„Wir dachten, es kommt kein Schwein“ – Das Filmfestival „Nippon Connection“ findet bis zum 18. April zum zehnten Mal in Frankfurt am Main statt

Poster zum Filmfestival „Nippon Connection“ in Frankfurt am Main

"Der japanische Film war einfach etwas ganz anderes als das, was Hollywood oder das europäische Kino zu bieten hatten", erzählt die Festivalmacherin, die selbst gestylt wirkt. Für sie ist das Faszinierende an den japanischen Filmen insbesondere die Vielfalt an Genres und die gestalterischen Mittel. Im Gegensatz zur klassischen Hollywood-Dramaturgie, bei der das Gute dem Bösen gegenüberstehe, und es schließlich einer von beiden und meist das Gute siegt, gebe es im japanischen Film doch sehr viel mehr "vielschichtige Charaktere", sagt die Marion Klomfass. Der Zuschauer wisse sehr oft nicht, wie es weitergeht. Typisch sei, "daß es mehrere Enden und auch Wendungen gibt".

Wie jedes Jahr ist Schauplatz des Festivals das "Pupille"-Studentenkino auf dem alten Bockenheimer Universitätsgelände. Liebevoll und sicher haben die Festivalmacher die gesamte Dekoration gestaltet, wobei die rosafarbene Nippon Connection-Bar im Zentrum steht. Im Jubiläumsjahr wird es zehn verschiedene Plakatmotive geben, die allesamt Interpretationen von japanischen Filmtiteln sind. Dafür gab es in den letzten Jahren bereits mehrfach Designpreise. Der Kern der Mitarbeiter umfaßt rund dreißig Aktive, aber die alleine könnten die Veranstaltung nicht bewältigen. Auf rund 150 schätzt Marion Klomfass die Zahl der freiwilligen Helfer "vom Dolmetscher bis zum Pfandflaschensortierer". Der jüngste ist auch schon über 19 Jahre alt, der älteste über 60.

Abhängig von der weltweiten Wirtschaftskrise ist das Thema der sozialen Folgen auch im japanischen Film virulent. In diesem Jahr viele gibt es viele Independent-Filme junger Regisseure, die im "Nippon Digital"-Spezialprogramm die Perspektivlosigkeit japanischer Jugendlicher zum Thema haben. Dabei geben die jungen japanischen Filmemacher "weniger eine konkrete politische Stellungnahme ab, stattdessen sind sie viel näher an den Menschen und ihren persönlichen Lebensgeschichten dran", weiß Helfer Lorenzo Alvarez. Das gesellschaftliche Drama entlade sich in den jungen Independent-Produktionen "am Frühstückstisch der Protagonisten, zwischen Rührei und Brötchen". Für Marion Klomfass sind die eigentlichen Höhepunkte des Festivals in diesem Jahr die Filme von Eröffnung und Abschluß. In Shuichi Okitas "The Chef of South Polar" wird ein Koch auf eine japanische Forschungsstation am Südpol versetzt. In "Sawako Decides" des Regisseurs Ishii Yuga liegt der Vater der jungen Protagonistin im Sterben. Sein Muschelbetrieb ist in einer Krise, und er möchte, daß die Tochter ihn übernimmt.

Die Festivalleitung besucht jährlich das "Tokio International Filmfestival", den Tokio International Filmmarket, kurz TIF, um wichtige Kontakte herzustellen. Zum Problem werden inzwischen, räumt Marion Klomfass unumwunden ein, die steigenden Filmverleihpreise. "Es gab Filme, die wir zu unserem Zehnjährigen gerne gezeigt hätten, es aber nicht können, weil der japanische Verleih für eine einzige Aufführung bis zu 2.000 Euro verlangt hat." Das Kulturamt der Stadt Frankfurt und das Amt für Multikulturelle Angelegenheiten unterstützen das Festival. Zusätzliche Einnahmen erzielt es über den Verkauf von Festival-Artikeln, Getränken und Speisen.

Ganz wichtig ist den Festivalmachern, nicht nur das ausgesprochen kinophile Publikum dabeizuhaben. Die kommen eh. "Nippon Connection" will aber ein Treffpunkt sein für eine ganz bunte Mischung von Menschen, nicht nur die aficionados von Kino und/oder Japan. So wird es neben den Filmen auch Konzerte geben, japanischen Tanz, Shiatsu, Sushikochen, Karaoke, eine "Spielehölle", aber auch Workshops, Diskussionen und Vorträge. "Viele gehen nur dorthin, wo Partystimmung ist", sagt Marion Klomfass, "aber vielleicht kriegen wir sie ja so auch ins Kino.

www.nipponconnection.com

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