Zum zehnten Mal findet der Ball statt, sein Anlaß wird 100 Jahre – Der Ball des Weines 2010 im Wiesbadener Kurhaus

Inmitten des Foyers war sie aufgebaut, die Geburtstagsübertorte, trug einen weißen Zuckerguß, mit Rosenblüten garniert und von einem Adler, eben dem Traubenadler gekrönt. Sie wurde zu späterer Stunde angeschnitten und auf dem Laufband im Wasserfluß auf Tellerchen serviert, und am Genuß hätten sicher noch mehr als die rund 1600 Ballgäste ihr Vergnügen gehabt. Denn er soll sehr gut geschmeckt haben, dieser Kuchen aus Biskuit mit Rieslingcreme. Wir kamen einfach nicht mehr dazu, denn auf den Bällen hat unsereiner zu tun, alles mitzubekommen, was los ist und diesmal sind wir dazu in der dicht gedrängten Spielhölle versackt, die vom Casino Wiesbaden, im gleichen Haus beheimatet, für die Ballgäste extra eingerichtet wurde, mit Chips, die frei ausgegeben wurden. Fast alles wie echt. Nur die Verluste nicht. Die Gewinne allerdings auch nicht. Dazu gleich mehr.

Die Stimmung war bombig und heiß war es auch. Wir wissen nicht genau, wieviele im Saal zum Balldinner Platz genommen hatten, auf jeden Fall kamen die Flanierkarteninhaber ab 20.30 Uhr in solchen Scharen, daß es kaum mehr ein Durchkommen gab, was schade war, weil in den vielen Sälen, die sich um den Ballsaal gruppieren, die Stände mit Essen und Trinken dann ebenfalls dicht belagert waren. Was heißt schon Essen und Trinken. Daß man bei einem ’Ball des Weines` die besten deutschen Weine kredenzt, siebzig übrigens, das darf man erwarten, in Weiß, in Rot, auch den Rheingauer Sekt, was es allerdings an Speisen gab, das übertraf die Erwartungen der meisten.

Harald Wohlfahrt empfing in der Gaggenau Lounge. Nein, nicht persönlich. Das hatte er alles schon zu Hause in Baiersbronn erledigt und sich die Speisen ausgedacht und vorbereitet. Sieben verschiedene Spezialitäten bot er an, von denen wir jeweils nur den Anfang liefern: „Gebeizter Lachs im Norialgenblatt”¦“, „Getrüffeltes Entenleberparfait mit ”¦“, „Hummersüppchen mit ”¦“, „Geschmortes Kalbsbäckchen ”¦“ „Lothringer Pastete”¦“, „Ragout von exotischen Früchten”¦“ und als Mitternachtsimbiß Maccherroncini mit rosa Krevetten”¦“. Und vergessen Sie dazu nicht die Weine! Außerdem waren die Säle mit roten Rosen geschmückt und jede Dame erhielt mindestens eine.

Was die Leute auf einem Ball machen? Tanzen? Ja, doch, das auch, etwas später und dann durchgehend. Aber erst einmal wird flaniert – während im Saal die Speisefolge von Käfers’s Kurhausgastronomie abläuft, den flinken Kellnerinnen und Kellnern kann man beim Vorbeihuschen auf die Teller schauen – und in Wiesbaden kennt inzwischen wohl jeder jeden. Denn da gab es die herzinniglichsten Wiedersehen, auch wenn manche sich erst am Vortage gesehen hatten. So ein Ball verstärkt Emotionen und macht alles etwas aufregender und dramatischer. Kurzum: das miteinander Reden, das gesellige Beisammensein, meist Beisammenstehen, ist eine der wichtigsten Ballereignisse.

Es sei denn, man betritt den Raum, den das Casino für noch Unkundige präpariert hat, zusammen mit Croupiers, die mit Engelsgeduld die immer wieder selben Fragen beantworten. Im Lauf des Abends gingen sie dann dazu über, lieber gleich etwas zum potentiellen Spielablauf zu erklären. So zumindest am Roulettetisch, an dem ich – absolut unerfahren und noch nie in einem Casino – Stammgästin wurde, wie auch mein Kollege, der anfangs noch mitspielte, dann aber nur noch staunend seine Kollegin verfolgte, wie diese vom Spielrausch gepackt wurde. Das hatte Gründe. Sie gewann. Zuerst weiße, das sind die 5er Marken, dann lila, das sind die Zehner und die Zwanziger sind rot und die Hunderter und die Fünfhunderter”¦Aber jetzt wollen wir mal nicht angeben, sondern nur verkünden, daß bei der Gewinnsumme von 835 Schluß war. Schließlich mußten wir ja unterwegs sein, um vom Ball berichten zu können.

Längst war der große Saal nun offen und ziemlich leer, denn die Gäste, die lange saßen, bevölkerten jetzt auch noch die umliegenden Räume und —ja, sie aßen erneut, so als ob ihr Balldinner nicht gereicht hätte. Das ist bei jedem Ball, bei dem Zusatzspeisen angeboten werden, das Geheimnis. Wie Leute, die gerade gut gespeist haben, noch einmal zulegen. Dafür strömten die Flanier jetzt hinein in den Ballsaal, um bei lateinamerikanischer Musik einen Rumba zu tanzen, wer sich traute, sonst halt im Foxtrott das Gleichgewicht zu halten. Je später der Abend, desto mehr wurde getanzt und die ziemlich kleine Fläche war so proppenvoll wie die anliegenden Räume.

Das wissen die Veranstalter sich selber, daß hier die Obergrenze von Besuchermengen erreicht ist. 1500 bis 1600 Gäste im Kurhaus auf einer Ebene bedeutet, daß jeder jeden anstößt, wenn er sich bewegt und so gab es nicht wenige, die dies bemängelten und geradezu beleidigt darauf reagierten, daß andere auch dabei waren. Das nämlich ist das Problem, daß immer nur der andere stört. Man selbst siehst sich als berechtigter Teilnehmer, aber nach einem selber sollte Schluß sein. So war die Devise, wen immer wir auf seine gebrummelten Unmutslaute ansprachen.

Und noch etwas wurde moniert, aber auch hier ging die Sache unentschieden aus. Als Mitternachtsschau war Barbara Schöneberger angekündigt. Zuvor hatte sie schon eine halbe Stunde im geschlossenen Ballsaal beim Dinner gesungen. Daß sie hochschwanger ist, wurde durch die Fernsehübertragung am Vorabend bekannt, wo sie die Moderation des Deutschen Filmpreises übernommen hatte, in einem blauen pailletenüberfüllten Kleid, mit gewaltigem Dekolleté und einem ebensolchen Leib. In diesem Kleid, in das sie eigenen Angaben zufolge, direkt eingenäht wird, trat sie auch in Wiesbaden auf. Das allerdings wissen wir nur vom Hörensagen. Denn die Mitternachtsschau fiel aus. Und nun der Witz. Als gar nicht wenige Flaniergäste dies untereinander ansprachen und gar nicht gut fanden, da einige tatsächlich der Dame wegen zum Ball des Weines gekommen waren und diese nun weder sahen, noch hörten, antworteten drei Herren vom Festdinner: „Seien Sie froh, wir sind ihretwegen aus dem Saal gegangen!“

Überhaupt kam man manchmal aus dem Lachen nicht heraus, denn wenn Leute guter Stimmung sind und einen entspannten Abend verbringen wollen, laufen manche zur Form auf. Daß der Wein ein Übriges tut, das glauben wir gerne. Aber ehrlich gesagt, hat uns eher gewundert, daß wir keine sahen, die über den Durst getrunken hätten, obwohl ja die Speisen wie die Getränke der Service des Hauses waren, so man eine Karte ergattern konnte. Sehr schnell waren nämlich diesmal die Karten ausverkauft: sowohl drinnen wie auch im Foyer.

Wer da war? Das konnte man an den Fotos sehen, wo wir den Ex-Fraportchef Wilhelm Bender mit Frau erkannten, Landesvater Roland Koch hat in Wiesbaden ein Heimspiel, wie auch diverse Minister und Exminister. Die Weinköniginnen waren auch da, was dem Abend ein fürstliches Ambiente gab. Schließlich war ja auch der Kaiser erschienen. Besagter Franz Beckenbauer war sogar ganz besonders gerne gekommen, denn der Erlös der Tombola – zu einem Ball gehört eine Tombola einfach dazu! – ging an seine Stiftung gleichen Namens, die unvermittelt in Not Geratenen hilft, mit der Situation fertig zu werden und unbürokratisch, schnell und zielgerichtet Bedürftigen zu helfen. Bei so vielen bekannten Gesichtern fiel erst auf den zweiten Blick auf, daß der Gastgeber selber fehlte. Steffen Christmann aus Gimmeldingen und Präsident des VDP war kurzfristig krank geworden, sehr kurzfristig, wie launig der nun eröffnende Ehrenpräsident Michael Prinz zu Salm-Salm von sich gab.

Beide hatten nämlich am Freitag das Spiel in Kaiserslautern verfolgt, wo der Aufstieg der Lauterer hätte besiegelt werden sollen. Allein es siegte Hansa Rostock. Originalton Salm-Salm: „Ich habe das Ergebnis wohl besser vertragen als er“. Wir wollten ihn eigentlich mitternächtlich befragen. Aber da nun gleichzeitig zwei Pflichttermine für uns ausgefallen waren: Schöneberger und Christmann, da hielt uns nichts mehr. Zurück zum Spieltisch! Kein Essen, kein Trinken, keine Lufthansa Lounge und auch sonst nichts!

Es hat sich gelohnt. Unser anfänglicher Bonus wuchs und wuchs und auf einmal so kurz vor ein Uhr nachts, da stand fest: wir hatten zwar nicht die Bank gesprengt, nein noch lange, lange nicht, aber wir hatten soviele bunte, kleine und auch immer mehr größere Chips in den Händen, daß wir Gewinner des Abends waren. Es gab nämlich, das alles wußten wir zuvor gar nicht und hatten aus purem Vergnügen angefangen, es gab also für den mit den meisten (wertlosen) Chips einen Preis. Der wurde uns um ein Uhr in einem roten Bilderrahmen überreicht und hängt schon jetzt beim Schreiben in der Redaktion. Darin heißt es:

„Gutschein

Herzlichen Glückwunsch – Sie haben gewonnen“ und dann wird aufgeführt, was man gewonnen hat:

„Begrüßungstrunk an der Casino Bar

Abendessen im Spielbank-Restaurant im Gesamtwert von 100, – Euro

Rendezvous mit der Glückgöttin Fortuna einschließlich einem Startkapital in Glücksjetons in Höhe von insgesamt 50,-Euro

Wir wünschen”¦“

Und dann steht da noch unten, ganz unten drunter: „Glück verpflichtet.“ Das hat uns allerdings sehr nachdenklich gemacht. Wie es im Casino Wiesbaden gewesen ist, das erfahren Sie von uns auf jeden Fall. Bis zum 30. April 2011 haben wir Zeit. Dann verfällt der Gutschein. Wir kommen!

www.vdp.de

Zur WELTEXPRESS-Newsletter-Anmeldung