Dethleffs will mehr auf Volumenprodukte setzen – Neuer Advantage und c’trend sollen auch neue Zielgruppen erreichen

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Globetrotter XXL A-1 © Dethleffs
Berlin, Deutschland (Weltexpress). Dethleffs ist ein Unternehmen mit fast zwei Jahrhunderten Geschichte – und eigentlich ein Betrieb für Peitschen und Skistöcke. Doch eines Tages wollte der Chef auf seinen Dienstreisen nicht mehr auf die Begleitung von Frau und Tochter verzichten. Im Jahre 1931 entwarf er deshalb ein Wohnauto, das schon nach einem Jahr auf die Räder gestellt war. Ein paar Jahre später war die Nachfrage nach diesen Wohnmobilen so groß, dass Arist Dethleffs die Skistöcke einpackte und sich ganz der Wohnmobilproduktion verschrieb, die mit sechs Mitarbeitern begann.

Heute ist Dethleffs ein weltweit bekannter Reisemobilhersteller in Isny im Allgäu. Und als das 80-jährige Firmenjubiläum im Jahre 2011 vorbereitet wurde, hatte man noch allen Grund zum Feiern: Dem Unternehmen ging es gut, trotz starker Konkurrenz und einer nicht immer einfachen Marktsituation für Caravans und Reisemobile. Im Geschäftsjahr 2009/10 konnte Dethleffs einen Umsatz von rund 265 Millionen Euro verbuchen und damit ein deutliches Umsatz-Plus einfahren. Über 50 Prozent mehr Aufträge waren eingegangen, der Gewinn hatte sich erhöht, hohe Investitionen waren geplant, und die Arbeitsplätze waren sicher.
Mitte dieses Jahres musste Dethleffs-Geschäftsführer Dr. Dominik Suter nun einen Rückgang in allen wichtigen Bereichen konstatieren. Dethleffs baute und verkaufte weniger Fahrzeuge, machte so auch weniger Umsatz als vor einem Jahr und musste Mitarbeiter entlassen. Ganz so schlimm, wie Suter im Juli befürchtete, war es mit dem Umsatzeinbruch dann doch nicht gekommen: War er nach der Produktion der ersten acht Monate des Geschäftsjahres von einem Minus von acht Millionen Euro ausgegangen, wurde nach Ende des Geschäftsjahres „nur“ noch ein Defizit von vier Millionen verbucht.
Jetzt, wo die Luft in der Branche offenbar immer dünner wird, will Suter zurück zu den Wurzeln des Unternehmens. Bei den Luxus-Mobilen sei es zu schwierig geworden, auf eine Stückzahl zu kommen, die für ein gutes Geschäft erforderlich wäre. So ist nach dem Integrierten XXL I auch das Luxus-Modell „Premium Liner“ – beide auf Basis des Iveco Daily – eingestellt worden. In der Luxus-Klasse hat der Globetrotter XXL A überlebt. Er wurde überarbeitet und baut auf dem neuen Daily auf. Das 8,85 Meter lange 6,7-Tonnen-Alkovenmobil, für das drei Grundrisse zur Wahl stehen und bis zu sieben Personen Platz bietet, ist zu Preisen ab 109 990 Euro lieferbar.
Globetrotter XXL A-1 © DethleffsNeu in der Oberklasse ist der 8,65 Meter lange 5,0-Tonner Globetrotter XL I, ein Integrierter auf Basis des Fiat Ducato mit Dreiachs-Fahrgestell und Alko-Chassis für 95 999 Euro. Sein 30 Zentimeter hoher Doppelboden bietet viel Stauraum. Zwei Grundrisse werden angeboten, die sich in der Heck-Gestaltung unterscheiden – es sind dort Einzelbetten oder ein Queensbett eingebaut. Darunter befindet sich eine große Garage.
Der neue Plan von Dethleffs ist, mit Fahrzeugen zu attraktiven Preisen neue Zielgruppen, vor allem auch junge Leute, zu erreichen – so Marketingchef Helge Vester. Gleichzeitig sollen aber auch langjährige Kunden bei der Stange gehalten werden. Außerdem wolle man stärker die Synergien nutzen, die sich in der Branche ergeben, ohne allerdings die Individualität zu verlieren. Und die Modellvielfalt soll künftig heruntergefahren werden. Das würde erhebliche Einsparungen bringen. Dennoch kämen Kundenwünsche nicht zu kurz, sagt Vester.
In jedem Falle wolle Dethleffs nicht nur überleben, sondern wachsen, so Suter. Und die Rechnung scheint aufzugehen: Nachdem man nun weniger im Premiumsegment unterwegs ist und mehr auf Volumen setzt, geht es mit den Aufträgen auch wieder bergauf. Vorsichtiger Optimismus ist angesagt.
Advantage © DethleffsWichtigstes Volumen-Mobil ist der überarbeitete Advantage, der als Teilintegrierter (ab 51 990 Euro) und als Integrierter (ab 60 999 Euro) mit Längen zwischen 6,41 Meter und 7,44 Metern zu haben und gegenüber den Vorgängermodellen um rund 5000 Euro günstiger ist. Der Preisvorteil kommt durch Rationalisierung und den Verzicht auf bestimmte Extras in der Ausstattung zustande. Sechs Grundrisse werden angeboten, und der Kunde hat die Wahl zwischen Längsbett, Querbett, Queensbett und Einzelbetten. Die integrierte Version verfügt über ein zusätzliches Hubbett. Serienmäßig ist das Modell mit ESP ausgestattet.
Auch sein Caravanprogramm hat Dethleffs nach unten abgerundet. Der Einsteigercaravan „c’go“ für 11 800 Euro verkauft sich bereits erfolgreich. Nun hat Dethleffs den ebenso frischen und modernen, aber besser ausgestatteten „c’trend“ zu Preisen ab 13 999 Euro nachgeschoben. Fünf Grundrisse stehen zur Wahl, die den Ansprüchen von Alleinreisenden, Paaren oder Familien gerecht werden. Der neue kompakte Wohnanhänger punktet mit einem modernen Innenraum-Design und einer Küche mit viel Stauraum und einem 140-Liter Kühlschrank.
Auch mit seiner Tochtermarke Sunlight, bereits vor zehn Jahren gegründet und in Neustadt bei Dresden ansässig, verfolgt Dethleffs die Strategie, preisbewussten Kunden ein faires Angebot zu unterbreiten. Mehr als 20 000 Fahrzeuge sind dort schon aus den Hallen gerollt. Auch bei Sunlight gibt es Neuheiten: Für die Teilintegrierten – also Fahrzeuge mit Führerhaus und individuellem Aufbau – stehen die drei neuen Grundrisse T60, T65 und T69S mit Doppelbetten zur Wahl. Die Preise beginnen unverändert bei 35 500 Euro. Zur Feier des 10-jährigen Jubiläums werden die Teilintegrierten T68 und T69L als Editionsmodelle ab 45 400 Euro angeboten. Durch zusätzliche Sonderaustattung hat der Kunde eine Ersparnis von rund 4400 Euro.
Und auch künftig will man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen, betont Dethleffs zweiter Geschäftsführer Günther Wank. Schließlich soll bald die Gewinnzone wieder erreicht werden. Dazu sind Investitionen erforderlich, und Dethleffs will im aktuellen Geschäftsjahr über sieben Millionen Euro in die Produktion, Neuentwicklungen und Verbesserungen von Baureihen sowie der Qualität stecken.
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