten. Sie lassen die laschen Fritierstangen (Panisse) aus Kichererbsenkram ertragen. © 2017, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Anzumerken ist, dass das Hüftgold leider auch nicht nachgereicht wurde. Doch nach Speis und Trank traten wir satt und zufrieden der Gang aus dem Spiegelpalast an der Hertzallee am Bahnhof Zoo an und wollen über die köstlichen kulinarischen Darbietungen wahrlich nicht meckern.

Grunzen

Dem Programm, das laut den Gastgebern Kleeberg und Wodarz „perfekt zu Berlin passt“, aber fehlt nicht nur der Rote Faden, dem Programm fehlt auch Flair, so wie das, was neudeutsch City West genannt wird. Mit Berlin meinen die Gastgeber allerdings auch eine Stadt, „die sich ebenso über ihre Prachtfassaden und die Blitzlichtgewitter an den vielen roten Teppichen wie durch die kreative Energie ihrer Hinterhöfe und die multikulturelle Inspiration ihrer Bewohner“ definiere.

Palazzo 2017 in Berlin am Bahnhof Zoo.
Ramiro Vergaz Criado tanzt und jongliert sich durch das Spiegelzelt. © 2017, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Eine Engländerin als Miss Frisky macht auf Miss Piggy. Sie ist nicht das Hingucker-Girl sondern die wilde Sau dieser Nummernrevue am Bahnhof Zoo. Dunkle, kehlige Geräusche gibt die Show-Walküre von sich, die typisch für ein Schwein sind. Wer das Grunzen geil findet, der kommt auch mit dem Rest der selten großartig aber durchaus ordentlich vorgetragenen Kleinkunstauftritten klar. Ein wenig chinesischer Mast, etwas Jonglage sowie Rollschuh-Ringelreigen. Vor allem Sascha Bachmann kann turnerisches Können beim Handstand bieten.

Sergey Rokashkov und Olga Bikmurzina zeigen am Reck eine sehenswerte Darbietung. Auch Evelyne Allard weiß sich am Luftring zu präsentieren wie Anastasiia Nasridinova und Sergii Maliutin als Duo Ars bei ihrem Strapaten-Auftritt.

Vor allem beeindruckt wieder die Personalstärke beim Programm, das allerdings zu comedylastig und nicht immer lustig ist. Mit billigen Blödeleien und allerletzten Albernheiten stiehlt die Dramaturgie dem Glanz und Glitter im Spiegelzelt dadurch das besondere Etwas. Das Flair geht verloren.

Palazzo 2017 in Berlin am Bahnhof Zoo.
Handstand: Gekonnt und gelungen. © 2017, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Für Musik für Massen von der Bühne statt vom Band sorgen Alt-Rocker der Band Lonely Hearts (‚Scott White als Bandboss am Bass, Tobias Tinker am Piano, Stephan Bienwald an der Gitarre und Kay Lübke am Schlagzeug).

Lonely Heats, auch wenn sie das Spiegelzelt nicht rocken dürften, verheißen gute Unterhaltung in angenehmer Atmosphäre mit viel Kerzenschein. Im Licht unzähliger Kerzen und der Lampen erstrahlt das Zelt von innen. Ein echter Spiegelpalast mit Jugenstil- Interieur.

In Berlin sollten sich alle, die wollen, diese Dinner-Show gönnen (können).

Keine Frage: Erlebnisgastronomie schreibt sich Palazzo.

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Mehr bunter Bilder in der „Fotoreportage: Palazzo 2017 am Bahnhof Zoo oder Miss Piggy und das Kalbsfilet“ von Fritz-Hermann Köser.

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