Eine Übung jagt die nächste – Kanonen- und Theaterdonner in und um Korea

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Copyright: © CC by US Navy

Berlin, Deutschland (Weltexpress). In und um Korea jagt eine militärische Übung die nächste. Kaum zündeten die Nordkoreaner eine Wasserstoffbombe in der Erde der koreanischen Halbinsel, die während des Korea-Krieges vom Blut von vor allem Millionen Koreanern rot getränkt wurde, schon zeigen sich Staatsmänner und solche, die es werden wollen, samt ihrem Gefolge alarmiert. Mehr noch, sie zeigen sich nicht nur als Maulhelden sondern militärisch Muskeln.

China übte die Abwehr eines Überraschungsangriffs. Das Manöver fand zwei Tage nach dem Atombombentest statt. Allem Anschein nach scheint der geglückt. Das Verteidigungsministerium in Peking gab sich gemächlich und wiegelte ab. Das sei alles nur Routine und Teil des Plans. Ob es sich um einen Fünfjahresplan oder einen Eintagsplan handelt, wurde nicht verlesen und verkündet.

Ob Nordkorea nun eine Atom- oder Wasserstoffbombe zündete, das wissen wir nicht mit Sicherheit, zumal es sich um eine unterirdische Explosion handelte, aber dass die Sprengkraft der Bombe um ein Vielfaches höher gewesen war als bei früheren Atomtests, das gilt als sicher. Von wenigen Hundert Kilotonnen TNT ist dieses Mal die Rede. Früher oder später werden Spuren radioaktiver Spalt- oder Aktivierungsprodukte in die Atmosphäre gelangen und dann wird man Beweise nicht nur suchen wollen, sondern finden können. Da ein zweites Beben registriert wurde und sich vermutlich Spannungen im Gestein des Gebirges, in dem die Zündung stattfand, entluden, sind Risse, durch die Gase in die Atmosphäre dringen, wahrscheinlich.

Immer gewaltigere Atom- oder auch erste H-Bomben und diese in Verbindung mit immer besseren Raketen, bestenfalls Interkontinentalraketen, lassen das As im Ärmel der Nordkoreaner im geopolitischen Pokerspiel zum Joker werden. Sie sind die Sicherheit der Herrscherfamilie, der Eliten, aller Oberen in Staat und Partei, Militär, Wirtschaft und Kultur, nicht zu enden wie Gaddafi in Libyen oder wie Jugoslawien. Oder glaubt auch nur eine Leserin und ein Leser dieser Zeilen ernsthaft, dass die Deutschen mit anderen NATO-Staaten Jugoslawien 1999 völkerrechtswidrig angegriffen wie einst 1941 überfallen hätten, wenn Belgrad über Atomwaffen verfügt hätte?

Kein Wunder also, das alle anderen am Tisch mit Fingerübungen reagieren. Die Übungen der chinesischen Luftwaffe, die im Golf von Bohai, der an die Korea-Bucht und das Gelbe Meer grenzt, sind solche Fingerübungen. Und die Finger der Chinesen sind nicht weniger nah am Abzug als die der US-Amerikaner, die kürzlich elf Tage in Südkorea übten – selbstverständlich wie die Chinesen die Abwehr eines Angriffs, obwohl US-Präsident Donald Trump Nordkorea im Juli nach zwei Tests von Interkontinentalraketen noch mit „Feuer und Wut“ gedroht hatte.

Pjöngjang drohte Washington anschließend ebenfalls und zwar mit dem Abschuss von Raketen in die Gewässer rund um Guam, einer von den USA eroberten und besetzten Pazifikinsel, die als militärstrategisch wichtiger Stützpunkt des Weltpolizisten und der einzig verbliebenen Supermacht gilt.

Maulhelden und Muskelspiele hüben wie drüben. Zum Zocken scheinen alle bereit, zum Zuschlagen sind es aber längst nicht alle. Der Kanonendonner in und um Korea gleicht Theaterdonner, über die Lohnschreiber der Lücken- und Lügenpresse berichten wie vom Hof.

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