Werther bis zum Abwinken – Eine kleine aber feine Ausstellung im Frankfurter Goethehaus

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Lotte an Werthers Grab. © Goethehaus/Freies Deutsches Hochstift

Ergänzt wird die Schau, die schon einmal kurz während des Hessentags in Wetzlar 2012 zu sehen war, in Frankfurt durch einen historischen Teil zur Erfolgsgeschichte von Goethes Bestseller, den Doris Schumacher und Joachim Seng zusammengestellt vom Freien Deutschen Hochstift haben. Neben der Erstausgabe von 1774 und einer Reihe früher Drucke und Übersetzungen zeigt die Schau auch auf, wie schnell sich Autoren gefunden haben, die sich unverblümt das Konzept zu eigen machten und mit „Wertheriaden“ am Erfolg teilhaben wollten. Hinzu kommen einige Devotionalien aus der Familie Kestner, so eine Handtasche von Charlotte, die sich heute im Besitz des Goethehauses befinden.

Zuerst wird der „Werther“ ins Französische (1775) übertragen, eine englische Übersetzung erscheint 1779; es folgen noch zu Goethes Lebzeiten Übertragungen ins Niederländische, Russische, Italienische, Schwedische, Spanische und Dänische. In ganz Europa grassiert plötzlich ein „Werther“-Fieber. Heute ist der „Werther“ in mehr als 60 Sprachen übersetzt, ins Persische ebenso, wie ins Hebräische, Goethes Bestseller liegt in Urdu und in Mongolisch vor und selbst in Esperanto, in Latein und in Blindenschrift. Dies war Anlass für die Stadtbibliothek Wetzlar, sich um eine umfassende Sammlung der noch erhältlichen und bestehenden Übersetzungen und Fassungen zu bemühen. Diese können in der Ausstellung bewundert werden, aber nicht hinter Glas! Sie können sogar (täglich zwischen 13 und 17 Uhr ) in die Hand genommen und – wenn man der jeweiligen Sprache gerade mächtig ist – gelesen werden. Oft sind es aber auch die originelle Gestaltung der Bücher und die Art der Illustrationen, die Freude machen.

Bekanntlich ist der Werther in Deutschlands Schulen Pflichtlektüre, was bedeutet, dass den meisten Menschen der Spaß daran wahrscheinlich verleidet wurde. Hier nun gibt es eine Möglichkeit zum Neuanfang. Und für die vielen Japaner, die durch das Goethehaus pilgern, finden sich schöne Fotomotive zwischen Plakaten aus der Entstehungszeit des Romans und den aktuellen Ausgaben in ihrer Muttersprache.

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