Thomas Brussig ist kein Held …

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Die Autorenfußballnationalmannschaft

Derselbe Mensch und Autor Brussig schrieb dieser Tage im Tagesspiegel: „Nicht wählen zu gehen kann ja auch seine Ursache darin haben, dass ich als Wahlberechtigter glaube, dass es für meine Lebensrealität, meine materiellen und freiheitlichen Verhältnisse, mein Lebensglück und meine Geschicke nicht von Belang ist, wer an der Macht ist. Nicht zu wählen kann heißen: Keine der zur Wahl stehenden Optionen ängstigt mich, an keine binde ich mein Lebensglück. Nicht zu wählen bedeutet, sich nicht den politischen Verhältnissen unterworfen zu fühlen. Ich finde, das ist keine schlechte Situation. Es ist sogar ein erstrebenswerter Zustand. Nicht zu wählen bedeutet, Freiheit von der Politik auszudrücken. Das ist etwas sehr, sehr Kostbares.“

Für jemanden der es sehr kostbar findet von Politik frei zu sein, macht der Mann ansonsten doch recht zweifelhafte Dinge.

Da gab es doch eine Pressemitteilung vom DFB höchst selbst, die über die sogenannte Nationalmannschaft der Autoren berichtet. Aktuell hieß es: „Unter dem Motto „Kick and Read“ trifft auf Einladung der DFB-Kulturstiftung am 16. September 2009 die von Jörg Berger betreute Schriftsteller-Nationalmannschaft zu einem Länderspiel im Hamburger Millerntor-Stadion auf die Türkei… Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier und DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. Für das Spiel in Hamburg wird die „Autonama“ erstmals von Jörg Berger betreut. Der ehemalige Bundesligatrainer ist zuletzt selbst unter die Autoren gegangen mit der von ihm veröffentlichten Autobiografie „Meine zwei Halbzeiten: Mein Leben in Ost und West“. Neben ihm liest beispielsweise der Romancier Thomas Brussig.“

Brussig, der nach allgemeiner Lage der Dinge gar kein Fußball spielen kann, hat also diese Mannschaft gegründet und lässt sich vom Außenminister Steinmeier beispielsweise auf Reisen nach Israel einladen oder tritt im Aktuellen Sportstudio als toller Fußballspieler auf. Ober eben mit anderen Vorzeigekünstlern bei Frau Merkel. Denn der Heldenstatus garantiert nicht nur mediale Aufmerksamkeit sondern eben auch Auflage und Absatz von Büchern („Helden wir wir“) und Artikeln.

Da lässt es sich leicht im Tagesspiegel schreiben: „Doch bereits 1992 wurde Politikverdrossenheit zum „Wort des Jahres“. Dass sich im Zuge der Einheit das stabile, aber Ermüdung und Politikverdrossenheit erzeugende politische System der Bundesrepublik nicht reformierte, erweist sich immer mehr als Versäumnis, als verpasste Chance.“

Früher haben die Autoren Farbe bekannt und sich für politische Ideen begeistert, wie für die Ost-Politik von Willy Brandt. Heut laben sich die Autoren am Buffet der Mächtigen und jammern über die Politikverdrossenheit. Wer soviel Moral mit zweifelhaften Verhalten zu vereinbaren weiß ist sicher kein Diener, sondern nur ein weiterer Nutznießer der armen alten Demokratie.

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Artikel im Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/kultur/Wahlkampf-Bundestagswahl-Demokratie-Thomas-Brussig;art772,2881185,7-pg1#pg

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