Und wieder ein Weltrekord – Berlin festigt bei der 41. Auflage seinen Marathon-Status

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Der Kenianer Dennis Kimetto bestätigte diese Worte mit einem Superlativ – dem neuen Weltrekord über die 42,195 km in 2:02:57 Stunden! Der 30-jährige Top-Favorit unterbot als erster Läufer die 2:03-Stunden-Marke und knackte die Bestzeit seines Landsmannes Wilson Kipsang.(2:03:23) aus dem Vorjahr.

Damit sind die letzten sieben Rekordmarken bei den Männern von Gebrselassie über Makau und eben Kipsang allesamt an der Spree aufgestellt worden. Zusammen mit den Frauen gab es nun bereits zehn Mal Leistungen dieses Standards. Womit das „Berliner Pflaster“ seinen Ruf als schnellster Kurs für den Klassiker-Laufwettbewerb untermauerte. Zumal auch der Mitfavorit Emmanuel Mutai (Kenia) als Zweiter mit 2:03:13 das nun zweitbeste Resultat der Chronik erreichte.

Wann fällt die Zweistunden-Marke?

Vor 15 Jahren wurde die Rekordmarke erstmals unter 2:06 Stunden verbessert. Vor elf Jahren lief Paul Tergat in Berlin als Erster unter 2:05. Vor sechs Jahren drückte Haile Gebrselassie hier die Bestzeit unter 2:04 und nun knackte Kimetto die 2:03-Stunden-Schallmauer…eine Minuten-Rekord-Run ohnegleichen, von dem Renndirektor Mark Milde, der ja an der Inszenierung maßgeblich mitwirkt, sagt: „Langsam wird mir unheimlich, wie schnell es wird.“

Seine und die anderer Experten Erklärung: Die Lauftalente aus Afrika gehen mehr und mehr direkt den Weg ohne Bahnlauf-Abstecher in die finanziell lukrative Karriere als Straßenlauf-Profi. Und die  Betreuung sei insgesamt in Kenia und anderswo besser geworden.

Ja, natürlich könne man noch schneller laufen. Mutai angriffslustig: „Ich habe noch Reserven und werde den Rekord im nächsten Jahr angreifen – wenn ich hier eingeladen werde.“

Und die Zweistunden-Marke – ist das vorstellbar? – Kimetto: „Ja, nur wann und wer das schaffen könnte, das ist unmöglich vorherzusagen.“ Aber vermutlich seine Generation eher noch nicht.

Sein Manager gab kund, dass Kimetto 2013 etwa 10 bis 15 Dopingtests absolviert habe. In diesem Jahr lediglich bei Wettkämpfen in Boston, Olomouc (Tschechien) und in Berlin – aber keine im Training.

Kimetto auf die unvermeidliche Frage nach der Verwendung des Geldes: Er sei Geschäftsmann und werde Häuser kaufen, um die zu vermieten. Unmittelbar nach dem Zieleinlauf beschränkten sich seine Auskünfte darauf, er sei „sehr glücklich“ und „Ja, das war ein guter Tage heute.“

Schnellere zweite Hälfte als Rennstrategie

 
Drei Tempomacher hatten das Duo sowie Geoffrey Kamworor und Tsegaye Kebede (Äthiopien) nach dem Start um 8:45 Uhr bei wieder einmal optimalen äußeren Bedingungen an die geplanten Zwischenmarken geführt. Lag die Spitze bei Halbzeit noch hinter der Rekord-Zwischenzeit zurück, so wurde das Tempo ab Kilometer 30 atemberaubend verschärft. Mit dem sogenannten Negativ-Split der schnelleren zweiten Hälft – erst 61:45, dann 61:12 Minuten – wurde der Grundstein für die fantastische, neue Bestmarke gelegt.

Bei Kilometer 36 kamen nur noch Kimetto/Mutai für den Sieg in Frage. Zwei Kilometer weiter vermochte sein einstiger Trainingsgefährte Mutai dem Tempo nicht mehr zu folgen und musste sich wie im Vorjahr in Chicago Kimetto beugen. Jener hatte dort mit 2:03:45 die globale Bestzeit nur knapp verfehlt. Vor zwei Jahren konnte der Läufer aus der kenianischen Talente-Region Eldoret mit zwei Auftritten in Berlin auf sein außerordentliches Potenzial aufmerksam machen: Durch eine Weltbestzeit über 25 km und Rang zwei in 2:04:16 als Zweiter bei seinem ersten Marathonrennen!

Neben dem Sieger-Preisgeld von 40 000 Euro kassierte der neue Weltrekordler 50 000 Rekordprämie, was zusammen mit der Antrittsgage insgesamt ein Sonntagshonorar um die 120 000 Euro ergeben dürfte.
Der Hallenser Falk Cierpinski, Sohn des zweimaligen Olympiasiegers Waldemar Cierpinski aus Halle/Saale, schaffte nach Verletzungspausen als 19. in 2:17:29 eine respektable Rückkehr.
  
Jubel um die neue Hoffnungsträgerin Anna Hahner

Im schwächer besetzten Frauen-Feld setzten sich die Äthiopierinnen Tirfi Tsegaye (2:20:18) und Feyse Tadese durch. Die US-Läuferin Shalane Flanagan verfehlte als Dritte nach zu schnellem Angang in 2:21:14 den nationalen Rekord sowie die Strecken-Bestmarke der Japanerin Noguchi (2:19:12) deutlich. Mit Hilfe von drei männlichen Tempohelfern steigerte sich die 24-jährige Anna Hahner als Siebente mit 2:26:44 um mehr als eine Minute. Und war „unglaublich glücklich“.

Die deutschen Medienvertreter überschlugen sich danach vor Begeisterung und Lobeshymen. Verständlich, denn zwei Jahre nach ihrem Marathon-Debüt gibt es wieder ein neues Gesicht mit Perspektiven in der Szene. Zu der gehört auch ihre Zwillingsschwester Lisa, diesmal nicht als Läuferin, sondern als Begleiterin auf dem Rad dabei.

Allerdings – solch einen Bewacher-und Helfer-Kordon wie in Berlin hätte sie beispielsweise in London oder Chicago nicht zur Verfügung, wo männliche Tempomacher die Frauen nicht bis ins Ziel geleiten dürfen. Und bis Anna Hahner mal in die Regionen einer Irina Mikitenko vorlaufen sollte, dürfte noch viel Schweiß fließen müssen. Die 42-jährige Mikitenko, einst aus Kasachstan nach Deutschland gekommen, hat u.a. zweimal in London und einmal in Berlin als Erste die Ziellinie passiert. Ihr deutscher Rekord von 2:19:19 (2008) ist für Hahner und andere derzeit unantastbar. Mikitenko verkündete in Berlin ihren Wettkampf-Abschied.

Insgesamt waren mehr als 55 000 an zwei Tagen – Kinder, Handbiker, Rollstuhlfahrer, Inlineskater, Läufer – aus mehr als 130 Nationen in Aktion. Auf der Suche nach Bewegung, Bestätigung, Abenteuer oder eben Bestzeiten.

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