Wotan Randone „Hufrollendiagnose Grad III mit 10 Jahren – Heute 30-jährig und quicklebendig“ – Heike Veit im Weltexpress-Exklusivinterview

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Das bin ich, Wotan Randone mit 30 Jahren, und ich fühle mich besser denn je. Geboren wurde ich 1986 in Hessen als Sohn eines erfolgreichen Hannoveraner Hengstes Wieland6 (Woermann) und meiner Mutter-Stute Anka. 2016, BU Heike Veit © Heike Veit

Trois-Lac, Schweiz (Weltexpress). Bernd Paschel sprach mit Heike Veit über ihr Pferd Wotan, das nach der Diagnose seiner Hufkrankheit zum Tode verurteilt wurde, wie es nicht selten Pferden in Sport- und Freizeitbereich geschieht, deren Besitzer festhalten an Hufbeschlag, Boxenhaltung und anderen Mythen der Tradition. Sie ist diplomierte Hufheilpraktikerin und fühlt sich zuständig für die kranken Pferde, wo der Hufschmied und Tierarzt nicht mehr weiter wissen und eventuell sogar die Euthanasie empfehlen.

Paschel: Sie leben im wunderschönen Drei-Seen-Land am Fusse des Schweizer Jura mit Ihrem Pferd. Sie sagen: „Die Chance auf (Selbst-)Heilung ist sehr groß, wenn Sie bereit sind, Ihrem Pferd ein natürliches/artgerechtes Leben ermöglichen.“
Was heißt für Sie artgerecht.

Veit: Sich der natürlichen Lebensform der Wildpferde so annähernd wie möglich anzupassen.

Das könnte folgendermassen aussehen und wird schon vielerorts auch in der Schweiz praktiziert, beispielsweise im 24-stündigem Herdenverband mit Artgenossen oder Lauf-, Aktiv- und Offenstall-Haltung beziehungsweise Paradise-Trail. Das Heu, Wasser, Salzstein, Unterstand und Liegefläche so weit räumlich getrennt anbieten, dass kontinuierliche Bewegung zur Futteraufnahme in der Gruppe statt findet. Für die Hufe ist wichtig, dass die Pferde über verschiedene und abwechslungsreiche Böden laufen.

Artgerechtes Futter, besteht aus qualitativ hochwertigem Heu, Gras, Mineralien, Wildkräuter, gutes Wasser. Wir vermeiden Alles, was ein Pferd in der Natur auch nicht in Mengen finden würde: zum Beispiel Heulage, Zucker, Melasse, Karotten, Äpfel, Brot, chemische Arzneimittel, so gut es geht, etc.

Last but not least: Die natürliche Hufform unseren Pferden geben und erhalten, die von der Evolution vorgesehen ist, wie sich die Pferde in der Wildnis bei viel Bewegung auf unterschiedlichen Böden auch selbst abnützen würden.

Paschel: Was war eigentlich der wirkliche Grund um Hufeisen an den Pferden zu nageln?

Veit: Der eigentliche Grund für Hufeisen war einst der große Schmerz von den Ritter-Pferden, die auf der Burg in Ständern im Stroh mit viel zu wenig Bewegung im Urin/Ammoniak herumstanden und dann den steinigen Weg ins Tal laufen mussten. Ammoniak zersetzt das Protein des Huf-Horns. Das tat damals weh und genau das tut heute auch noch weh.

Die Arbeitspferde der Bauern im Tal hatten weniger Probleme, da diese Pferde meist auf der Koppel lebten und viel mehr Bewegung durch regelmäßige Arbeit hatten. Doch es klang so nobel wenn die Ritter mit ihrem Eisen-Getrappel vorbei geritten kamen. Deshalb wurden dann aus Stolz ihre Arbeitspferde während des Sommers beschlagen.

Viele denken, die Pferde hätten Probleme, weil sie sich zu viel Horn ablaufen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. In eingesperrter Boxenhaltung wächst zu viel Horn an falscher Stelle. Und an wichtiger Stelle entsteht durch Fehlstellung zu wenig Horn. Das führt zu Schmerzen im Huf, im gesamten Muskel-und Bandapparat und zu Stoffwechselstörungen. Aufklärungsarbeit ist hier nötig und läuft zum Glück auf Hochtouren.

Paschel: Gibt es überhaupt einen einzigen Grund für Hufeisen heutzutage?

Veit: Für mich nicht!

Wenn der Lebensbereich (24h) unserer Pferde Urin frei ist, aus verschieden weichen, harten, steinigen und auch asphaltierten Böden besteht. Also im Auslauf der Boden so ist, wie der Boden auf dem ich das Pferd Reiten oder Fahren möchte, konditionieren sich die Hufe selbst innerhalb von 6 bis 12 Monaten zu harten unempfindlichen Allround Hufen.

Die bekannte Distanzreiterin Darolyn Buttler der US-Nationalmannschaft läuft mit ihren Pferden bis zu 160 km ohne Eisen bei bester Hufbeschaffenheit.

Falls das Pferd weiterhin sensibel läuft, liegt es oft an einer deformierten Hufform, falscher Hufbearbeitung, Degeneration durch ehemals Eisenbeschlag und Boxenhaltung, sowie zuweilen Futter- und Stoffwechselproblemen. Aber mit Geduld und „natürlichen“ Mitteln kann viel verbessert werden.

Paschel: Da wir in der Regel den Pferden nie die 100-prozentige artgerechte Umgebung bieten können, ist die richtige Hufbehandlung immer individuell abhängig vom jeweiligen Huf, aber könnten Sie die Eigenschaften nennen, die ein Barhuf haben sollte?

Veit: Wir streben an: Bodenparalleles Hufbein, Kronrand 30°, Eckstreben ohne Bodenkontakt und Zehe so, das der Huf ungestört abfussen kann. Trachtenlandung wird angestrebt.

Aber das versteht wahrscheinlich nur der Fachmann.

In einfachen Worten: Wir nehmen die Hufe als Vorbild der wild lebenden Pferde, und halten uns an die Vorgaben der verschiedenen Rassen und die Haltungsbedingungen.

Der Laie und Nicht-Reiter versteht vielleicht ein Beispiel aus der Praxis besser. Deshalb herzlichen Dank Herr Paschel, dass ich die Geschichte von Wotan hier veröffentlichen darf, der von der Schulmedizin 1996 aufgegeben war und jetzt mit über 30 Jahren noch froh und gesund, gemütlich geritten wird.

Ich danke auch von Herzen Frau Dr. med. vet. Hiltrud Strasser und Peter Speckmeier. Von Ihnen habe ich diese wundervolle Methode und Denkweise 1997 kennen gelernt, studiert und lebe sie seitdem.

Ich hoffe, dass noch viele Pferdebesitzer wach werden und die konventionellen Behandlungsformen hinterfragen, um dann auf natürliche Weise die ‚unheilbaren‘ Zivilisationskrankheiten wie Hufrehe, Hufrolle, Strahlbeinlahmheit, Spat, Kissing-Spines, Stoffwechselprobleme, Unrittigkeit, Verweigerung etc. mit Selbstheilung in artgerechter Haltung erleben können.

Wenn ich in der Fotoreportage „Wotan – Vom Hufrollenentzündungstod zum Leben mit Barhufen in der Herde“ das Pferd sprechen lasse, sollte uns immer bewußt sein, dass das unsere menschliche Phantasie ist.

Paschel: Wenn Wotan in der Fotostrecke für sich spricht, sollten Sie aber auch Ihre Sicht kurz darstellen.

Veit: Ich möchte Mut machen, dem geliebten Pferd eine artgerechte Haltung zu ermöglichen, dass es prophylaktisch, und rehabilitativ ein glückliches und gesundes Pferdeleben haben darf.

Wir glauben, dass die Natur in der Evolution den Pferden die Huf-Form gegeben hat, die sie für ihr Leben und Überleben benötigen. Das Pferd kann in der Wildnis jederzeit im wilden Galopp über jeden Boden flüchten, und das ohne Hufschutz.
1986 Wotan ist in Hessen geboren mit Hannoveraner Abstammung. Er lebte in Boxenhaltung, war mit Hufeisen beschlagen, wie damals und heute auch noch üblich ist. Turniere haben uns beiden Freude und Erfolg bereitet.

1996 „finale Diagnose“: Prodotrochlose – Hufrollentzündung – Naviculare – Strahlbein-Lahmheit – Arthrose. Nach ein paar Monaten Medikation, Boxenruhe, Orthopädischem Beschlag war Wotan austherapiert: Empfehlung der renommierten Klinik Hochmoor im Norden von NRW: Euthanasie! Einschläfern!

Aber zum Glück sollte Wotan noch einen schönen Sommer auf der Ganzjahresweide am Rheinufer zwischen Düsseldorf und Köln bekommen. 365 Tage und Nächte auf 1km Weide in der Herde.

1997 habe ich mit Wotan zusammen das zweitägige VdHP-Huf-Seminar besucht. Dort wurde erst die Theorie der Natur- Hufe erklärt. Am zweiten Tag wurden seine Hufe nach der Methode „Strasser“ geschnitten – sofort lief Wotan glockenklar! Unglaublich aber wahr! Das Beweisvideo ist leider bei den vielen Umzügen verloren gegangen.

Schon ein paar Monate nach dem rettenden Korrektur Schnitt nahmen wir erfolgreich am Stallturnier teil. Denn er war mit der natürlichen Hufform und durch die Bewegung im freien Herdenverband bestens gymnastiziert und konditioniert! Die Entzündungen und Schmerzen  waren Vergangenheit. Wotan lebte gesund und glücklich sechs Jahre im Herdenverband auf der Ganzjahresweide am Rhein (Barhuf) und war wieder einsatzbereit. Die Hufe habe ich selbst getrimmt, denn beim Hufseminar wurde die Arbeit an Wotan mit VHS-Video gefilmt. Und ich hatte alle Bücher von Frau Dr. Strasser gelesen.

2002 Januar sind wir 2 in die Schweiz gezogen.
2003 Hochzeit in der Schweiz
2004 Geburt unserer Tochter
2006 hatte ich die Grundlagen der Hufbearbeitung missachtet. Trachten höher gelassen und Eckstreben- und Sohle nicht korrigiert, auf Anraten des lokalen Tierarzt.

Wotan wurde wieder lahm. Danach sagte dieser Tierarzt noch: „Da hilft nur Nervenschnitt.“

Da die Hufseminare bei Dr. Strasser ein Leben lang als Wiederholer gratis sind, bin ich wieder zu Peter Speckmeier und habe das Seminar besucht. Bei Ankunft in der Schweiz habe ich  Wotan die Hufe sofort wieder getrimmt, mit den mir eigentlich bekannten Parametern.

Und siehe da? Sofort ging es Wotan wieder besser. Das ist so unglaublich „magic“.

Und dieser Vorgang ist reproduzierbar. Ich muss Wotan heute immer noch alle drei bis vier Wochen die Hufe selber trimmen, dann geht es ihm prima. Dann ist die Hebelwirkung von Trachtenhöhe und dem harten Eckstrebenhorn auf den Hufrollenbereich physiologisch. Dann läuft er gerne und rund, viel schöner als zu Zeiten, als er noch jünger war.

Missachte ich dieses Gesetz, warte ich fünf bis acht Wochen mit der Hufbearbeitung, legt er sich heute noch hin, oder stolpert steif durch die Gegend. Dann nehme ich das Messer, schnitze und schwupps läuft Wotan wieder rund.

2006 nach dem Trimm beim Seminar war Wotan ja direkt lahmfrei. So haben wir Vergleichs-Röntgen gemacht. Die Zysten/Lollipops waren nach zehn Jahren gutem Leben immer noch gleich groß. Doch auch mit diesen Löchern ist Wotan lahmfrei. So wie andere ehemaligen Strahlbeinlahmheitspferde die nach Dr. Strasser behandelt wurden auch. Siehe Buch: Strahlbeinlahmeit  Hufrollensyndrom, Navicular-Syndrom… Ursache und Behandlung von Dr. med. vet. Hiltrud Strasser  – Taschenbuch 2010.

Im Januar startete ich die Ausbildung zur Hufheilpraktikerin bei Frau Dr. Strasser in Deutschland, aus Überzeugung, dass diese natürliche Hufform viele Pferdeleben retten kann und dass diese Methode auch hier in der Schweiz anerkannt wird. Anfang 2016 haben 3 meiner Kundinnen die Ausbildung als Hufheilpraktikerin nach Dr. Strasser in der Schweiz gestartet. 2011 bezogen wir einen super schönen Offen-Laufstall und Wotan wurde von Tag zu Tag wieder jünger. Nun lebt er auf einer grossen Weide mit zwei Unterständen, 24 h Heuraufe zur freien Verfügung, regelmässige fachgerechte Hufbearbeitung  – Intervall max alle drei bis vier Wochen von mir durchgeführt.

Im Mai 2016 starteten wir den Randonne-Röschtigraben. Wotan wurde mit jedem Kilometer aufgeweckter und hatte grosse Freude an und in der Bewegung. Ein erfrischendes Bad im Bieler See rundete unser Erlebnis ab. Ich bin so stolz auf Wotan.

17 km mit 30 Jahren.

30 Jahre, das sind nun 20 Jahre mehr als von der Tierklinik Hochmoor gedacht, und das nach seiner Hufrollenentzündungsdiagnose.

Doch davon ist nix mehr zu erkennen!

Die Veterinäre und Dentistinnen staunen über seinen Bewegungsablauf, dass er noch so beweglich ist. Nebenbei hat er noch fast alle Backenzähne, soll wohl auch untypisch sein. Aber Wotan bekommt seit 20 Jahren das Futter nur am Boden angeboten. Das ist wichtig für den Abrieb der Zähne.

Auch sehen wir hier deutlich, dass die Zysten, Lollipops im Strahlbein, die auch heute noch als Ursache für die Schmerzen von rennomierten Tierärzten beschuldigt werden, waren 2006 noch sehr gut zu sehen. Doch mit diesem Röntgen Befund lief Wotan schon längst lahmfrei! Dies ist kein Einzelfall, wie im Buch „Strahlbeinlahmheit“ von Dr. med. vet. H. Strasser nachzuschauen ist.

Vielleicht kann mit dieser Methode auch Ihr Pferd gerettet werden?

Wenn ich Ihr Interesse geweckt habe, dürfen Sie mich sehr gerne kontaktieren per Email heike@gesundehufe.ch

Anmerkungen:

Heike Veit: „Leider ist Wotan am Schluss der Vorbereitungen dieses Interviews an spontanem Herzversagen innerhalb von wenigen Stunden verstorben. Er hatte keine Schmerzen, kein Stress. Er ist einfach ganz in Ruhe und Zufriedenheit über die Regenbogenbrücke gegangen.

Ich vermisse ihn schon jetzt.“wotan

Weiterführende Literatur: Powerpointpräsentation mit Wotan unter http://www.gesundehufe.ch/page2.php

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