Zoff mit Brüssel – Proteste gegen Pläne einer jährlichen Hauptuntersuchung für ältere Pkw

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Demnach sollen Neuwagen nach vier Jahren zur HU, danach alle zwei Jahre, und schließlich sollen Autos ab dem siebten Betriebsjahr oder mit mehr als 160.000 Kilometer Fahrleistung jedes Jahr beim Prüfer vorfahren. Zur Zeit gilt für Pkw generell ein HU-Turnus von zwei Jahren, für Neufahrzeuge gelten drei Jahre. Die Halter älterer Autos würden also schlechter gestellt. Ein Check kostet den Autofahrer zwischen 55 und 100 Euro.

Siim Kallas ist der Auffassung, daß die häufigere Kontrolle älterer Autos die Sicherheit so weit verbessern werde, daß sich jährlich mindestens 1.200 Verkehrstote EU-weit vermeiden ließen.

Von der HU-Änderung wären die Halter von über 20 Millionen Fahrzeugen allein in der Bundesrepublik betroffen. Bei einer durchschnittlichen Prüfgebühr von 60 Euro müßten sie mit einer Mehrbelastung von ungefähr 1,3 Milliarden Euro rechnen, wie der ADAC ausgerechnet hat.

Um die Einführung einer jährlichen HU ist nun ein öffentlicher Streit entbrannt. Der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) begrüßt den Vorstoß aus Gründen der Verkehrssicherheit. Bei sechs bis acht Jahre alten Autos sei die Schadenshäufigkeit dreimal so hoch wie bei zwei bis vier Jahre alten. Ferner würden ältere Autos vor allem von Fahranfängern genutzt, der gefährdetsten Altersgruppe im Straßenverkehr. Das Gefahrenpotential könne durch eine jährliche HU älterer Fahrzeuge gemindert werden, sagte ein ZDK-Sprecher.

Gegen den jährlichen HU-Rhythmus hat sich der ADAC ausgesprochen. Er spricht von „Abzocke“ und weist darauf hin, daß nur 0,5 Prozent aller tödlich verlaufenden Verkehrsunfälle ihre Ursache in technischen Mängeln hätten. Auch der Verband der Internationalen Kfz-Hersteller (VDIK) lehnt die Verkürzung der Prüffristen ab: „Der Nachweis eines nennenswerten Beitrages zu mehr Verkehrssicherheit“ fehle, „die Kosten für den Autofahrer würden nur unnötig erhöht“, so der VDIK.

Gegen die Veränderung hat sich nun auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ausgesprochen. Er werde sich im Ministerrat der EU dafür einsetzen, daß „eine sinnvolle Lösung herauskommt“. Auch im EU-Parlament wird die geplante Regelung kontrovers diskutiert.

Unbestritten mag sein, daß die Autos besser gewartet und repariert würden und der Kauf eines neuen Wagens eher erwogen würde, wenn die Autofahrerinnen und Autofahrern insgesamt höhere Einkommen hätten.

kb

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