Worte vom Brot, Wasser, Wetter, Frieden und Freiheit – Kaum sind die Diskussionen um Wulff verklungen, wird es laut um Gauck!

0
239

Man könnte es ein “Luxusproblem“ nennen, das wir hier in freiheitlich demokratischer Manier offenbar nie zufrieden sind. Ein großer Teil der Bevölkerung war laut Meinungsumfragen schon so weit, Christian Wulff seine „eigentlich harmlosen“ Vergehen zu verzeihen und ihn im Amt zu lassen, hätte sich nicht die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Der Wille, sich an diese etwas kleineren und größeren Vorteilsnahmen zu gewöhnen, die man in anderen Zusammenhängen Korruption nennt, wuchs tagtäglich. Vielleicht auch deshalb, weil man es irgendwann nicht mehr hören konnte und die Wulffs durch ihr Verhalten vermittelten, nicht aus Schloss Bellevue ausziehen zu wollen. Weder war der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen durch herausragende Fähigkeiten aufgefallen, noch hatte er ein Profil, das in der politischen Landschaft Spuren hinterlässt. Das wird mit Gauck ganz sicher anders.

Wir leben in einem guten und freundlichen Land

Wer noch immer nicht begriffen hat, dass Deutschland tatsächlich ein gutes Land zum Leben ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Und wer darüber hinaus nicht begreifen will, dass sich einer wie Joachim Gauck auch tatsächlich für die Freiheit einsetzt, dem schon mal gar nicht. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass die meisten Menschen, wenn sie von Freiheit oder Demokratie sprechen, sich offenbar noch nie Gedanken über die Definition gemacht haben. Diese Definition jedenfalls liefert Gauck bei all seinen Vorträgen und Kommentaren: er definiert Freiheit als Verantwortung und unter diesem Gesichtspunkt sind auch jene Zitate zu verstehen, die dieser Tage aus dem Zusammenhang gerissen in der Presse und im Internet kursieren. Ihn jetzt als „schlimmen Finger“ zu bezeichnen oder gar in „Fascho-Nähe“ zu rücken, halte ich schlicht für unerträglich. Schlagzeilenhafte, boulevardartige Fetzen werden hier als Gedankengut zusammen gepuzzelt, ohne weitere Hinterfragung kommentiert und als tatsächlich diskutiert. Hallo, geht`s noch??

Wie bescheuert muss man eigentlich sein, jemandem Ausländerfeindlichkeit zu unterstellen, wenn dieser irgendwo gesagt hat, dass er finde „dass es in einigen Vierteln deutscher Städte zu viele Zugewanderte und allzu wenige Altdeutsche“ gebe. Recht hat er! Sprechen wir denn nicht ständig davon, dass keine Parallelgesellschaften entstehen dürfen? Wenn „Zugewanderte“ in einer Art Ghetto leben, dann leben sie in einer Parallelgesellschaft, oder etwa nicht? Als ich neulich ein Gespräch mit einem in Berlin lebenden Syrer hatte, antwortete er auf meine Frage, wo er denn wohne: „Ich bin nach Schöneberg gezogen, weil da nicht so viele Ausländer leben!“ Noch Fragen? Und da kommen wir denn auch gleich zu der angeblichen Aussage, Joachim Gauck stütze Sarrazins Thesen. Im Konsens sagte Gauck, er habe das Buch nicht gelesen und distanziere sich von seinen Inhalten, die er über die öffentliche Debatte mitbekommen habe, vor allem was den Bezug der biologischen Zusammenhänge betreffe. Doch er nannte es „mutig“, dass Sarrazin diesen Tabubruch begangen habe, eine Debatte über ein Thema zu entfachen, das den Menschen Angst mache und ständig durch „Political Correctness“ übertüncht werde.  So geht es ja weiter auch mit seiner Bemerkung zur Occupy Bewegung, die er an sich nicht als albern abtut, sondern vielmehr die Forderung nach einer Abschaffung des kapitalistischen System und der Marktwirtschaft albern findet.

Wir haben die Freiheit, uns gut zu informieren und übernehmen die Verantwortung nicht dafür, indem wir einfach nachplappern, was andere uns in selbst angerichteten Häppchen vorsetzen. Ich könnte hier Gauck zitieren, wenn es nicht auch meine eigene Ansicht wäre: Freiheit die ich meine, setzt Verantwortung voraus. Es gibt keine Freiheit ohne Mühe. Das ist ein Märchen! So wie es keine Kunst ohne Können und Anstrengung gibt, so gibt es keine freiheitlichen demokratischen Verhältnisse, ohne nicht jeden Tag dafür etwas tun zu müssen. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch vermutlich seine Äußerung über die „Versorgungsmentalität“ von Hartz IV-Empfängern zu verstehen. Ich bin davon überzeugt, dass er nicht diejenigen meint, die in Not geraten sind, die keine Arbeit mehr finden, die vorübergehend Hilfe brauchen oder diejenigen, die trotz Arbeit nicht existieren können. Das wäre doch ein ausgemachter Blödsinn! Aber es gibt ja nun auch diejenigen, die sich ganz und gar auf die „Stütze“ verlassen, ohne auch nur einen Gedanken darauf zu verschwenden, was sie vielleicht tun könnten. Ich bin ohnehin für das bedingungslose Grundgehalt und wer mehr Geld haben will, darf arbeiten. Das werden sicher die meisten sein.

Lassen wir also die Kirche im Dorf. Das Amt des Bundespräsidenten ist vor allem ein repräsentatives, was das Ehepaar eventuell missverstanden hat. Repräsentieren heißt nicht zwangsläufig, sich bei den Schicki-Mickis anzubiedern. Gauck ist seit Jahren mit einer integren Journalistin liiert, nicht verheiratet und von seiner Ehefrau, mit der er seit 40 Jahren verheiratet ist und 4 Kinder hat, noch nicht geschieden, was mir sagt, dass da noch eine verantwortliche Zuneigung besteht. Für mich absolut nachvollziehbar. Auch damit repräsentiert er eine Lebenshaltung, die diesem Deutschland entspricht, in dem wir leben und die wir verteidigen sollten. Jedoch wird er in diese seine persönlichen Verhältnisse jetzt eine Ordnung nach den existierenden allgemeingültigen Werten einbringen müssen, wie ihm die CSU bereits nahegelegt hat. Das hat allerdings nicht nur Gründe in der christlichen Wertevorstellung, sondern ganz pragmatische – das weltweite Staatsprotokoll betreffend. Es ist schlichtweg einfacher, wenn hier ein Ehepaar auftritt, während repräsentiert wird. Sonst könnte es am Ende noch passieren, dass die Beiden getrennte Hotelzimmer beziehen müssen, wegen der Moral”¦

Anzeige