Wohlsein „am Kap der guten Weine“ oder Schnacken und schlucken mit Winzern in Südafrika

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© Delius Klasing

Eine Ausnahme bestätigt diese Regel, denn das Anwesen „Fable“, das sich im Eigentum der US-Amerikaners Charles Banks  („Gründungsmitglied und Teilhaber bei Terroir Capital und außerdem Chefredakteur des Fine Wine Magazines“ (S. 52), weswegen er es offensichtlich in das Buch geschafft hat) befindet. Dessen Weine gedeihen auf Schieferboden im abgelegenen Tulbagh Valley, weit nördlich der A1. Banks gehören zudem weitere Weingüter in Kalifornien (USA) und Südafrika sowie die Weinmarke „Cultivate“.

Als Wein wird der Bobbejann 2009 als ein 100-prozentiger Syrah empfohlen, der „ein Blend von den markantesten und besten Weinbergparzellen auf Fable“ sein soll. Die Weine würden „biodynamisch“ angebaut. Die Reben würden von drei Hunden bewacht werden, die „dafür sorgen, dass sich die Paviane nicht über die süßen Trauben hermachen“ (S. 52). Nette Geschichte.

Jedes Weingut des Buches der vier „Initiatoren“ Gerard de Villiers, Thomas Ernst, Alain Proust (Fotograf) und Harald Bresselschmidt (Koch) wird auf eine angenehme Art vorgestellt. Neben der kurzen Beschreibung des Anwesens mit geschichtlichen Anmerkungen wird die Technik der Herstellung und also die Produktion präsentiert. Die Menschen: Eigentümer, Kopf- und Handarbeiter werden vorgestellt. Ein, zwei Weine werden genannt, eine „kulinarische Weinbegleitung“ mit wenigen Worten für Auge, Nase und Mund gegeben, die für den Bobbejaan 2009 wie folgt lautet: „Die Farbe ist ein helleres Purpurrot, das Bouquet zeigt die frische Reinheit von Früchten mit floral-staubigen Untertönen. Am Gaumen entfaltet er eine saftige Textur mit Tabak- und Kirscharomen. Die Tanninstruktur ist elegant, der Abgang frisch, langanhaltend und dezent.“

Wunderbar ist vor allem auch die Vorstellung von „landestypischen Rezepten". Die Zutaten und die Zubereitung für einen „Gnubraten in Pfeffer-/Korianderkruste mit Artischocken-Confit & Himbeer-Balsamico-Vinaigrette“ werden genannt. Wer das Gnufleisch „auf diese seltene Art zubereitet“ (S. 55), der sollte feststellen, dass das Gnufleisch „perfekt mit dem Wildgeschmack des Shiraz“ harmoniert“ (S. 55), denn „die dezente Himbeer-Vinaigrette greift die reine Frische von roten Früchten auf und gleicht die deutliche Säure des Weins aus“.

Auf ähnliche Weise werden die weiteren Weingüter – „vom traditionellen ‚Cape Dutch‘-Weingut bis zum modernsten Ensemble, vom stylischen Babylonstoren bis zum vielseitigen La Motte in Franschoek, vom Delaire-Graff mit dem wunderbaren Panorama-Blick bis zum Rotwein-Sepzialisten Rust en Vrede in Stellenbosch“ – vorgestellt. Die im Buch in alphabetischer Reihenfolge vorgestellte 15 Weingüter sind: Babylonstoren, Boschendal, Delaire, Dornier, Fable, Hidden Valley, Keermont, Kleine Zalze, Kleinood Winery, L`Ormarins, La Motte, Mont Destin, Rust en Vrede, Webersburg und Zorgvliet. Ein Lageplan, eine Adressenliste mit praktischen Angaben zur Website samt QR-Code zum Fotorafieren mit Mobiltelefonen und PDAs, eine knappe Vorstellung der „Initiatioren“ sowie eine Danksagung beenden das 160 Seite starke Buch aus dem Verlag Delius Klasing.

Mit anderen Worten: Das Buch macht "Appetit auf Afrika". Wir müssen unbedingt ans "Kap der guten Weine", von Gut zu Gut fahren, mit den Menschen schnacken, deren Geschichten hören und deren Wein schlucken.

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Autoren: Gerard de Villiers, Thomas Ernst, Alain Proust und Harald Bresselschmidt, Titel: Wein-Visionäre / Wine Visionaries, Untertitel: Menschen und ihre Weingüter in Südafrika / The people behind South African Wines, Bibliographische Angaben: 1. Auflage 2012, 160 Seiten, 179 Farbfotos, 1 farbige Abbildungen, 2 S/W Abbildungen, 1 Übersichtskarte, zweisprachig deutsch / englisch, Format 31 x 24,4 cm, gebunden mit Schutzumschlag, Delius Klasing, Website: www.delius-klasing.de, ISBN: 978-3-7688-3379-0, Preise: € 39,90 (D) / € 41,10 (A) / sFr 53,90 (CH)

Anmerkung:

Alle Zitate stammen aus dem Buch „Am Kap der guten Weine“.

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